Zeit um Dank zu sagen

30. September 2016

Kreis Soest (wlv). Zum bevorstehenden Erntedankfest am kommenden Sonntag ziehen die Landwirte in der Region des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Soest Bilanz. „Ein Großteil der Ernte in diesem Jahr ist eingefahren und nun ist es Zeit, dass wir unseren Dank aussprechen und Rückschau halten“, so der Landwirtevorsitzende Josef Lehmkühler.

Auf das Erntejahr 2016 blicken die Landwirte der Region mit gemischten Gefühlen. Die Erträge der angebauten Kulturen seien in diesem Jahr deutlich geringer als im Vorjahr, dennoch blieben die Landwirte in Soest von wirklichen Missernten verschont.

Die Erträge von Gerste und Raps haben ihre Erwartungen nicht erfüllt. „Sie sind deutlich geringer als im Vorjahr, wobei wir letztes Jahr vor allem bei der Gerste eine Rekordernte einfahren konnten“, sagt Lehmkühler. Jedoch habe man auch den langjährigen Durchschnitt nicht erreicht. Die  Weizenernte sei durchschnittlich ausgefallen. „Trotzdem sind wir Landwirte froh, dass wir alle Felder ernten konnten und von den Überschwemmungen, wie sie beispielsweise am Niederrhein im Mai und Juni stattgefunden haben, verschont geblieben sind“, erklärt Lehmkühler.

Die Ursache für die reduzierte Ernte sei das unbeständige Wetter. Die Temperaturen im Juni und Juli seien zu gering und die Niederschläge zu hoch gewesen um eine optimale Ernte einzufahren. „Außerdem wirke sich die geringe Sonneneinstrahlung in der Kornfüllungsphase im Juni negativ auf das Getreide aus“, sagt Lehmenkühler. Die Körner seien kleiner und haben einen geringeren Rohproteinanteil und somit eine schlechtere Backqualität.

Ebenfalls nicht zufriedenstellend sei die Preissituation in diesem Jahr. Rekordernten in der Ukraine, Russland und den USA hätten die Vorratsspeicher weltweit gut gefüllt und würden die Erzeugerpreise entsprechend niedrig ausfallen lassen. „Daher sinken die Preise in dieser Region, obwohl in diesem Jahr weniger Ertrag erzielt wurde, als im vergangenen Jahr“, erklärt Lehmenkühler.

Auch für die Pflanzen, die jetzt noch auf den Feldern stehen oder bei denen die Ernte bereits begonnen hat, habe das Wetter Nachteile gehabt. Auf sehr leichten Standorten habe die Maisernte bereits Anfang September begonnen. „Das ist sehr ungewöhnlich und viel früher als in den vergangenen Jahren“, so Lehmkühler. Die Ursache seien die oft nicht sehr stark ausgebildeten Wurzeln. „Im Frühsommer mussten sich die Wurzeln nicht stark entwickeln, da sie immer genug Wasser zur Verfügung hatten“, erklärt Lehmkühler und führt fort: „Die spätsommerliche Trockenphase haben die Pflanzen daher nicht gut vertragen.“ Dadurch gebe es starke Ertragsschwankungen sogar innerhalb eines Schlages.

Für die Kartoffeln erwarten die Landwirte in der Region allerdings eine gute Ernte, jedoch seien die Erntebedingungen auch hier schwierig. „Die Böden sind sehr trocken. Deshalb lassen sich die Kartoffeln schlecht von der Erde trennen“, erklärt Lehmkühler. Zudem würden die Kartoffeln durch die Siebe beim Ernten beschädigt, was bei feuchtem Wetter nicht so schnell geschehen würde.

 „Für die Zuckerrüben hingegen war die Sonnenperiode im August und September gut“, erzählt Lehmkühler, „sie lagern bei Sonnenschein viel Zucker ein.“ Die Ernte, die aktuell begonnen hat, verspreche gute Zuckergehalte.

Blicke man vom Feld in den Stall, bereite den Landwirten die Preislage für Milch und Fleisch große Sorgen. Besonders in der Milchwirtschaft gebe es einen Tiefpunkt, der die Landwirte um ihre Existenz bangen lasse, sagt der Landwirtevorsitzende.

Das Erntedankfest 2016 begeht der Vorsitzende der Landwirte mit Dankbarkeit, aber auch nicht ganz ohne Sorgen. „Man darf nicht vergessen, dass die wirtschaftliche Situation ist auf vielen Höfen äußerst angespannt ist. Zum Erntedankfest wird uns aber besonders bewusst, wie dankbar wir sein können, dass wir keine Missernte eingefahren haben und dass in unserem Land alle Menschen satt werden können“, sagt Josef Lehmenkühler.

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Landwirtevorsitzender Josef Lehmenkühler zieht zum Erntedankfest Bilanz

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