Bauern ziehen sehr gemischte Erntebilanz

01. Oktober 2014

Paderborn/ wlv (Re) Anlässlich des Erntedankfestes sagen die Bauern traditionell Dank für die eingebrachte Ernte und den Ertrag ihrer Arbeit. Die Bilanz der Bauern ist allerdings ganz gemischt. „Es war ein ungewöhnliches Jahr“, resümiert der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Paderborn Hubertus Beringmeier. „Wir Bauern haben wieder einmal erfahren, wie abhängig die Landwirtschaft vom Wetter ist.“ Selten fiel die Ernte regional so unterschiedlich aus, teilweise war sie extrem schwierig und nervenaufreibend. Während die Landwirte in den Niederungsgebieten wie in Hövelhof oder Delbrück und auf den besseren Standorten wie in Salzkotten mit einem blauen Auge davon gekommen sind, machten insbesondere in den Höhenlagen im Raum Bad Wünnenberg, Büren, Altenbeken und Lichtenau, die widrigen Witterungsbedingungen den Landwirten einen Strich durch die Rechnung.

„In diesem Jahr ist es mal wieder anders gekommen, als mancher gedacht hat“, erläutert der Vorsitzende. Der Winter Fehlanzeige, auch das Frühjahr mild, mitten in die Getreideernte dann Regen. Die früh gestartete Ernte gestaltete sich durch immer wiederkehrende, teilweise ergiebige Niederschläge letztlich zu einer Hängepartie. Das Getreide konnte oft nicht zum optimalen Zeitpunkt, nur mit höheren Feuchtegehalten, gedroschen werden. Zahlreiche Felder waren stark durchweicht und damit nicht befahrbar. Beringmeier: „In den Höhenlagen des Kreises zog sich die Ernte bis in den September hin.“ Als besonderes Problem sei in diesem Jahr noch hinzugekommen, dass die Starkniederschläge in einigen Regionen die Getreidehalme flach an den Boden gedrückt hätten. „Neben einem erheblich höherem Ernteaufwand ging dieses erheblich zu Lasten der Qualität“, berichtet der Vorsitzende. Wie sehen die Ergebnisse aus? Bei der Wintergerste, liegen die Erträge im guten Durchschnitt, schwanken jedoch regional. Ähnlich sieht es bei den Roggen-, Triticale- (Kreuzung aus Weizen und Roggen) und Haferbeständen aus, die bis Juli gedroschen werden konnten: Hier sind die Bauern mit der Ernte zufrieden. Ab Juli ist es bei den durch Regen beeinträchtigten Beständen zu sinkenden Qualitäten gekommen. Vor allem der Weizen hat unter den widrigen Witterungsbedingungen gelitten. Er konnte nur mit schlechten, zum Teil sogar sehr schlechten Qualitäten, geerntet werden. Die Rapsernte zeigt mittlere bis gute Erträge, doch auch hier mit regionaler Spannbreite. Die Erlöse könnten aus landwirtschaftlicher Sicht wesentlich besser sein. Die Getreide- und Rapspreise liegen aufgrund der weltweit gut versorgten Lage etwa 15 bis 20 Prozent unter Vorjahr.

Noch ist nicht alles unter Dach und Fach: Beim Silo- und beim Körnermais sind sehr gute Erträge zu erwarten. Die Futterpflanze hat in diesem Jahr von den warmen Temperaturen und den stetigen Niederschlägen profitiert. Bei den Zuckerrüben rechnen die Bauern ebenso mit einer recht guten Ernte. „Sie scheint ertraglich vielversprechend zu werden“, schildert Beringemeier. Die Zuckergehalte seien allerdings zurzeit leicht unterdurchschnittlich. Hier hoffen die Bauern auf einen schönen Herbst mit viel Sonne und kühlen Nächten, damit die Rüben noch viel Zucker einlagern können. Große Ernte, geringe Preise, so bringt der Vorsitzende die Kartoffelernte auf den Punkt. Die Qualitäten seien durchwachsen aufgrund von Krankheiten durch die feucht, warme Witterung. Zudem fallen die Knollen besonders groß aus, so dass sie sich im Speisebereich nur sehr schwer vermarkten lassen. 

Der Vorsitzende abschließend zur Stimmung der heimischen Landwirte: Sie habe sich aufgrund sinkender Erzeugerpreise für Getreide, Milch und Fleisch im Verlauf des Jahres 2014 abgekühlt. „Auch die Russlandkrise hat leider oft mehr Einfluss auf unsere Preise als nötig“, erläutert Beringmeier. Er verdeutlicht, dass die Landwirte zuverlässige politische Rahmenbedingungen bräuchten, die eine nachhaltige betriebliche Planung ermöglichten. „Mehr Auflagen führen dazu, dass vor allem kleine Höfe diese nicht leisten können“, ergänzt Beringmeier. Höchst ärgerlich sei zudem, dass Detailregelungen zur nationalen Ausgestaltung der EU-Agrarreform zu spät kommen würden und die Landwirte bei der Herbstaussaat nicht mehr reagieren könnten. So fehlen etliche für die Praktiker relevante Details, vor allem für das Greening. „Das ist ein absolutes Informationsdesaster zu Lasten uns Landwirten“, unterstreicht der Vorsitzende. „Der Berufsstand appelliert an Bund und Länder, die Regelungen dringend zu beschließen, damit die Bauern endlich Klarheit über die Vorgaben hätten.

Kasten Erntedank

Am kommenden Sonntag, dem 5. Oktober, feiern wir in diesem Jahr das Erntedankfest. Das ist der Tag, an dem wir für die Ernte des Jahres danken, so sind in unseren Kirchen häufig viele Früchte des Feldes festlich aufgebaut. Auch Feste, Erntedankmärkte oder Umzüge zeigen die Freude über die eingebrachte Ernte.

Warum gerade dieser Termin?

Das Erntedankfest wird immer am ersten Sonntag nach dem Namenstag des Erzengels Michael, das ist der 29. September, gefeiert. Der Termin wurde vom Preußenkönig Friedrich II in einer Zeit festgelegt, in der es noch nicht so viel Hackfrüchte wie Kartoffeln, Rüben und Mais gab, deren Ernte ja zu die diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen ist. Außerdem war der Michaelistag schon lange ein für die Landwirtschaft bedeutsamer Tag, an dem der Wechsel vom Sommer zum Herbst und Winter eingeläutet wurde. Mit der Festlegung des Erntedanktages, sollten die regional unterschiedlichen Termine vereinheitlicht werden. Aber noch lange wurde in den Dörfern bei den Bauern selber früher eher das Einbringen des letzten Erntewagens auf regional unterschiedliche Art und Weise gefeiert.

 

Presse-Kontakt

Daten werden geladen …

powered by webEdition CMS