„Gülleduft“ liegt in der Luft Bauern bitten um Verständnis

06. Februar 2015

 

Paderborn /WLV (Re): Wer auf dem Land wohnt, wird es schon bemerkt haben: Seit Anfang Februar weht immer mal wieder „frische Landluft“ über die heimischen Felder. Der Grund des nun einsetzenden Duftes: Die Bauern bringen Gülle aus. „Gülle, Mist oder Substrate aus Biogasanlagen sind wichtige natürliche Dünger“, erläutert der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Paderborn Hubertus Beringmeier. Was den Landwirten helfe, teuren Mineraldünger zu sparen, ärgere häufig den Mitbürger. Dieser rümpfe „verschnupft“ die Nase, da Harn und Kot unserer Tiere nun mal ihren arteigenen Geruch hätten. Der Vorsitzende bittet daher um Verständnis, wenn´s duftet.

„Mit dem Ausbringen dieser natürlichen Düngemittel schließen wir Nährstoffkreisläufe“, so Beringmeier. Was dem Boden durch die Pflanzen an Nährstoffen entzogen werde, argumentiert er weiter, müsse man ihm auch wieder zufügen. Geschehe das nicht durch organische Dünger, müsse Mineraldünger zugekauft werden, sonst verarme der Acker. Pflanzen nehmen mit ihren Wurzeln aus dem Boden die Nährstoffe auf, die sie für das Wachstum und zur Bildung von Blättern, Stängeln und Früchten brauchen. „Diese Nährstoffe müssen dem Boden auch wieder zugeführt werden, damit er auf Dauer nicht verarmt“, erklärt der Vorsitzende. Das erfolge entweder mit Gülle oder Mist, also den Düngern, die im Stall anfallen, Substraten aus Biogasanlagen oder auch eigens dazu hergestellten Mineraldüngern.

 

Dass Gülle auch ihre Schattenseite hat, ist den Landwirten bewusst. Allerdings ist das normal. Beringmeier: „Alles, was bei Lebewesen den Verdauungsprozess durchlaufen hat, riecht nun mal nicht so toll.“ Das sei bei Rindern und Schweinen – deshalb auch bei der Gülle – so, aber auch bei allen anderen Tieren wie Hund und Katze – und eben auch beim Menschen.

 

Allerdings ist auch den Landwirten keinesfalls daran gelegen, dass organischer Dünger riecht. Sie unternehmen alles, um Geruchsbelästigungen zu vermeiden. „Denn Luftemissionen bedeuten auch Nährstoffverluste“, begründet der Vorsitzende. Darum werde beispielsweise heute der „Nachlass“ der Tiere möglichst direkt per Schleppschläuche oder „Gülledrill“ direkt an oder in den Boden gebracht. Beim Ausbringen haben die Bauern sowohl die gesetzlichen Regelungen im Blick als auch den Nährstoffbedarf der Pflanzen. Im Winter beispielsweise darf keine Gülle ausgefahren werden, denn in dieser Zeit wachsen die Pflanzen nicht und benötigen somit auch kaum Nährstoffe. Ab dem 1. Februar, wird wieder mit Gülle gedüngt, aber nur dann, wenn die Böden auch befahrbar sind; ein leichter Frost ist deshalb gut. „Mit Sondergenehmigungen war die Ausbringung schon ab dem 15. Januar möglich, dann musste man im Herbst aber früher mit der Düngung aufhören“, unterstreicht Beringmeier. „Aber nicht nur beim Zeitraum, auch bei der Menge und der Dokumentation sind wir an Gesetze gebunden.“

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