Raps in voller Blüte Rapsanbau im Kreis Soest vor dem Aus?

28. April 2020

Kreis Soest (wlv). Leuchtend gelbe Flecken zieren wieder die Landschaft: Im Kreis Soest gehört die Rapsblüte für viele Menschen fest zum Frühjahr. „Aber die gelben Blüten erfreuen nicht nur den Betrachter, sondern spenden auch den Honigbienen und anderen Insekten reichlich Nektar“, erklärt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Soest Josef Lehmenkühler. „Wir hoffen, dass wir diese wichtige Pflanze in der Börde erhalten können, denn die Anbaufläche ist rückläufig“, sagt er.


Raps sei eine sehr zuverlässige Honigtracht und bei den heimischen Imkern ein begehrtes Wanderziel, sagt er. Inzwischen erhalten wir Landwirte im Kreis Soest auch Anfragen von Imkern aus anderen Regionen, die gerne ihre Bienen in unsere Rapsflächen stellen möchten, so Lehmenkühler. Raps sei blütenreich, mit viel Nektar bestückt und zudem sei Rapshonig äußerst beliebt. Der helle bis fast weiße Honig schmecke sehr mild und sei ist mit einem feinen, süßen Aroma behaftet.


Auch die Landwirte hätten ein großes Interesse an der Bestäubungsarbeit der Bienen. Als Selbst- und Fremdbefruchter könne die Rapsblüte zwar sich selbst und auch benachbarte Blüten befruchten, aber bei Insektenbeflug durch Honigbienen, Wildbienen, Schmetterlinge und Fliegen sei der Fruchtansatz und Ertrag deutlich höher. Beide Seiten hätten so einen Vorteil, ergänzt Landwirt Henrik Wieneke-Stöcker aus Lippstadt-Bökenförde,  der in diesem Jahr 18,5 Hektar Raps anbaut.


Eine Rapspflanze bilde bis zu 100 Blüten. „Daraus wachsen dann in Schoten ca. 2.500 kleine, runde, schwarzbraune Samenkörner mit einem Ölgehalt von etwa 40 Prozent heran“, so Lehmenkühler. Rapsöl aus heimischer Erzeugung komme bei den Verbrauchern an: Es sei schon seit Jahren das beliebteste Speiseöl in deutschen Küchen.


Das Öl wird aber nicht nur für Ernährungszwecke, sondern auch als nachwachsender Rohstoff verwendet. Es eignet sich als Schmieröl oder -fett oder auch als Kraftstoff.  Der Vorteil besteht in dem nahezu vollständig geschlossenen Kohlendioxidkreislauf.


Neben dem Öl ist auch das bei der Pressung anfallende Schrot begehrt. „Wir Landwirte  tragen mit dem Rapsschrot dazu bei, den Bedarf an hochwertigem Eiweiß bei Rindern, Schweinen und Geflügel zu decken“, sagt Wieneke-Stöcker.


„Zudem hat die Pflanze in der Fruchtfolge hervorragende ackerbauliche Eigenschaften“, so Lehmenkühler. So wird Raps bereits Ende August gesät und entwickelt noch vor dem Winter ein bodenbedeckendes Blätterkleid, das den Acker vor Verschlämmung und Erosion schützt. „Mit ihren tiefen Pfahlwurzeln greift die Pflanze in die unteren Bodenschichten ein. Sie holt Nährstoffe, die vom Regen nach unten ausgewaschen worden sind, wieder in den Wurzelbereich zurück“, so der Vorsitzende. Trotz der vielen Vorzüge sei der Rapsanbau rückläufig, sagt der Lehmenkühler,  denn politische Auflagen, wie beispielsweise das Verbot von Beizmitteln oder die novellierte Düngeverordnung, würden den Landwirten zunehmend die Möglichkeiten nehmen, den Raps gesund zu erhalten und ihn pflanzengerecht zu ernähren. „Wenn zudem das diskutierte  Pflanzenschutzverbot  im Vogelschutzgebiet Hellwegbörde in Kraft treten würde, wäre das das sichere Aus für den Raps in dieser Region“, ergänzt Landwirt Henrik Wienke-Stöcker. „Verzichten wollen wir in unserer Region auf den Raps nur sehr ungerne“, sagt der Landwirt, denn Insekten, Boden und auch die Menschen freuten sich über die gelbe Blütenpflanze in der Fruchtfolge.

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Leuchtend gelb und ein süßer Blütenduft: Rapsfelder zieren den Kreis Soest im Frühjahr

Henrik Wieneke Stöcker aus Bökenförde würde nur sehr ungerne auf den Rapsanbau verzichten.

"Raps spendet Honigbienen und anderen Insekten reichlich Nektar," sagt Landwirtevorsitzender Josef Lehmenkühler.

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