„Verbrauauchäär“ sind unsere Kunden!

12. Dezember 2019

Spielregeln der Kommunikation: Mentalbäuerin Elke Pelz-Thaller in Südwestfalen

Kurzweilig und einringlich trug die "Mentalbäuerin" aus Franken ihre Gedanken zu den Bauernprotesten vor.

„Verbrauauchäär“ sind unsere Kunden!

Spielregeln der Kommunikation: Mentalbäuerin Elke Pelz-Thaller in Südwestfalen

Meinerzhagen/Südwestfalen. „Mit Traktoren in die Stadt – Wirkung und Nebenwirkung“ war der sachliche Titel des Vortragsabends, zu dem die Landwirtschaftlichen Kreisverbände in Südwestfalen die Kommunikationstrainerin Elke Pelz-Thaller aus Franken eingeladen hatten. Dieser entwickelte sich am Mittwoch im ev. Gymnasium in Meinerzhagen im Märkischen Kreis zu einem selbstkritischen Erlebnisabend voller Denkanstöße mit Donnerhall. „Die Bauernfamilien sind zwei Prozent der Bevölkerung -  wenn wir etwas bewegen wollen, müssen wir unsere Kunden mitnehmen“ malte die „Mentalbäuerin“ in eindringlichen Bildern den 80 Zuschauern ins Gedächtnis.

Die Demonstrationen seit dem 22. Oktober hätten eine neue Einigkeit in der ganzen Branche bewirkt, endlich sei die Agrarbranche aufgewacht und habe mit nie dagewesener Solidarität beeindruckende Bilder geschaffen. Jetzt gelte es, diese Aufmerksamkeit für die deutsche Landwirtschaft mit positiven Botschaften zu füllen. Dort sei die Wortwahl entscheidend wichtig: „Wir müssen FÜR etwas argumentieren. Nicht GEGEN das Agrarpaket, sondern FÜR sauberes Wasser und FÜR Insektenschutz. Sonst kann sich uns niemand anschließen. Das sind die Spielregeln des Prozesses.“

Vertrauen schaffen, sich neugierig in die Lebenswelt des Gegenübers versetzen und die andere Ansicht der Welt verstehen seien die Grundsätze einer erfolgreichen Kommunikation, spielte die Entertainerin an griffigen Beispielen vor. Dabei zog sie das für sie völlig unpassende Wort „Verbrauauchäär“ so quälend in die Länge, bis jeder mit ihr einig war: „Wenn wir mit dem Traktor nach Berlin fahren, besuchen wir die Konsumenten, unsere Kunden“.

Dass der Slogan „Wir machen Euch satt“ völlig an der Realität vorbeigehe, belegte sie mit drastischen Aussagen: „Wenn hier in Deutschland jeder Landwirt aufhört, braucht Brasilien nur vier Monate, um die Produktion der deutschen Bauern zu kompensieren.“ Für sie seien daher für heimische Lebensmittel die Zauberworte „Qualität und Genuss“: „Als weltdrittbeste (hinter Österreich und der Schweiz) Produzenten von Nahrungsmitteln in Qualität und Nachhaltigkeit verkaufen wir unsere Produkte so billig, als gäben wir einen Ferrari zum Preis von einem Fiat ab.“

Zum Rahmen: Michael Richard, Vorsitzender des Kreisverbandes Olpe, formulierte in seiner Begrüßung, dass er gespannt sei, Methoden an die Hand zu bekommen, um aus der „Bauernblase“ herauszukommen. WLV-Vizepräsident Henner Braach formulierte in seinem Schlusswort die Erkenntnis, „immer zu bedenken, dass unsere Kunden nicht böse über uns denken, aber in einer anderen „Insel“ leben und wir daher mit positiver Kommunikation über unsere Arbeit deutlich weiter kommen.“

Die Vertreter der Veranstaltergemeinschaft aus den Landwirtschaftlichen Kreisverbänden Märkischer Kreis, Olpe, Siegen-Wittgenstein und Hochsauerland überreichten der Referentin zum Schluss einen Weihnachtsbaum aus dem Sauerland und eine heimische Weihnachtsgans. Pelz-Thaller spontan im Dialekt: „Da wird mein Paul dahoam sagen, „endlich hast mal was Anständges mitgebracht.“

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