Süße vom Acker

16. November 2020

Zuckerrübenernte im Kreis Soest geht in die letzte Phase

Kreis Soest (wlv). Seit Anfang September wird die Zuckerrübe, eine typische Frucht der Soester Börde, geerntet. Noch fahren die Rübenroder und holen die Rüben aus der Erde, doch der größte Teil der süßen Frucht ist entweder schon in der Zuckerfabrik oder liegt zur Zwischenlagerung an den Feldrändern in Mieten aufgeschüttet.

„Das ist die erste Ernte, die wir nicht mehr zur Zuckerfabrik in Warburg liefern können, da diese im letzten Jahr geschlossen wurde", sagt Josef Lehmenkühler, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Soest. Nun seien das weiter entfernte Wabern und Lage das Ziel, sagt Lehmenkühler. Ein bestimmter Anteil der Rüben sei auch vorher schon zur Pfeiffer und Langen-Fabrik nach Lage gegangen, der größte Teil aber nach Warburg. Nun müssten entsprechend längere Transportwege zu den Verarbeitungsstandorten in Kauf genommen werden. „Trotzdem sind wir froh, die Zuckerrübe in der Hellwegbörde halten zu können," sagt der Landwirtevorsitzende. „Der Rübenanabau ist eng mit der Soester Börde verbunden", so Lehmenkühler. Mit einer fast 140-jährigen Tradition hat der Zuckerrübenanbau hier eine wichtige Bedeutung für unsere Bauern. „Unsere guten Böden und das Klima sind wie geschaffen für die süße Frucht", sagt der Vorsitzende. Gesunde Rüben und gute Erträge ließen sich hier realisieren. Sie sei ein wichtiger Teil in der Fruchtfolge in vielen Betrieben.

Das bestätigt auch Arno Schulze-Kettermann, Landwirt in Welver-Klotingen, selber Rübenanbauer und zudem Vorsitzender der Genossenschaft „Landwirtschaftliche Maschinengemeinschaft der Zuckerübenanbauer Hellweg eG" und in dieser für die Logistik zuständig. Seine Rüben sind geerntet aber erst zum Teil in der Fabrik. „Wir haben im Kreis Soest mit der Rübenernte, also dem Roden der Rüben Anfang September begonnen und werden Ende November die letzten Rüben aus dem Boden holen. Der Tranksport zu Fabrik dauert aber noch bis Ende Januar", erklärt er. Da, bedingt durch Fabrikschließungen, in den verbleibenden Fabriken mehr Mengen verarbeitet würden, dauere die Kampagne, also die Zeit der Rübenverarbeitung länger als früher.

Mit der Rübenernte sind Arno Schulze-Kettermann und die meisten seiner Berufskollegen zufrieden. Rund 80 bis 90 Tonnen pro Hektar bei einem aktuellen durchschnittlichen Zuckergehalt von gut 18,1 Prozent, liegen wir über dem langjährigen Durchschnitt", sagt er. Die Bodenfeuchtigkeit habe auf den guten Standorten gerade noch ausgereicht und die Sonne habe den Zuckerprozenten gut getan. Schließlich sei das Naturprodukt Rübenzucker gespeicherte Sonnenenergie, so der Landwirt. Das Rübenroden und auch die Abfuhr seien in diesem Jahr bis jetzt sehr störungsfrei verlaufen.
Nach der Schließung der Warburger Fabrik habe sich die Anbaufläche der Rüben, die zu Zucker verarbeitet würden verringert, sagt Schulze-Kettermann. Seien im letzten Jahr noch die Rüben von 3000 Hektar in die Fabriken transportiert worden, sind es in diesem Jahr nur noch 2700 Hektar.

„Neben den Zuckerrüben, aus denen Zucker gewonnen wird, bauen einige Landwirte seit einige Jahren auch Rüben an, die in Biogasanlagen zu Strom und Wärme verwandelt würden", ergänzt Josef Lehmenkühler. Das sei im Vergleich zu den Rüben für die Zuckergewinnung aber nur ein kleiner Teil.

 

Schon gewusst? So kommt der Zucker vom Feld in die Tüte

Pflanze auf dem Feld:
Von April bis zum Herbst wachsen die Rüben auf dem Feld, erzeugen in ihrem Blättern mit Hilfe des Sonnenlichtes Zucker und lagern diesen in dem Rübenkörper ein. Von September bis November werden die Rüben mit einem Rübenroder geerntet und am Feldrand in einer Miete abgelegt.

Miete am Feldrand:
Hier warten die Rüben auf den Abtransport. Ein Ladegerät, die „Rübenmaus" „frisst" sich in den Rübenhaufen und befördert sie auf LKWs oder Anhänger. Hierbei werden die Rüben schon grob von der anhaftenden Erde befreit.

Unterwegs:
Die Rüben werden mit LKWs in die Zuckerfabriken transportiert.

Zuckerfabrik:
Hier werden die Rüben zunächst gewaschen und zerkleinert. Dann wird mit heißem Wasser der Zucker aus den Rübenschnitzeln gelöst. Dabei entsteht ein Saft, der ca. 15 Prozent Zucker enthält, der so genannte Rohsaft. Dieser Rohsaft enthält neben Zucker und Wasser aber auch noch andere Stoffe. Mit gelöstem Kalk, der Kalkmilch, werden diese Stoffe gebunden und abgetrennt. Die nun klare Zuckerlösung, der Dünnsaft, wird gekocht, so dass das Wasser nach und nach verdampft. So erhält man einen dickflüssigen Sirup, in dem kleine Zuckerkristalle enthalten sind. In einer Zentrifuge werden nun die Zuckerkristalle vom Sirup getrennt. Jetzt noch trocknen und verpacken und schon ist der Zucker in der Tüte.

Presse-Kontakt

Daten werden geladen …

powered by webEdition CMS