Schafe in der Frühjahrsfrische

10. April 2015

700 wollene Gäste aus dem Märkischen

-wlv/mg- Kreis Steinfurt. Da rieben sich so manche Autofahrer, Radler und Wanderer, die in den vergangenen Wochen rund um Saerbeck unterwegs waren, verdutzt die Augen: Eine große Schafherde zog die Blicke auf und viele Fragen nach sich. Wem gehören denn die Schafe? Wo haben sie ihren Heimatstall? Und wer Familienmitgliedern oder Freunden tags darauf die Herde zeigen wollte, erlebte die nächste Überraschung: Einfach weg. Weitergezogen.

Schäfer aus Iserlohn-Kalthof
Des Rätsels Lösung kennt Maik Randolph. Der 39-Jährige ist gelernter Schäfer und „Chef“ von rund 1000 Schafen. Mit 700 seiner Vierbeiner, überwiegend Muttertiere und ihre Lämmer, die erst vor zwei Monaten geboren wurden, hat Randolph sich Anfang März auf den Weg vom Märkischen Kreis ins Münsterland gemacht. Ihre „Heimat“ haben der Schäfer, seine Schafe und die beiden ausgebildeten Hütehunde, die die Herde begleiten, in Iserlohn-Kalthof auf dem dortigen Stiftungshof. Hier beziehen die Schafe immer ihr Winterquartier, damit die Kleinen es im Stall warm und gemütlich haben. Im Sommer beweidet die Herde 120 Hektar Naturschutzflächen im Märkischen Kreis als vierbeinige Naturschützer. Sie sorgen mit ihrem Tritt und Verbiss dafür, dass die Kulturlandschaft offen gehalten wird und sich eine vielfältige Blüten- und Pflanzenwelt entwickeln kann.

Futterflächen im Münsterland
Schwierig wird es für Maik Randolph und seine Schnucken immer im März und April, denn da bietet die Natur im Märkischen den Schafen noch keinen gedeckten Tisch, also muss teures Futter zugekauft werden. Andererseits gibt es im Münsterland schon im Frühjahr viele Grünflächen, insbesondere durch den vermehrten Anbau von Zwischenfrüchten wie beispielsweise Raps. Warum also die Schafe aus dem Märkischen nicht für einige Wochen in die „Frühjahrsfrische“ schicken und zu den saftigen Futterflächen bringen?

Persönliche Kontakte
Eine Idee, die entstand durch persönliche Kontakte der Saerbecker Landwirtsfamilie Lehringfeld zu einem Mitarbeiter des Naturschutzzentrums Märkischer Kreis. Um die Idee der „Schafverschickung“ Wirklichkeit werden zu lassen, musste Schäfer Maik Randolph seinen Bleistift spitzen, die Kosten berechnen und den Transport der Tiere über die 100 Kilometer Entfernung organisieren. In Saerbeck überzeugte Landwirt Georg Lehringfeld derweil seine Berufskollegen, denn die Flächen, die er selbst zur Verfügung stellen konnte, reichten für den großen Hunger von 700 Schafen über sechs Wochen nicht aus.

Landwirte stellen 60 Hektar Futterfläche zur Verfügung

Und er hatte Erfolg: Mit Unterstützung der Landwirte Michael Nordhues-Hillmann, Rudolf Hölscherklas, Ludger Entrup und Paul Hegemann konnten der Schafherde 60 Hektar Futterfläche angeboten werden. Dann ging alles ganz schnell: Anfang März kamen die vierbeinigen Gäste in Saerbeck an und machten sich gleich ans Fressen: Maik Randolph zog mit seiner Herde aus Rhönschafen (helle Beine und ein fast schwarzes Gesicht), Coburger Fuchsschafen mit rotbraunen Beinen und Köpfen und einem Mix aus beiden Rassen rund um das Dorf, um die Flächen zu beweiden und so auch im Münsterland aktive Landschaftspflege zu betreiben. So erreichte die Herde auch die Einflugschneise des Flughafens Münster-Osnabrück.

„Es ist schön hier, und so herrlich flach“, sagt Schäfer Maik Randolph, stützt sich auf seinen langen Stab, blinzelt in die Abendsonne und beobachtet seine Tiere, die mit Genuss fressen und sich auch von den landenden Flugzeugen überhaupt nicht beeindrucken lassen. „Experiment gelungen“, sind sich der Schäfer und Landwirt Georg Lehringfeld einig. Ob die blökenden Gäste im nächsten Jahr wiederkommen zur Frühjahrskur im Münsterland vor der Schafschur? Kann schon sein ….

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