Ems zwischen Greven und Rheine: Aufwertung ohne Flurbereinigung

27. Juli 2016

-wlv/mg- Kreis Steinfurt. Die europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) zur Verbesserung der Biologie, der Morphologie und des chemischen Zustandes der Ems soll auf keinen Fall behindert werden – daran ließen die Landwirte, die zwischen Greven und Rheine Eigentümer von landwirtschaftlich genutzten Flächen in der Emsaue sind, keinen Zweifel. Ein Flurbereinigungsverfahren als Mittel zum Zweck lehnten sie aber geschlossen ab.

Die Landwirte waren am Montagabend auf Einladung des WLV-Kreisverbandes ins Grüne Zentrum nach Saerbeck gekommen, um über das „Wie“ der Umsetzung der WRRL gemeinsam mit Vertretern des Kreisverbandes und der Landwirtschaftskammer zu beraten.

Einen möglichen Weg hatten Anfang Juli an gleicher Stelle Vertreter der Bezirksregierung aufgezeigt. Sie unterbreiteten den Flächeneigentümern an der Ems zwischen Greven und Rheine den Vorschlag, den für die Umsetzung der verschiedenen geplanten Maßnahmen entlang des Flusslaufes notwendigen Flächenbedarf über ein kreisweites Flurbereinigungsverfahren zu sichern. „Im Besitz der öffentlichen Hand sind bereits 700 Hektar Fläche an der Ems. Hier können direkt erste Maßnahmen in Angriff genommen werden“, informierte der Kreisverbandsvorsitzende Johann Prümers die Versammlung. „Werden weitere Flächen über ein großes Flurbereinigungsverfahren im Kreis Steinfurt beschafft, wird massiv in den Flächenmarkt eingegriffen“, befürchtete Prümers. Er regte an, den notwendigen Flächenbedarf durch Flächentausch jeweils Maßnahmen bezogen und regional eng begrenzt in Kooperation mit der Bezirksregierung zu organisieren.

„Ein großes Flurbereinigungsverfahren brauchen wir nicht. Es gibt andere Wege, die Ziele zu erreichen, nämlich die Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen und den Landwirten, die freiwillig Flächen tauschen möchten, dieses zu ermöglichen“, war auch Kreisgeschäftsführer Franz-Georg Koers überzeugt.

Dorothee Gerleve-Oster, Leiterin der Kreisstelle der Landwirtschaftskammer, und Heribert Tenspolde, Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer beim Amt für Agrarstruktur, lieferten weitere Argumente gegen das von der Bezirksregierung angebotene Flurbereinigungsverfahren: „Wir sehen in diesem Flurbereinigungsverfahren nicht die vom Gesetz geforderten agrarstrukturellen Verbesserungen. Es ist für uns nicht erkennbar, dass über die Flächenbeschaffung hinaus Vorteile für die Landwirtschaft, beispielsweise bei Flächenanbindung und –zuschnitt generiert werden“, erklärte Dorothee Gerleve-Oster. „Die Bezirksregierung tritt bei dem großen Flurbereinigungsverfahren im ganzen Kreis über viele Jahre als Flächenankäufer auf. Mit kleineren und damit flexibleren Verfahren ist nach meiner Einschätzung die konkrete Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie leichter zu erreichen“, legte Heribert Tenspolde dar.

Welchen Weg will die Landwirtschaft im Kreis Steinfurt gehen? Das Stimmungsbild war deutlich: Geschlossen lehnt die Landwirtschaft das von der Bezirksregierung angebotene Flurbereinigungsverfahren ab. Stattdessen setzt die Landwirtschaft auf enge Kooperation und Teilhabe bei der Umsetzung der WRRL an der Ems. Die Bezirksregierung wird gebeten, die einzelnen geplanten Maßnahmen zur Umsetzung der WRRL an der Ems zwischen Greven und Rheine über die Arbeit in der Emskommission hinaus offen zu legen und mit den betroffenen Anliegern zu diskutieren. Praxisnah bietet die Landwirtschaft an, bei jedem einzelnen Maßnahmenprojekt in Kooperation mit der Bezirksregierung und der Naturschutzstiftung des Kreises bei der Beschaffung notwendiger Flächen, beispielsweise über einen freiwilligen Ringtausch behilflich zu sein.

Der Weg ist ein anderer, aber das Ziel ist dasselbe, das betonten die Landwirte am Ende der Versammlung. Und da sind sie ganz nah bei der Bezirksregierung: Es gilt, die Ems als bedeutende Lebensader im Kreis Steinfurt gemeinsam mit der Landwirtschaft und den betroffenen Anliegern mit verbesserter Biologie, Chemie und Morphologie wieder aufzuwerten

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