Landwirtschaft in der Region:
Rückblick auf das Corona-Jahr 2020

29. Dezember 2020

Ruhr-Lippe (wlv). „2020 war für uns alle – auch für uns Landwirte - ein Jahr mit viel Ungeahntem und Ungewissem", so resümiert Hans-Heinrich Wortmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe (Kreis Unna, Bochum, Dortmund, Hamm und Herne) das nun fast vergangene Jahr. Corona, Afrikanische Schweinepest, wegbrechende Märkte, Neuregelungen für die Tierhaltung, eine nochmals neue Düngeverordnung, das Aktionsprogramm Insektenschutz mit seinen massiven Auswirkungen auf die heimische Hellweg-Börde und auch die Reform der Europäischen Agrarpolitik (GAP) – das seien bestimmende Themen für die Bäuerinnen und Bauern hier in der Region gewesen.

Märkte unter dem Einfluss des Pandemie-Geschehens

„Die Corona-Pandemie hat auch viele Bauernfamilien hart getroffen: Geschlossene Schlachtbetriebe, der Ausfall der Gastronomie und obendrein die Afrikanische Schweinepest haben die Tierhalter, vor allem die schweinehaltenden Betriebe in eine Krise gestürzt", sagt der Vorsitzende. Im Frühjahr seien die Preise für Rindfleisch durch den fehlenden Gastronomieabsatz abgerutscht und im Sommer hätten dann die Schlachthofschließungen und der fehlende Absatz durch die Afrikanische Schweinepest die Schweinepreise abstürzen lassen. Die aktuell ruinösen Erzeugerpreise für Schlachtschweine und Ferkel seien vielfach existenzbedrohend. Auch der Milchpreis befinde sich auf einem nach wie vor zu niedrigen Niveau. Dazu schwäche eine Reihe politischer Entscheidungen, wie die Verschärfung der Düngeverordnung und das geplante Insektenschutzgesetz, die heimische Landwirtschaft. Die Situation auf vielen Höfen sei extrem angespannt.

Der Ab-Hof-Verkauf und der Verkauf auf Wochenmärkten hingegen habe sich im Corona-Jahr 2020 vielfach positiv entwickelt. „Die Kunden schätzen, dass es in den Hofläden nicht so dicht gedrängt ist wie in den Supermärkten", sagt Wortmann. Besonders im Lockdown des Frühjahres habe das „selber kochen" vielfach zu einer höheren Wertschätzung für Nahrungsmittel geführt.

Erntebilanz: Große Spannbreite

„Mit den Ernteergebnissen können wir Bauern in der Region Ruhr-Lippe (Kreis Unna, Bochum, Dortmund, Hamm und Herne) größtenteils zufrieden sein", so der Landwirt. Allerdings sei die Spannbreite extrem groß gewesen. „Es gibt Flächen, auf denen haben wir Bauern richtig gut geerntet, aber auch Flächen, da fiel die Ernte sehr mager aus", sagt Wortmann. Besonders auf den Böden, die Wasser nicht lange speichern könnten, wie beispielweise Böden mit einem hohen Sandanteil oder sehr flachgründige Böden, hätten die Pflanzen stark unter dem Wassermangel glitten. Aber auch die lokale Witterung habe einen wichtigen Einfluss gehabt. „Die wenigen - aber wichtigen - Regenschauer gingen sehr unterschiedlich nieder", sagt er. Die Erntebedingungen seien gut gewesen. „Es gab kaum regenbedingte Zwangspausen", so der Landwirtevorsitzende. Das betreffe die meisten Ackerfrüchte: Getreide und auch die Herbstfrüchte wie Kartoffeln, Mais oder Zuckerrüben. Durchweg problematisch sei die Situation jedoch auf dem Grünland in diesem Jahr gewesen. „Wiesen und Weiden benötigen ausreichend Wasser und das fehlte im dritten Jahr in Folge", so Wortmann.

Sorge um den Wald

Sorgen bereitet der Wald. Hitze, Trockenheit und Borkenkäfer hätten ihm auch in diesem Jahr wieder zugesetzt. Es fehlten weiterhin Lösungen gegen die rasante Käferausbreitung, so Wortmann. Die Waldbauern dürften mit den klimabedingten Problemen nicht alleine gelassen werden, sagt er.

Froh über den Arbeitsplatz in freier Natur

„Dankbar sind wir Landwirte, dass wir trotz aller Corona-Auflagen unserer Arbeit nachgehen konnten", sagt Wortmann. Die sichere Versorgung der Bevölkerung mit heimischen Nahrungsmitteln habe immer gewährleistet werden können. Andere Branchen seien deutlich stärker beeinträchtigt gewesen. Auch die Arbeit in der freien Natur fernab der Menschenmengen sei in 2020 von den Landwirtinnen und Landwirten noch stärker als sonst geschätzt worden.

Presse-Kontakt

Landwirtevorsitzender Hans-Heinrich Wortmann blickt auf das Corona-Jahr 2020 zurück.

Im Corona-Jahr 2020 schätzten die Landwirtinnen und Landwirte das Arbeiten in der freien Natur noch mehr.

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