Heimische Landwirte:
Preisdruck muss aufhören,
Feigenblattaktion reicht nicht

08. Dezember 2020

Ruhr-Lippe (wlv). „Schön, dass Lidl die Initiative Tierwohl unterstützen will, aber wir brauchen eine grundlegende Abkehr von der massiven Preisdruckpolitik des Lebens­mittel­einzelhandels", so kommentiert der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe (Kreis Unna, Bochum, Dortmund, Hamm und Herne) Hans-Heinrich Wortmann die ganzseitige Anzeige des Lebensmittel­discounters Lidl am Montag in fast allen Tageszeitungen der Region. Um ihrer Ver­antwortung gegenüber der Landwirtschaft gerecht zu werden, wolle man 50 Millionen Euro in die Initiative Tierwohl einzahlen, war dort zu lesen. Diese Zusage machte der Lebensmittelhändler nach den Landwirteprotesten der vergangen Woche. Auch Bäuerinnen und Bauern aus der Region waren bei diesen Aktionen dabei, in erster Linie an dem Zentrallager in Bönen.

Die „Initiative Tierwohl" ist ein seit gut fünf Jahren existierendes branchen­übergreifendes Bündnis aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmittel­einzelhandel. Aus einem Fonds erhalten teilnehmende Landwirte einen Ausgleich für die Kosten für Tierwohl-Maßnahmen, die über das gesetzliche Maß hinausgehen. Auch in der Region nehmen viele Höfe an der Initiative teil.

„Die Zahlung in die Initiative Tierwohl ist damit kein Ausgleich für den permanenten Preiskampf, sondern eine Erstattung der zusätzlichen Kosten für konkrete Tierwohl­maßnahmen", stellt Wortmann klar und führt weiter aus: „Das ist ein guter Ansatz, es kann aber kein Feigenblatt für das Fortführen der „Geiz ist geil"-Mentalität im Lebensmittelhandel sein." Wegen des andauernden Preiskampfes verlören die Bauern diesen Betrag fast wöchentlich. Im Lebensmitteleinzelhandel müsse es eine höhere Wertschätzung für Lebensmittel gebe. Unlautere Handelspraktiken müssten ein Ende haben, sagt Wortmann. Zudem müssten Lieferbeziehungen langfristiger und verlässlicher werden und höhere Qualitätsstandards bezahlt werden.

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