Landwirtschaftsjahr 2015

28. Dezember 2015

Ein Blick zurück

Kreis Soest (wlv).Das Jahr 2015 neigt sich dem Ende entgegen. Wie war es für die heimischen Bauern? Mit dem Vorsitzenden des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Soest Josef Lehmenkühler blickten wir auf das landwirtschaftliche Jahr 2015 zurück:

JosefLehmenkühler, Sie sind Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Soest und damit ehrenamtlicher Sprecher der Landwirte in unserem Kreis. Das Jahr 2015 geht dem Ende entgegen.  Wie blicken die heimischen Bauern zurück?

Josef Lehmenkühler: Beim Blick auf 2015 klafft die Schere auseinander! Natur, Wetter und Ernteergebnisse lassen uns im Kreis Soest zufrieden und mit Dankbarkeit auf 2015 zurückblicken. Die Preise und damit die wirtschaftliche Situation jedoch entwickelten sich in diesem Jahr zur reinsten Katastrophe. Im politischen Bereich bereiten uns die geplanten Vorhaben massive Sorgen. Die Stimmung auf den Höfen ist nicht gut, denn die wirtschaftlich angespannte Lage ist für viele existenzgefährdend.

Fangen wir mit dem Positiven an, wie fiel denn die Ernte der verschiedenen Früchte im Jahr 2015 aus?

Josef Lehmenkühler: Im Schnitt aller Fruchtarten sind wir im Kreis Soest zufrieden. Die Erträge beim Getreide waren in diesem Jahr sehr unterschiedlich und zeigten eine große regionale Spannbreite, im Durchschnitt waren sie aber durchaus gut. Auch mit dem sommerlichen Erntewetter konnten wir zufrieden sein. Witterungsmäßig hat es schon schlechtere Jahre gegeben. Bei Kartoffeln, Zuckerrüben und Mais fielen die Erträge 2015 ebenfalls zufriedenstellend aus.

Trotz der Zufriedenheit mit der Natur und mit der Ernte des Jahres 2015 haben die Bauern zum Ende des Jahres Sorgenfalten auf der Stirn. Warum?

Josef Lehmenkühler: Die Preise sind in nahezu allen Produktbereichen in den Keller gerutscht. Viele Bauern schreiben tiefrote Zahlen, denn die Erzeugerpreise für Milch und Fleisch sind katastrophal und auch das Getreide hat einen kräftigen Sturz erlebt. So stehen vor allem unsere Tierhalter wirtschaftlich unter Druck; besonders betroffen sind die Sauenhalter und die Milchbauern.

Was sind die Gründe für die Preisabstürze?

Josef Lehmenkühler: Neben der abgeschwächten Konjunktur in Schwellenländern wie China hat vor allem das russische Importverbot zu der extrem angespannten Situation geführt. In diesen Ländern werden beispielsweise im Schweinefleisch­bereich die fettreicheren Teilstücke vermarktet, die der Verbraucher hier nicht mehr nachfragt. Wir Bauern zahlen einen hohen Preis für die politischen Eingriffe in den Markt. Eine Aufhebung des russischen Embargos für  landwirtschaftliche Produkte würde eine deutliche Entlastung bringen.

Aber auch das Verhalten des Lebensmittelhandels ist nicht in Ordnung. In dieser angespannten Situation wird  ein unfaires, unmoralisches Preisdumping betrieben. Wer Lebensmittel liebt, kann nicht gleichzeitig die Bauern mit Niedrigpreisen knebeln. Der Handel nutzt seine Macht massiv aus.

Woher kommt diese Macht des Handels?

Josef Lehmenkühler: Es hat im Lebensmitteleinzelhandel eine enorme Konzentration stattgefunden. Es sind nur noch wenige im Geschäft und die diktieren die Preise. Einzelhandel und Ernährungsindustrie kaufen zu Niedrigpreisen ein, was zu Lasten der Wirtschaftlichkeit der Landwirtschaft geht. So hat sich auch die Diskrepanz zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen in diesem Jahr bei vielen Produkten vergrößert.

Auch das, was derzeit im politischen Bereich diskutiert werde, bereite den Bauern in der Region Sorgen, sagten Sie. Was sind das für Vorhaben?

Josef Lehmenkühler: Es gibt einige geplante Gesetze und Änderungen wie das Landeswasser- und Landesnaturschutzgesetz NRW, die Nachhaltige Nutztierhaltung in NRW, die Düngeverordnung und das Artenschutzabkommen, die extreme Auflagen mit sich bringen. Wir Landwirte sind zu allen Gesprächen und auch zu Veränderungen bereit; es gibt aber in den Entwürfen zu diesen Gesetzen und Verordnungen Punkte, die haben mit bestem Willen nichts mehr mit Praktikabilität zu tun und verfehlen das eigentliche Schutzziel. Wer ständig erwähnt, dass die bäuerliche Landwirtschaft politisch gewollt sei, der muss darauf achten, dass Bauern nicht durch immer mehr Auflagen und strengere Vorschriften im Wettbewerb untergehen. Das ‚Aus‘ trifft zuerst die kleineren Höfe, von denen wir im Kreis Soest nicht wenige haben.

Wie blicken die heimischen Landwirte auf das Jahr 2016?

Josef Lehmenkühler: Es wird nicht leicht, aber wir lassen uns nicht unterkriegen! Gegen die schlechten Preise kämpfen wir an und mit der Politik müssen wir intensivste Gespräche führen. Aber auch wir haben an der einen oder anderen Stelle Verbesserungspotenzial. Dass die Landwirtschaft beispielsweise für höhere Standards im Tierkomfort steht, hat sie nicht nur mit der im Frühjahr gestarteten Initiative Tierwohl bewiesen. In unserer Region wollten doppelt so viel Berufskollegen mitmachen, wie tatsächlich mitmachen konnten. Hier muss auch der Handel, der die Initiative Tierwohl finanziell mitträgt, nachlegen.

So schwer vieles werden wird, wir Landwirte blicken auch immer mit Freude in ein neues Jahr, denn wir haben einen wirklich schönen Beruf. Ich persönlich wünsche mir, dass möglichst viele der Höfe, die es heute, zum Jahreswechsel im Kreis Soest gibt, am Ende des Jahres 2016 auch noch existieren und ich wünsche mir Rahmenbedingungen, die jungen Leuten, die Spaß an der Landwirtschaft haben, auch Mut machen, Bauer zu werden.

 

Presse-Kontakt

Mit dem Erntewetter waren die heimischen Landwirte in 2015 zufrieden.

Die Milchpreise rutschten 2015 in den Keller.

Landwirtevorsitzender Josef Lehmenkühler blickt mit gemischten Gefühlen auf das Jahr 2015 zurück.

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