Die Natur gewinnt

08. Juni 2021

Gewässerumbau im Kreis Steinfurt

-wlv/mg- Kreis Steinfurt. An ihren Schreibtischen haben Rainer Kappelhoff und Marc Krümpel in den vergangenen Wochen und Monaten nur selten gesessen. Häufig waren ihre Büros in der WLV-Geschäftsstelle im Grünen Zentrum in Saerbeck verwaist – und das aus gutem Grund. „Wir arbeiten eben nicht vom grünen Tisch aus, sondern direkt vor Ort in der Natur", sagen Kappelhoff und Krümpel.

„Vor Ort in der Natur" das sind für Kappelhoff und Krümpel, Wasserberater bei der Arbeitsgemeinschaft der Wasser- und Bodenverbände im Kreis Steinfurt (AGWuB), die kleinen und größeren Wasserläufe im Kreisgebiet, die die EU als „berichtspflichtige Gewässer" eingestuft hat. Insgesamt 670 Kilometer Bäche und Flüsschen sind es, die entweder der Ems, der Vechte oder der Hase zustreben. Doch bevor sie dort ankommen, haben sie eine wichtige Funktion: Sie sorgen dafür, dass Niederschlagswasser in den Städten und Dörfern abfließen kann, sie sollen gewährleisten, dass landwirtschaftliche Nutzflächen entwässert werden oder das Wasser halten, und mehr noch: Sie sind bedeutende Lebensadern. Sie transportieren Wasser - eine der wichtigsten Ressourcen für Menschen, Tiere und Vegetation in der Region.

Die EU verlangt über die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) die ökologische Umgestaltung der Fließgewässer im Lande. Ziel ist eine Optimierung der Gewässergüte und eine deutliche Verbesserung der Gewässerstruktur. Im Kreis Steinfurt arbeiten die Landwirtschaft, die Wasser- und Bodenverbände, die Kreisverwaltung und die Bezirksregierung eng zusammen.

Für über 500 Kilometer Gewässerläufe zwischen Vechte und Recker Aa haben Kappelhoff und Krümpel kreisweit die Bereiche der unterschiedlichen Wasserläufe herausgefiltert, in denen es sinnvoll erscheint, gezielt Maßnahmen zur Optimierung der Gewässer zu planen.

Geeignete Maßnahmen können Gewässeraufweitungen sein oder die Beseitigung von Querbauwerken, um die Gewässer wieder durchgängig zu machen, ebenso wie das Anlegen von Gewässerrandstreifen im Rahmen des Fließgewässerentwicklungsprogramms des Kreises Steinfurt.

„Hier im Kreis Steinfurt wird richtig was bewegt", wissen die Verantwortlichen aus den beteiligten Institutionen und freuen sich über jede abgeschlossene Maßnahme wie jetzt im Naturschutzgebiet Harskamp am Wüstegraben in Wettringen. Auf einer Länge von fast 700 Metern wurde dem kleinen Bach wieder Raum zur eigenen Entwicklung gegeben und eine Sekundäraue angelegt.

„Bislang war der Wüstegraben in ein geradliniges Trapezprofil gezwängt und wurde intensiv unterhalten", erklären Rainer Kappelhoff und Marc Krümpel. Sie waren für die Planungen der Maßnahme zuständig und haben die umfangreichen Bauarbeiten begleitet. Es wurden Uferabflachungen vorgenommen, Flutmulden angelegt und Totholz eingebracht. So wird dem kleinen Gewässer wieder Raum gegeben zur eigenen Entwicklung und bei einem möglichen Starkregenereignis kann es in die Retentionsräume „ausweichen".

„Die Arbeiten hier am Wüstegraben sind ein gutes Vorbild", betonen Michael Kettrup und Christoph Scharner (Bezirksregierung Münster). Dr. Peter Schwartze (Biologische Station Kreis Steinfurt), der die Maßnahmen fachlich begleitet, lenkt den Blick auf Flora und Fauna „Die biologische Vielfalt zeigt sich nicht nur im Gewässer, sondern besonders auch in der Sekundäraue", so Schwartze und inspiziert mit den Experten bei einem Ortstermin einen Gewässerabschnitt des Wüstegrabens, der bereits vor Jahresfrist umgebaut wurde. Hier sind schon standorttypische Pflanzengesellschaften zu finden, Klein- und Jungfische haben das Gewässer als Lebensraum wiederentdeckt.

„Die Natur gewinnt, hier wird viel bewegt", sind sich die Verantwortlichen einig. Und dabei soll es nicht bleiben. Wie am Wüstegraben werden weiter im ganzen Kreis Steinfurt die Gewässer umgestaltet. Dafür sind Rainer Kappelhoff und Marc Krümpel unterwegs: Der Ledder Mühlenbach (Ibbenbüren) und der Gauxbach (Ochtrup) werden als nächstes in Teilabschnitten umgestaltet.


Bilder:
Hier wird etwas bewegt: wie am Wüstegraben werden im ganzen Kreis Steinfurt kleine Bäche und Flüsse ökologisch umgestaltet. 

Über den Abschluss der Maßnahme im Harskamp freuen sich:
Heiner Niehues (Wasser- und Bodenverband Oster & Brechte), Dr. Peter Schwartze (Biologische Station Kreis Steinfurt), Michael Kettrup (Bezirksregierung Münster), Marc Krümpel (Wasserberater AGWuB), Christoph Scharner (Bezirksregierung Münster), Jana Rotermund (Untere Wasserbehörde Kreis Steinfurt) und Rainer Kappelhoff (Wasserberater AGWuB) im aufgeweiteten Gewässerbett des Wüstegrabens im Harskamp

[Fotos: Marlies Grüter, WLV]

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