Bauernverband will neue Partnerschaft und Wertschätzung

09. Januar 2014

WLV-Präsident Röring: „Wir haben die Saat gelegt, nun erwarten wir die Ernte!“

Münster <wlv> Die Bauernfamilien in Westfalen-Lippe gehen mit vorsichtigem Optimismus in das neue Jahr. Nach einem Wirtschaftsjahr, das für die meisten Betriebe im Durchschnitt zufriedenstellende bis gute Ergebnisse brachte, erwarten Experten für das neue Jahr neben moderaten Kosten eine stabile Nachfrage und ansprechende Erzeugerpreise auf den Weltmärkten für Getreide, Milch und Fleisch. Die Freude über positive wirtschaftliche Aussichten ist jedoch nicht ungetrübt. Viele Bauern fürchten angesichts politischer Debatten über Verschärfungen im Umwelt-, Bau-, Tier- und Naturschutzrecht um ihre Wettbewerbsfähigkeit. Dieses Fazit zog Johannes Röring, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), heute während des traditionellen Havichhorster Presseabends des Verbandes auf Gut Havichhorst bei Münster.

„Das abgelaufene Jahr war für viele unserer Betriebe wirtschaftlich erfolgreich, auch wenn die positiven Impulse in einigen Produktionsrichtungen erst in der zweiten Jahreshälfte 2013 voll zum Tragen kamen. Die Märkte waren insgesamt freundlich gestimmt und da die Bauern im letzten Jahr weltweit von überregionalen Dürren, Überschwemmungen und Kahlfrösten verschont wurden, sind die Getreidelager voll“, so Röring.

Nach vorläufigen Zahlen der landwirtschaftlichen Buchstellen sank der durchschnittliche Gewinn der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe in Westfalen-Lippe im Wirtschaftsjahr 2012/13 (01.07.2012 – 30.06.2013) um rund 2 Prozent auf ca. 61.000 Euro. Innerhalb der verschiedenen Produktionsrichtungen stellte sich die wirtschaftliche Situation jedoch unterschiedlich dar. Während Ackerbauern und Schweinehalter gegenüber dem Vorjahr deutlich zulegen konnten, waren die Ergebnisse der Milchviehhalter rückläufig. Seit Mitte 2013 haben sich diese Trends jedoch gedreht. Der Milchmarkt verzeichnet seither eine sehr positive Entwicklung, dagegen sind Ackerbauern und Schweinehalter mit geringeren Erlösen konfrontiert.

Die größte gesellschaftspolitische Herausforderung für die Branche sieht der WLV aktuell  darin, den gewachsenen Ansprüchen der Verbraucher an die Landwirtschaft gerecht zu werden und die z.T. sehr konfrontative Auseinandersetzung mit Teilen von Politik und Gesellschaft zu überwinden.

Dazu WLV-Präsident Röring: „Wir wollen als Bauernfamilien und Bauernverband eine neue Partnerschaft mit der Gesellschaft und wechselseitig mehr Wertschätzung. Dies erfordert die kritische Überprüfung aktueller Entwicklungen in der Landwirtschaft und des Handelns und Denkens aller Akteure – bei den Bauern wie auch aufseiten unserer Kritiker. Wir sind zu eine selbstkritischen Reflexion bereit, erwarten als Bauern aber auch Anerkennung für die harte Arbeit auf unseren Betrieben.“

Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband will die Debatte über die Weiter-entwicklung der heimischen Landwirtschaft weiter offensiv führen und verweist auf eigene Initiativen. So führe man innerhalb des Verbands eine intensive Debatte über Werte und Ziele der Bauern und die Frage, ob man sich künftig Selbstverpflichtungen unterwerfen wolle. Daneben strebe die Landwirtschaft – historisch einmalig - gemeinsam mit der Fleischwirtschaft und dem Lebensmitteleinzelhandel höhere Tierwohlstandards in allen deutschen Ställen an. Bei der Umsetzung der „Initiative Tierwohl“ seien jedoch nach Ansicht des WLV auch die Verbraucherinnen und Verbraucher gefordert, denn wenn die Gesellschaft höhere kostentreibende Standards wolle, müsse sie auch die damit verbundenen Mehrkosten erstatten.

In der politischen Auseinandersetzung mit der rot-grünen Landesregierung von Nordrhein-Westfalen sieht sich der WLV in einer konstruktiven Rolle. So sei der Verband mit eigenen Vorschlägen zur Umsetzung von mehr Tierwohl an die Landesregierung herangetreten und treibe auch konkrete Überlegungen zum Erhalt der Artenvielfalt voran. Der WLV fordert
hierbei eine faire Begleitung durch die Landesregierung, d.h. neben einer ideellen und finanziellen Unterstützung auch den Verzicht auf eine weitere Verschärfung der ohnehin bereits sehr hohen Auflagen in Tierhaltung und Ackerbau.

„Wir sind als Landwirtschaft bereit und willens, aktiv für noch mehr Nachhaltigkeit in unserer Branche anzutreten. Dies geht allerdings nur, wenn neben ökologischen und sozialen Aspekten auch auf die wirtschaftlichen Konsequenzen von Reformvorhaben geachtet wird. Wir haben die Saat gelegt, nun erwarten wir die Ernte“, so WLV-Präsident Röring.

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