Dankbarkeit im Dürrejahr

05. Oktober 2018

Erntedank 2018

Kreis Soest (wlv). „Von der Saat bis zur Ernte - ein Jahr, wie wir Bauern es selten erlebt haben“, sagt Josef Lehmenkühler, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Soest. An ein Jahr mit solchen Extremen könne er sich kaum erinnern, so der Landwirtevorsitzende: „Zur Aussaat im letzten Herbst und den ganzen Winter hindurch kämpften wir mit dem nicht aufhörenden Regen und freuten uns über jeden trockenen Tag. Dann kam von jetzt auf gleich die Trockenheit und wir freuten uns über jeden noch so kleinen Regenschauer“. Die Stimmung zum Erntedank¬fest sei aber gerade in einem Jahr wie diesem von Dankbarkeit geprägt.
Die Ernteergebnisse weisen eine große Bandbreite auf, je nach Bodenverhältnissen und lokaler Witterung. „Die wenigen, aber wichtigen Regenschauer gingen lokal sehr begrenzt nieder und die Bodenqualitäten spielten bei der Trockenheit eine extrem große Rolle“, berichtet Lehmenkühler. Besonders problematisch sei die Situation auf den leichteren, flachgründigen Böden gewesen, die Wasser nicht lange speichern könnten. Schon bei der Getreide- und Rapsernte seien die Ertragsunterschiede groß gewesen. Einen Vorteil hätte das trockene Sommerwetter allerdings gehabt: Der Verlauf der Erntearbeiten sei ideal gewesen und die Landwirte mussten das Getreide vor dem Einlagern, wie in nassen Jahren erforderlich, nicht trocknen. „Schon Anfang August konnten wir die Getreideernte abschließen“, sagt Lehmenkühler. An einen so frühen Zeitpunkt könne sich kaum jemand erinnern.

Die Maisernte habe dann, so zeitig wie nie, im August begonnen. „Auch hier streuen die Erträge stark“, sagt Lehmenkühler. Bodenqualitäten und lokal begrenzte Regen¬fälle hätten zwischen zufriedenstellenden Erträgen und Missernten entschieden.

Bei den Kartoffeln habe  die Dürre ebenso deutliche Spuren hinterlassen. Die Mindererträge lägen  bei 20 bis 50 Prozent. „In diesem Jahr ist der Anteil kleiner Kartoffeln deutlich höher“, sagt der Vorsitzende. Ebenfalls unter der Hitze gelitten hätten die Zuckerrüben. Die Landwirte erwarten durch die hohe Sonneneinstrahlung zwar hohe Zuckergehalte, da aber auch die Zuckerrüben kleiner seien, fielen aktuell auch die Mengen geringer aus, sagt der Vorsitzende und ergänzt: „Da die Rübenernte aber gerade erst begonnen hat und bis November andauert, wird das Herbstwetter noch einen entscheidenden Einfluss haben.“

Besonders hart treffe die Trockenheit in diesem Jahr die Rinder-, Pferde- und Schafhalter. Auf Wiesen und Weiden sei irgendwann nichts mehr nachgewachsen. So hätten die Tiere vielfach mit dem für den Winter eingeplanten Futter zugefüttert werden müssen und auch in den vertrockneten Wiesen habe der dritte und vierte Grasschnitt in den meisten Fällen nicht erfolgen können. „ Das bedeutet, dass die aufgrund der Trockenheit eh knappen Wintervorräte schon im Sommer angebrochen werden mussten“, sagt Lehmenkühler.
Abschließend betont der Vorsitzende: „Dürre und Hitze zerrten arg an unseren Nerven und führten zu Ertragseinbußen. Trotzdem müssen wir Bauern im Kreis Soest im Vergleich zu Berufskollegen in anderen Regionen zufrieden sein. Ost- und Norddeutschland seien wesentlich stärker betroffen gewesen, dort gehe es bei vielen Bauern um die Existenz. Zum Erntedankfest bestimme Dankbarkeit die Stimmung der heimischen Landwirte. „Hitze und Dürre führten uns einmal wieder vor Augen, dass eine gute Ernte keine Selbstverständlichkeit ist; dies sollten wir alle schätzen.“ In früheren Jahrhunderten hätte eine so langanhaltende Trockenheit eine Hungerkatastrophe ausgelöst, sagt Lehmenkühler.


Gibt es in diesem Jahr zwei Erntedanktermine?

In diesem Jahr ist das mit dem Erntedankfest nicht so einfach: In einigen Dörfern und Kirchen im Kreis Soest wurde schon am letzten Sonntag das Erntedankfest begangen, in anderen wird es erst am kommenden Sonntag gefeiert. Während es in den meisten Jahren einen einheitlichen Erntedanktermin gibt, haben wir in diesem Jahr tatsächlich zwei Termine. Warum ist das so?

Die Tradition Erntedank zu feiern ist schon sehr alt, einen einheitlichen Termin gab es aber über Jahrhunderte nicht. Erst der Preußenkönig Friedrich II., der „Alte Fritz“, legte 1773 fest, dass alljährlich am Sonntag nach dem Michaelistag (29. September) Erntedank gefeiert werden solle. Das ist meistens der erste Sonntag im Oktober, in einigen Jahren, wie in diesem, aber auch der letzte Septembersonntag.

Die beiden Kirchen haben den ersten Sonntag im Oktober zwar als Festtermin ausgewählt, lassen den Gemeinden aber freie Hand.
Also:  Immer in den Jahren, in denen der Sonntag nach dem Michaelistag noch in den September fällt, gibt es ein gewisses „Durcheinander“ und zwei mögliche Erntedanktermine.

Presse-Kontakt

Landwirtevorsitzender Josef Lehmenkühler: "Das Erntejahr 2018 werden wir Bauern so schnell nicht vergessen."

Vertrocknet und braun, so sahen die heimischen Wiesen und Weiden im Sommer 2018 aus.

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