Wie Fische ein Zuhause finden

09. April 2020

Ein Hecht im Leerbach - ein Fund, der kein Einzelfall bleiben soll im Kreis Steinfurt. Die Arbeitsgemeinschaft Wasser- und Bodenverbände Kreis Steinfurt macht's möglich

-wlv/mg- Kreis Steinfurt. Ein Hecht im Leerbach bei Horstmar-Leer – das ist schon eine echte Sensation und natürlich ein Foto wert. Gut, dass Marc Krümpel, Mitarbeiter der Arbeitsgemeinschaft Wasser- und Bodenverbände Kreis Steinfurt e.V. (AG WuB Kreis Steinfurt e.V.), schnell sein Handy zücken konnte und den „Fund“ im Bild festgehalten hat. „Heute ist der Hecht in den Bächen noch eine echte Seltenheit. Früher waren die Raubfische weit verbreitet in den langsam fließenden kleinen Gewässern der Region“, weiß Marc Krümpel. Aber die Begradigungen der Gewässer haben in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass kleine Fische sich dort nicht mehr wohl fühlten und in der Konsequenz dann die Nahrung für den Hecht und seine Artgenossen fehlten.

„Dem arbeiten wir jetzt wieder entgegen“, sagt Krümpel. „Wir“ das sind die Wasser- und Bodenverbände im Kreis Steinfurt, in deren Auftrag Rainer Kappelhoff, Fachberater der Wasser- und Bodenverbände beim WLV-Kreisverband Steinfurt, und Marc Krümpel tätig sind. Beide Wasserexperten kennen sich aus an den kleinen Wasserläufen im Kreis zwischen Leerbach und Lienener Mühlenbach, zwischen Vechte und Düsterdieker Aa. Auf einer Länge von insgesamt 670 km sollen im Rahmen der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) die Wasserläufe umgebaut und aufgewertet werden. Ein großes Ziel, für das sich die Wasser- und Bodenverbände einsetzen.

Deshalb haben sie sich vor einigen Wochen zusammengeschlossen zur Arbeitsgemeinschaft Wasser- und Bodenverbände Kreis Steinfurt e.V. Der Verein unterstützt auf Kreisebene die lokalen Wasser- und Bodenverbände insbesondere bei der Unterhaltung und dem Ausbau der berichtspflichtigen Gewässer. Die Arbeitsgemeinschaft projektiert und realisiert Maßnahmen an Gewässern und ist darüber hinaus zentraler Ansprechpartner für die Verlegung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen an Fließgewässer. „Daneben vertritt der neu gegründete Verein die Interessen der Wasser- und Bodenverbände gegenüber Politik und Verwaltung“, ergänzt Gretke Gönner, Rechtsanwältin beim WLV-Kreisverband, die zusammen mit Rainer Kappelhoff die Geschäfte des Vereins führt.

Gemeinsam will die Arbeitsgemeinschaft der Wasser- und Bodenverbände den Gewässern wieder mehr Raum geben und sie in einen guten ökologischen Zustand bringen. Noch sieben Jahre haben sie Zeit für diese Mammutaufgabe – und sie sind schon auf einem guten Weg. Mit Hilfe des Fließgewässerentwicklungsprogramms (FEP) sollen ca. 520 Kilometer Gewässerläufe durch den ökologischen Umbau und das Anlegen von Gewässerrandstreifen in den Zielzustand der WRRL überführt werden. Neben der Planung am FEP werden in Kooperation mit der Wasserbehörde, der Naturschutzbehörde und der Naturschutzstiftung des Kreises Steinfurt sogenannte „Trittsteine“ an und in den Gewässern umgesetzt. Trittsteine sind kleine, strukturreiche Gewässerabschnitte mit guten Habitateigenschaften, die in der Summe dazu führen, dass das gesamte Gewässer aufgewertet werden kann.

Ein solcher „Trittstein“ konnte jetzt am Elter Mühlenbach in der zentralen Ortslage von Elte umgesetzt werden. „Durch den Einbau von Totholz erzeugen wir Strukturen innerhalb des Gewässerprofils“, so Marc Krümpel bei einem Ortstermin in Elte. „Hier entstehen Breiten- und Tiefenvarianz. So verlassen wir an dieser Stelle das monotone Trapezprofil des Mühlenbachs. Durch das Einengen oder Aufweiten verändern wir die Strömungsvarianz. Es entstehen Kolke, an anderen Stellen wiederum bleiben Sandbänke liegen.“ All das, so Krümpel, seien wichtige Strukturen innerhalb eines lebendigen Gewässers, die die Fachleute „Mikrohabitate“ nennen. Schon bald werden sich am Elter Mühlenbach kleinste Buchten und Uferaushöhlungen bilden: Ein bevorzugter Lebensraum für kleine Fische – und auch für den Hecht …

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