Warum zieht man keinen Fachverstand zu Rate?

30. März 2021

Landwirte hätten sich gerne in Tierhaltungsresolution eingebracht

Kreis Soest (wlv). „Gerne hätten wir Landwirte uns mit Fachverstand eingebracht, da wir uns schon seit geraumer Zeit mit der Tierwohlthematik intensiv beschäftigen", äußerst sich Josef Lehmenkühler, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Soest zur Resolution „Zukunftsorientierte Nutztierhaltung", die in der jüngsten Sitzung des Kreistages verabschiedet wurde. „Wie kann es sein, dass die, um die es geht, bei politischen Diskussionen nicht einbezogen werden?", sagt er. Das sei inzwischen ein grundsätzliches Problem und betreffe auch die Landwirte. „Tierwohl ist zu wichtig, als dass es rein politisch motiviert diskutiert wird", sagt er. Das Tier und nicht politische Interessen müssten im Mittelpunkt stehen. Kreislandwirt Joachim Pehle ergänzt: „Wir haben mit der Landwirtschaftskammer im Kreis Soest eine Behörde, die wissenschaftlich neutral arbeitet und die die Erkenntnisse der letzten Jahre gerne eingebracht hätte." Gerade mit Haus Düsse sei im Kreis Soest ein bedeutendes Kompetenzzentrum vor Ort.

Die Vorschläge der Borchert-Kommission seien in vielen Bereichen noch in der Diskussion, in anderen lägen sie noch gar nicht auf dem Tisch, so Lehmenkühler. Sich an Vorschläge zu binden, die man noch nicht im Detail kenne, halte er für gefährlich.

Zudem gebe es Zielkonflikte, die man politisch nicht einfach ausblenden könne, sagt Lehmenkühler und greift das Beispiel „Wolf und Weidetiere" heraus. Wer sich auf der einen Seite massiv für die Wiederansiedlung des Wolfes einsetze, könne auf der anderen Seite in der Resolution nicht die Weidetierhaltung fordern und die Tiere den daraus resultierenden Gefahren aussetzten. „Mir sind genug Schilderungen aus betroffenen Regionen NRWs von Rinder- Schaf- oder Pferdehaltern in Erinnerung, die nach dem Einbruch des Wolfes in ihre Herden – trotz aller Schutzmaßnahmen – traumatisiert und verzweifelt waren." Diese Bilder werde man nicht wieder los, sagt er. „Man kann von jeder Medaille nicht nur die gute Seit nehmen, das funktioniert nicht", sagt Kreislandwirt Pehle. Diese Zielkonflikte müssten mit Fachverstand diskutiert werden. Wer auf der einen Seite die bäuerlich geprägte Landwirtschaft im Kreis Soest erhalten wolle, auf der anderen Seite aber durch immer höhere Auflagen gerade die kleinen und mittleren Betriebe zur Aufgabe zwänge, wirke wenig glaubwürdig, so Lehmenkühler. „Wenn wir unsere Landwirtschaft im Kreis Soest erhalten wollen, kann man ihr nicht mit verschärftem ‚Soester Recht' die Wettbewerbskraft nehmen", gibt Joachim Pehle zu bedenken und führt weiter aus: "Betroffene sollten bei einer Diskussion über ihre Zukunft auch beteiligt werden!"

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