Landwirte im Kreis Soest:
Preisdruck muss aufhören,
Feigenblattaktion reicht nicht

08. Dezember 2020

Kreis Soest (wlv). „Schön, dass Lidl die Initiative Tierwohl unterstützen will, aber wir brauchen eine grundlegende Abkehr von der massiven Preisdruckpolitik des Lebensmitteleinzelhandels", so kommentiert der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Josef Lehmenkühler die ganzseitige Anzeige des Lebensmitteldiscounters Lidl am Montag in fast allen Tageszeitungen der Region. Um ihrer Verantwortung gegenüber der Landwirtschaft gerecht zu werden, wolle man 50 Millionen Euro in die Initiative Tierwohl einzahlen, war dort zu lesen. Diese Zusage machte der Lebensmittelhändler nach den Landwirteprotesten der vergangen Woche. Auch Bäuerinnen und Bauern aus dem Kreis Soest waren bei diesen Aktionen dabei.

Die „Initiative Tierwohl" ist ein seit gut fünf Jahren existierendes branchenübergreifendes Bündnis aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel. Aus einem Fonds erhalten teilnehmende Landwirte einen Ausgleich für die Kosten für Tierwohl-Maßnahmen, die über das gesetzliche Maß hinausgehen. Auch im Kreis Soest nehmen viele Höfe an der Initiative teil.

„Die Zahlung in die Initiative Tierwohl ist damit kein Ausgleich für den permanenten Preiskampf, sondern eine Erstattung der zusätzlichen Kosten für konkrete Tierwohlmaßnahmen", stellt Lehmenkühler klar und führt weiter aus: „Das ist ein guter Ansatz, es kann aber kein Feigenblatt für das Fortführen der „Geiz ist geil"-Mentalität im Lebensmittelhandel sein." Wegen des andauernden Preiskampfes verlören die Bauern diesen Betrag fast wöchentlich. Im Lebensmitteleinzelhandel müsse es eine höhere Wertschätzung für Lebensmittel gebe. Unlautere Handelspraktiken müssten ein Ende haben, sagt Lehmenkühler. Zudem müssten Lieferbeziehungen langfristiger und verlässlicher werden und höhere Qualitätsstandards bezahlt werden.

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