Erstes deutsches Erdkabelprojekt trägt Bodenschutz Rechnung

11. Juli 2014

Röring: „Bodenschutz muss künftig bei allen Leitungsbau-Projekten Standard werden, weitere Flächenverluste sind zu vermeiden“

Münster <wlv> Auf vier Pilotstrecken wird in Deutschland getestet, ob Erdkabel für den Transport von Strom im Rahmen der Energiewende geeignet sind. Viele Bürger sehen sie als ideale Lösung im Vergleich zu Hochspannungsleitungen, für die Bauern, unter deren Felder die Kabel verlaufen sollen, sind sie eher ein Grund zur Sorge. Jetzt haben in Raesfeld im Kreis Borken die Arbeiten zur Verlegung der ersten Erdkabel-Teststrecke begonnen. Im Test ist dabei auch eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen Netzbetreiber Amprion GmbH und Bauern zum Schutz des vom Bau betroffenen Bodens.

Bei einem Besuch der Baustelle stellten heute Ludger Meier, verantwortlich für den Leitungsbau beim Netzbetreiber Amprion GmbH, und Johannes Röring, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), die Kooperation vor. „Was hier passiert, hat Pilotcharakter“, sagte Röring in Raesfeld. WLV und betroffene Landwirte hätten sich mit dem Netzbetreiber auf ein Bodenschutzkonzept geeinigt. Dieses habe zum Ziel, Bodenschäden zu vermeiden bzw. die natürlichen Bodenfunktionen nach der Baumaßnahme wiederherzustellen. „Insgesamt“, so Röring, „stehen wir Bauern solch einem massiven Eingriff in den Boden skeptisch gegenüber, glauben aber, mit dem Bodenschutzkonzept das Schlimmste verhindert zu haben“. Insofern habe dieses Projekt auch Pilotcharakter für die künftige Verlegung von Leitungen in landwirtschaftlichen Nutzflächen.

Der WLV-Präsident verwies darauf, dass die Verlegung des Erdkabels als Eingriff in Natur und Landschaft gewertet wird und durch einen Naturschutz-Ausgleich kompensiert werden muss. Zusätzlich zur Fläche der Baustelle gehe so weitere landwirtschaftliche Nutzfläche für die Produktion von Nahrungsmitteln verloren. „Gegen diesen doppelten Flächenverlust wehren wir uns“, sagte Röring. Die Landwirtschaft, die für Netzausbau und Energiewende genug Fläche hergeben müsse, werde so doppelt belastet, obwohl der Netzausbau einem Umweltschutz-Ziel diene.

In Raesfeld wird der Boden auf einer Länge von ca. 3 Kilometern auf ca. 42 Meter Breite geöffnet und bis zu einer Tiefe von 2,20 Metern ausgehoben. In zwei Gräben von je 5,50 Meter werden die Kabel verlegt, dazwischen verläuft eine 10 Meter breite Baustraße. Auf der Baustraße bewegen sich Bagger und schwere LKW, in den Gräben wird die Struktur des Ackerbodens komplett zerstört. Damit die zur Kabelverlegung notwendigen Arbeiten im übrigen möglichst bodenschonend vonstatten gehen, haben sich Amprion und WLV auf folgende Grundsätze geeinigt:

  • Der Bodenzustand wird vor Beginn der Bauarbeiten dokumentiert.
  • Es wird durch ein Ingenieur-Büro ein Bodenschutzkonzept erstellt und von einem neutralen Wissenschaftler geprüft.
  • Die Arbeiten während der Bauphase werden dokumentiert und von einer bodenkundlichen Baubegleitung überwacht.
  • Bei ungünstigen Wetterbedingungen (z.B. starkem Regen) kann die bodenkundliche Baubegleitung die Arbeiten einstellen lassen (Baustopprecht).
  • Der Bodenzustand am Ende der Baumaßnahme wird dokumentiert.
  • Es wird ein Rekultivierungskonzept erstellt, das die nachfolgenden Maßnahmen zur Herstellung des Ausgangszustandes festlegt.

 

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