Rückblick auf das Landwirtschaftsjahr 2013

27. Dezember 2013

„Es wurde nicht langweilig“

Kreis Soest (wlv). „Ackerbaulich interessant, preislich durchwachsen und agrarpolitisch spannend“, so blickt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Soest Josef Lehmenkühler auf das Jahr 2013 zurück.

Witterungsmäßig und somit ackerbaulich sei es ein interessantes Jahr gewesen: Ein langer, kalter Winter, wenn auch ohne extreme Tiefsttemperaturen und ein anschließendes kühles Frühjahr habe das Wachstum der Pflanzen zu Beginn des Jahres zunächst stark verzögert. „Wir konnten den kältesten März seit 25 Jahren vermelden“, so Lehmenkühler. Allerdings hätten die Pflanzen diese Zeit gut überstanden, denn es habe keine so extrem niedrigen Frosttemperaturen ohne schützende Schneedecke wie im letzten Jahr gegeben. Danach habe sich ein kaltes feuchtes Frühjahr angeschlossen. „Pünktlich zur sommerlichen Ernte kam  die Kehrtwende mit viel Sonnenschein und hohen Temperaturen“, sagt der Vorsitzende. Das sei die richtige Witterungskombination für das Getreide gewesen. „Gute Erträge, gute Qualitäten und gute Erntebedingungen“, fasst er zusammen. Die herbstliche Ernte habe dann recht unterschiedliche Ergebnisse beschert: „Bei den Kartoffeln hatten wir aufgrund der Sommertrockenheit  einen rund 15 Prozent geringen Ertrag und beim Mais variierte er auf den verschiedenen Standorten - bedingt durch die unterschiedliche Wasserversorgung - sehr stark“, so der Geseker Landwirt. Die Zuckerrübenernte sei mit mittleren Erträgen und guten Zuckergehalten besser als zunächst erwartet ausgefallen.

Zu den Preisen: Die Getreidepreise seien aufgrund der Weltmarktlage niedriger als im letzten Jahr, sagt Lehmenkühler. Positiv hingegen sei die Entwicklung der Milchpreise gewesen: „Zum jetzigen Zeitpunkt liegt der Milchpreis deutlich über Vorjahresniveau. Unsere Milchbauern können nun Luft holen und Einbußen vergangener, magerer Jahre ausgleichen.“ Der Schweinemarkt sei wie immer Preisschwankungen unterworfen gewesen, im Schnitt seien die Erlöse aber keineswegs „zum Jubeln“, macht er deutlich.

Politisch ein großes Thema in 2013 war die Reform der Europäischen Agrarpolitik. „Auf europäischer Ebene sind im Frühjahr die Würfel für die nächsten sieben Jahre gefallen“, sagt der Vorsitzende. Das bedeute aber noch nicht, dass der Weg schon bis ins Detail vorgezeichnet sei. Sorge bereite den Landwirten, wie die Reform tatsächlich auf nationaler Ebene ausgestaltet werde. Dies werde sich in den kommenden Monaten zeigen. Lehmenkühler: „Hier brauchen wir eine möglichst praxisbezogene Umsetzung.“ Auch auf die Koalitionsverhandlungen im Herbst schauten die Landwirte mit Sorge.  „Der nun entstandene Vertrag von Union und SPD ist ein in den meisten Punkten tragfähiger Kompromiss für die Landwirtschaft“, erklärt der Landwirtevorsitzende. In einigen Bereichen müsse aus Sicht der Landwirtschaft allerdings noch nachgearbeitet werden, forderte er. Beispielsweise gehe die Einigung auf einen gesetzlichen Mindestlohn für die Landwirtschaft speziell bei Saisonarbeitskräften über das hinaus, was wirtschaftlich tragfähig sei. Besonders Obst und Gemüse könnten bei zu hohen Lohnkosten in Zukunft möglicherweise nicht mehr in ausreichendem Maße aus der heimischen Landwirtschaft zu beziehen sein. Vom Landwirtschaftsministerium, das  nun im neuen Zuschnitt existiere, erhofft er sich – trotz einer gewissen „fachlichen Ferne“ des Ministers – eine praxisorientierte Landwirtschaftspolitik.

In das kommende Jahr blickt Josef Lehmenkühler mit Aufbruchstimmung: Die großen Themen unserer Zeit – Klimawandel, Welternährung, Bioenergie – seien ohne den Beitrag der Landwirtschaft nicht zu bewältigen. Den heimischen Höfen komme dabei eine besondere Rolle zu: Nach einer in 2013 durchgeführten repräsentativen Infratest-dimap-Umfrage sehen 91 Prozent der Bevölkerung die Stärken der deutschen Landwirtschaft in der Erzeugung qualitativ hochwertiger Lebensmittel. „Diese Vertrauen freut uns“, so Lehmenkühler, „wir Bauern werden alles daran setzen, diesem gerecht zu werden.“

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