Heimische Bauern laden McDonalds, Burger King und IKEA zur Teilnahme an der Initiative Tierwohl ein

18. Juni 2015

Paderborn /WLV (Re): In einer landesweiten Plakatserie versuchen heimische Landwirte hinsichtlich der Initiatve Tierwohl bei Verarbeiter, Handel und Gastronomie Dampf zu machen. Großplakate werden an günstig gelegenen Flächen bekannter Unternehmen mit großer Gastronomie wie Mc-Donald’s, Burger King oder IKEA aufgestellt. Die Initiative Tierwohl ist Anfang Mai gestartet – mehr Landwirte wollen mitmachen als aktuell möglich. Die Schweinhalter haben Maßnahmen für mehr Licht, mehr Platz und mehr Lebensqualität für ihre Tiere umgesetzt. Das Geld des vom Lebensmitteleinzelhandel gespeisten Fonds reicht nicht aus, um alle Betriebe zu berücksichtigen. „Die Schweinehalter haben großes Interesse an der Initiative Tierwohl bewiesen, jetzt sind Handel und Verarbeiter am Zug“, unterstreicht der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Paderborn Hubertus Beringmeier. Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) müsse nachlegen, insbesondere diejenigen, die sich noch nicht beteiligt haben. In einem Pressegespräch auf dem Hof Beringmeier in Hövelhof erklärten am Donnerstag Berufsvertreter des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes die Hintergründe der Initiative Tierwohl, der Plakatkampagne und ihre Forderungen.

 

Gemeinsam verantwortlich handeln - unter diesem Motto setzt sich erstmalig in Deutschland ein branchenübergreifendes Bündnis aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel gemeinsam für mehr Tierwohl ein. Am 28. April endete die Registrierungsphase für diese „Initiative Tierwohl“. Nun steht fest, dass deutlich mehr Landwirte mitmachen wollen als aktuell möglich ist. Im Kreis Paderborn haben sich 49 Höfe beworben, aber nur 21 – weniger als die Hälfte - kommen zum Zuge. Es entschied das Losverfahren. „Wir sind beeindruckt und erfreut über dieses extrem hohe Engagement der Landwirte“, erklärt der Vorsitzende. Die Beteiligung der Bauern sei so überwältigend, dass die bisher zugesagten Mittel nicht ausreichen, alle registrierten Landwirte den Mehraufwand für die Tierwohl-Maßnahmen auszugleichen. In Deutschland ist nur jeder zweite der teilnahmewilligen 4.700 Landwirten berücksichtigt worden, im Kreis Paderborn sind es nur 40 Prozent. 28 heimische Bauern, die wegen der beschränkten Mittel derzeit nicht dabei sind, hatten zuvor mit zum Teil großen Aufwand Umbaumaßnahmen durchgeführt, um für die Teilnahme bereit zu sein.

Mit einer Plakatkampagne laden jetzt die Bauern noch abseits stehende Lebensmittelhändler und Systemgastronomen zur Teilnahme an der Initiative Tierwohl ein. Jedes Unternehmen, das mitmacht, zahlt für jedes verkaufte Kilogramm Fleischware 4 Cents in den Tierwohlfonds ein. Aus diesem Fonds erhält jeder teilnehmende Landwirt sein Tierwohl-Entgelt für Maßnahmen, die über das gesetzliche Maß hinausgehen. „Aktuell aber bekommen viele Bauern keinen Ausgleich und werden mit ihren deutlich erhöhten Kosten für die Initiative Tierwohl alleine gelassen werden“, bekräftigt Beringmeier.

„Unser Ziel ist es, die Beteiligung an der Initiative Tierwohl so groß wie möglich zu machen. Unternehmen wie McDonalds, Burger King oder Ikea laden wir ein, sich der Initiative anzuschließen“ erklärt der Vorsitzende zum Start der Plakataktion. „Hey McDonalds, gibt es euren Bacon auch mit extra Tierwohl ... und warum macht ihr noch nicht mit?“, „Hey Burger King, wann gibt’s die Probierwoche mit mehr Tierwohl ... und warum macht ihr noch nicht mit?“: Dies sind beispielweise Aussagen, die auf den großformatigen Plakaten zu lesen sind, die die Bauern im Umfeld der Unternehmens-Filialen aufgestellt haben. Die Plakate sollen als Einladung zum Dialog verstanden werden. Beringmeier: „Wir möchten das Bewusstsein schärfen, dass mehr Tierwohl nur gemeinsam zu erreichen ist und jeder seinen Anteil daran hat. Wir Bauern sind bereit, unseren Teil zu leisten.“

 

Der Berufsstand fordert eine Aufstockung der Mittel, um alle Anmeldungen der Tierhalter berücksichtigen zu können, insbesondere mahnen die Landwirte eine Teilnahme derjenigen an, die sich bisher noch nicht beteiligt haben wie Großkunden in der Gastronomie und die Fleischverarbeitung. Er verweist nochmals darauf hin, dass mit der Initiative Tierwohl ausschließlich die Kosten eines höheren Aufwandes ausgeglichen werden.

 

Weiter stellte der Vorsitzende heraus, dass die Landwirte aktuell unter einem hohen Preis- und Kostendruck ständen und gleichzeitig mit steigenden Anforderungen hinsichtlich Gesetzgebung und Auflagen konfrontiert würden. Hier appelliert er: Die Politiker sollten daran denken, dass Landwirtschaft auch weiterhin wirtschaftlich sein müsse um zu überleben. „Gerade kleineren Höfen, denen das Geld für große Investitionen fehlt, darf man durch die vielen politischen Entscheidungen nicht die Luft zum Atmen nehmen“, so der Vorsitzende.

 

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