Junglandwirte diskutieren ihre Zukunft: Welternährer oder Prügelknabe?

18. November 2015

170 Teilnehmer beim Junglandwirteforum Kreis Steinfurt

-wlv/grü- Saerbeck/Kreis Steinfurt. Nein, als Prügelknaben sollen die Landwirte der Zukunft nicht in der Öffentlichkeit stehen. In diesem Punkt sind sich die Bundespolitiker Johannes Röring (CDU) und Friedrich Ostendorff (Bündnis 90/Die Grünen) einig - jedenfalls beim Diskussionsabend des Junglandwirteforums Kreis Steinfurt am vergangenen Montag. Mehr als 170 Interessierte – überwiegend junge Landwirte, aber auch weitere Bauern und Bäuerinnen und engagierte Lokalpolitiker – sind ins Bürgerhaus nach Saerbeck gekommen, um die auf Bundesebene politisch aktiven Agrarexperten mit Fragen zu löchern.

Veränderungsbedarf erkennen
„Landwirt 2030 – Welternährer oder Prügelknabe?“ lautet das Thema des Abends, durch den Theresa Ungru und Guido Storm vom Sprecherteam des Junglandwirteforums souverän als Moderatorenpaar führen. „Wie sieht unsere Zukunft aus? Wie geht es weiter mit unserem tollen Beruf? Das haben wir uns als Jungbauern vor 30 Jahren auch gefragt“, ordnet Röring die aktuelle Diskussion ein. „Landwirtschaft hat Perspektive. Wir Landwirte werden mehr gebraucht denn je, wir müssen aber auch den Veränderungsbedarf erkennen“, schreibt Röring den jungen Landwirten ins Aufgabenbuch. Aber die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen müssten stimmen. Röring: „Wenn Bauern sich und ihre Wirtschaftsweise verändern, dann muss das ein Preisschild bekommen.“

Unterschiede im Detail
Die große Linie sei klar, Unterschiede gebe es eher im Detail, steigt der Grünen-Politiker Friedrich Ostendorff in die Diskussion ein. „Landwirtschaft hat ein hohes Ansehen“, macht er deutlich. „Was wir als Bauern tun, findet großes Interesse.“ Landwirtschaft sei und bleibe auch zukünftig vielfältig zwischen konventioneller und ökologischer Wirtschaftsweise. Diese Entscheidung treffe jeder landwirtschaftliche Unternehmer selbst, die Politik könne nur den Rahmen bieten.

Röring: "Das tut uns richtig weh!"
Also, alles gut? „Wenn bei den aktuell schlechten Preisen dazu aufgefordert wird, kein Fleisch zu essen, dann tut uns das richtig weh“, findet Röring deutliche Worte. „Einen Wahlkampf auf dem Rücken von Bauernfamilien darf es nicht geben. Der Bauer im Münsterland ist nicht dafür verantwortlich, dass in Afrika gehungert wird.“

Dialog mit dem LEH suchen
Dennoch sei es an der Zeit, in den Ställen Veränderungen auf den Weg zu bringen, auch das Gutachten des wissenschaftlichen Beirats habe festgestellt, dass die aktuelle Tierhaltung nicht zukunftsfähig sein, kontert Ostendorff und mahnt einen Dialog auf Augenhöhe mit dem Lebensmitteleinzelhandel an.

"Wir werden es schaffen"
„Wichtig ist, dass wir im Münsterland keinen Strukturbruch bekommen“, unterstreicht Röring und ermutigt die Junglandwirte. „Wir sind im Münsterland kleine Betriebe und Spezialisten in der Tierhaltung. Wir sind zu Veränderungen bereit und wir werden es schaffen, für den heimischen Markt und für globale Märkte zu produzieren.“

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