„Dieses Insektenschutzgesetz gefährdet den Vertragsnaturschutz“

11. November 2020

Landwirtschaftsverband und Kreisverwaltung fordern gemeinsam von der Bundesregierung, die Kooperation nicht zu behindern

Vorbildlich: Artenvielfalt in den Ederauen

Kreis Siegen-Wittgenstein. Bereits im Herbst 2019 hat die Bundesregierung ein „Aktionsprogramm zum Insektenschutz" beschlossen. Darin wurde auch ein Insektenschutz-Gesetz angekündigt, das verbindliche Vorgaben für den Insektenschutz schaffen soll. In Kürze werden auf politischer Ebene weitere Beratungen zum Aktionsprogramm sowie dem Insektenschutz-Gesetz erwartet. Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Siegen-Wittgenstein, Henner Braach, befürchtet, dass das Gesetz ohne substantielle Änderungen angenommen werden könnte und somit seinen Zweck verfehlt. Eben genau diese Befürchtung hat auch Arno Wied, Umweltdezernent des Kreises und Vorsitzender des Trägervereins der Biologischen Station: „Das Gesetzesvorhaben kann sich nachteilig auf den im Kreis Siegen-Wittgenstein besonders erfolgreich praktizierten Vertragsnaturschutz auswirken", so Braach und Wied unisono.
„Der Schutz von Insekten und die Förderung der Biodiversität werden von uns Landwirten nicht nur unterstützt, sondern maßgeblich mitgetragen, denn sie sind Grundlage für das Wirtschaften auf unseren Höfen. Folglich lehnen wir nicht die Zielsetzung des Insektenschutzgesetzes ab, sondern vielmehr die darin vorgesehenen ordnungsrechtlichen Maßnahmen", sagt Henner Braach. „Die durch das Gesetz beabsichtigten Verbote auf Naturschutzflächen stehen dem Ziel, etwas für die Insekten zu tun, damit sogar entgegen. Wir fordern stattdessen von der Politik kooperative Ansätze, denn Insektenschutz funktioniert nur mit uns Landwirten. Kooperation bedeutet für mich auch, alle Verursacher in die Pflicht zu nehmen. Insektenschutz muss gesamtgesellschaftlich diskutiert werden, um langfristige und erfolgreiche Lösungsansätze zu garantieren", so Braach.
Arno Wied ist vor allem in Sorge, weil der Referentenentwurf des BMU nach aktuellem Stand kontraproduktiv wirken könnte: „Im Kreis Siegen-Wittgenstein setzen wir im Natur- und Artenschutz und in der Landschaftspflege seit Jahrzehnten auf einen konstruktiven Dialog und eine enge Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Landwirtschaft. Und wir glauben, dass wir mit mehr als 2.000 ha Fläche, die von Landwirten im Rahmen des Vertragsnaturschutzes bearbeitet werden, gute Erfolge vorweisen können. Wichtig ist dabei, dass wir orientiert an den besonderen Erfordernissen einzelner Lebensraumtypen und den Besonderheiten einzelner Naturschutzgebiete individuelle Bewirtschaftungsregeln vereinbaren können. Dies erscheint sinnvoller, als pauschale Verbote und Gebote in Gesetzen vorzugeben, die an den besonderen Anforderungen der ökologisch hoch wertvollen Landschaften und Schutzgebiete im Kreisgebiet vorbeigehen. Zudem können wir mit den Leistungen aus dem Vertragsnaturschutz in einer Region, die von Flächen mit geringer landwirtschaftlicher Ertragsfähigkeit und vielen Grenzertragsbereichen geprägt ist, einen wichtigen Beitrag für die wirtschaftliche Existenzfähigkeit der Betriebe leisten."

Presse-Kontakt

Arno Wied (links) und Henner Braach (Archivbild)

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