Erste Rübenaussaat unter neuen Vorzeichen

30. März 2017

Rüben und Kartoffeln werden jetzt gelegt

Kreis Soest (wlv). Das schöne Wetter schickt die Bauern auf die Felder: Neben Bodenbearbeitung und Düngung sind die heimische Landwirte im Kreis Soest aktuell besonders damit beschäftigt, Zuckerrüben und Kartoffeln in den Boden zu bringen.

„Da beide Kulturen keinen Frost vertragen, ist es immer ein Abwägungsprozess wann die Knollen und das Rübensaatgut in den Boden gelangen“, sagt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Josef Lehmenkühler. Früh genug solle es sein, damit die Pflanzen eine ausreichend lange Vegetationsperiode nutzen könnten, aber nicht zu für, damit die jungen Pflänzchen nicht durch den Frost geschädigt würden, so der Landwirt. So gelte  bei der Aussaat der Rüben der Satz „Wer zu früh sät, sät zweimal“.

„Kartoffeln und Rüben können in diesem Jahr in einem guten, lockeren Saatbett abgelegt werden“ sagt Lehmenkühler, denn in diesem Winter habe es erfreulicherweise ausreichend tiefe Temperaturen gegeben und somit habe der Boden eine gute Frostgare, also eine lockere, krümelige Bodenstruktur.

Mit einer mehr als 130-jährigen Tradition hat der Zuckerrübenanbau in der Hellwegbörde wirtschaftliche Bedeutung. „Unsere guten Böden sind wie geschaffen für die süße Frucht“, sagt Lehmenkühler. Allerdings stehe in diesem Jahr die Rübenaussaat unter ganz neuen Vorzeichen: „Sie ist die erste Aussaat unter den Vorgaben der neuen EU-Marktordnung ohne Zuckerquote.“  Mit dem Ende der Quote entfalle auch die Mengenbegrenzung für die Erzeugung von Zucker in der Europäischen Union. Das bedeute auf der einen Seite, dass die Landwirte nicht mehr so stark im Rübenanbau begrenzt seien, auf der anderen Seite aber auch Rübenpreise, die viel stärker schwanken könnten. „Wir hoffen, dass diese wichtige Frucht im Kreis Soest weiterhin wirtschaftlich bleibt“, so Lehmenkühler.


Hintergrund: Zucker aus Zuckerrüben

Für die Herstellung von einem Kilogramm Zucker, also einem Paket, braucht man je nach Größe und Zuckergehalt etwa 8 bis 10 Rüben. Für diese Menge Rüben benötigt man eine Anbaufläche von circa einem Quadratmeter.

Seit über 200 Jahren werden in Deutschland Zuckerrüben angebaut und daraus Zucker gewonnen.

1747: Andreas Sigismund Marggraf entdeckt, dass die Runkelrübe den gleichen Zucker enthält wie das Zuckerrohr.
1801/1802: Nachdem Marggrafs Schüler und Nachfolger Franz Carl Achard erstmals aus Rüben Zucker gewinnen konnte, entsteht in Cunern (Schlesien) die erste Rübenzuckerfabrik der Welt.

Seither hat sich vieles verändert: So mussten zum Beispiel 1836 noch 20 Kilogramm Rüben verarbeitet werden, um ein Kilogramm Zucker zu gewinnen - heute braucht man dafür nur noch rund sieben Kilogramm.

Mit der Entdeckung des Rübenzuckers und seiner Nutzung verlor der Zucker seine bisherige Rolle als Luxusartikel und wurde allmählich zum Volksnahrungsmittel.
Im Jahre 1500 hatten fünf Kilogramm Zucker ungefähr den gleichen Wert wie eine ganze Ritterrüstung.

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