Erntedank: Bauern ziehen Bilanz

Beringmeier: „Keinem ist geholfen, wenn die Tierhaltung ins Ausland abwandert, am wenigsten unseren Mitgeschöpfen, den Tieren."

30. September 2021

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Bildautor: Florian-Pottkamp

Paderborn /WLV (Re) Am Wochenende feiern wir Erntedank. „Wir danken traditionell für die Früchte des Feldes und einen reich gedeckten Tisch", sagt Hubertus Beringmeier, Bauernpräsident und Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Paderborn: „Wir konnten in diesem Jahr eine durchschnittliche Getreide- und Rapsernte einfahren.

Von den Kräften der Natur abhängig

„Nach drei trockenen Jahren war das Frühjahr feucht und kühl, der Sommer unbeständig", resümiert der Vorsitzende. Es regnete reichlich, die Grundwasserspeicher konnten sich „Gott sei Dank" erholen. Doch die Ernte war aufgrund des Wetters eine Hängepartie. „Zum Glück blieben wir von den verheerenden Unwettern und sintflutartigen Regenfällen verschont", betont Beringmeier. „Sie zeigen uns aber, dass wir doch nicht alles in der Hand haben und wir von den Kräften der Natur abhängig sind."

Wie war die Ernte?

Die Ernteaussichten waren sehr hoffnungsvoll. Die gute Versorgung mit Regen im Mai/Juni und der gute Eindruck der Pflanzen ließen optimistische Ergebnisse erwarten. „Leider traf es nicht so ein", berichtet der Vorsitzende. „Wir haben zwar viele, aber kleine Körner geerntet.

Backweizen knapp

Außerdem litten die Qualitäten unter dem Wetter zur Haupterntezeit. Vor allem Backweizen sei witterungsbedingt knapp, sagt er. „Verbleibt das reife Korn zu lange bei feuchter Witterung auf dem Halm, setzen Keimungsprozesse ein, was die Backeigenschaften verringert." So gebe es in diesem Jahr deutlich weniger Backweizen.

Gestiegene Preise

„Doch nach mehreren Jahren, in denen die weltweite Getreideerzeugung die Nachfrage nicht decken konnte, sind die Getreidepreise gestiegen", berichtet Beringmeier. Auf dem Weltmarkt treffe eine gute Nachfrage auf reduzierte Mengen. Diese seien durch schlechtere Ernten in Russland und Europa bis hin zu Missernten in Nordamerika bedingt. Besonders Brotweizen mit guten Backqualitäten würde am Markt nachgefragt. Doch des einen Freud ist des anderen Leid. „Denn hohe Getreidepreise wirken sich auch auf die Futterpreise aus, sie sind in die Höhe gegangen", schildert der Vorsitzende. Das belaste natürlich die Tierhalter noch mehr in der aktuell schwierigen Situation mit niedrigen Erzeugerpreisen für Fleisch.

Gute Grasernte

Die Rinderhalter können in diesem Jahr in puncto Futterversorgung aufatmen. Sie ziehen bei der für sie wichtigen Grasernte eine positive Bilanz. „Grünland braucht Feuchtigkeit und die hatten wir im Frühjahr und Sommer", so der Vorsitzende. Die Landwirtsfamilien mit Rindern, Pferden und Schafen müssten sich im Vergleich zu den letzten drei Dürrejahren keine Sorgen um das Futter machen.

Sonderkulturen: Spargel und Erdbeeren

Dagegen litt die Spargel- und Erdbeerernte in diesem Jahr unter der kühlen Witterung. Außerdem machte den Spargel- und Erdbeerbauern ein erneutes coronabedingtes Wegbrechen der Nachfrage durch die Gastronomie zu schaffen.

Ernte noch nicht vollständig eingebracht

Bei den Kartoffeln gehen die Landwirte von einer gut durchschnittlichen Ernte aus. Beim Mais erwarten sie eine gute Ernte. „Er hatte gute Wachstumsbedingungen bei einem guten Mix aus Sonne, Wärme und ausreichendem Regen", so Beringmeier. Bei den Zuckerrüben sehe es nach guten Erträgen, aber aktuell noch geringeren Zuckergehalten als im Vorjahr, aus. „Die Rübenbauern hoffen hier auf Sonnenschein für eine gute Entwicklung der Zuckerwerte", sagt der Vorsitzende.

Heimische Landwirtschaft ein hohes Gut

„Die Pandemie hat uns daran erinnert, dass immer und überall verfügbare Lebensmittel keine Selbstverständlichkeit sind", sagt Beringmeier. „Die meisten Bürger halten die hiesige Landwirtschaft für ein hohes Gut." Doch vielen Bauernfamilien fehle bei nicht auskömmlichen Preisen das Geld und die Perspektive angesichts hoher Investitionskosten, den stetig steigenden Anforderungen bei unklaren politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen. Doch er gibt zu bedenken: „Keinem ist geholfen, wenn die Tierhaltung ins Ausland abwandert, am wenigsten unseren Mitgeschöpfen, den Tieren."

„Unsere Familien leben auf Traditionshöfen", erinnert der Vorsitzende. „Wir wollen die Erde bewahren." Darum braucht die hiesige Landwirtschaft das Bekenntnis von Politik, Handel und Verarbeiter zum hochwertigen deutschen Erzeugnis. Trotz allen Widrigkeiten macht der Vorsitzende Mut: Gegessen werde immer. Die heimischen Bauernfamilien möchten auch zukünftig die Menschen mit hochwertigen Lebensmitteln versorgen. „Wir sind und bleiben Nahrungsmittelerzeuger." Doch im Zeitalter von Klimawandel würden Land- und Forstwirte zudem zu Klima- und Energiewirten, „die CO2 in Böden und Wäldern binden, aus Biomasse, Wind und Sonne Bioenergie produzieren sowie neue Ackerkulturen für eine eiweißreiche Ernährung anbauen", beschreibt der Vorsitzende.

Am Wochenende feiern wir Erntedank. Die Landwirtsfamilien danken traditionell für die Früchte des Feldes. Der Vorsitzende erinnert: „Die Pandemie hat uns vor Augen geführt, dass immer und überall verfügbare Lebensmittel keine Selbstverständlichkeit sind. Deshalb sollten wir alle dankbar sein für einen reich gedeckten Tisch."

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