WLV-Präsident Röring zieht Fazit der Ernte 2015

18. September 2015

Familie van Bevern und Bauernpräsident Johannes Röring bei der Ernte-Pressekonferenz.

Erträge gut – Qualitäten gut - Preise enttäuschend

Münster <wlv> Die Bauern in Westfalen-Lippe blicken zurück auf eine Getreide- und Rapsernte mit guten Erträgen und Qualitäten, allerdings wenig befriedigenden Erlösen. Im Landesdurchschnitt fällt die Erntebilanz 2015 trotz einer ausgeprägten Frühjahrstrockenheit überraschend positiv aus. Dieses Fazit zog heute der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV), Johannes Röring, anlässlich der Ernte-Pressekonferenz des Verbands bei Münster.

„Nach einem erneut eher milden Winter mit einem frühen Vegetationsbeginn und einem phasenweise sehr trockenen Frühjahr waren die gute Getreide- und Rapsernte nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Auf sandigen Standorten, beim Sommergetreide und bei der Grasernte hat es in einigen Regionen z.T. erhebliche Einbußen gegeben, aber beim Wintergetreide hatten dafür wir sehr gute Ergebnisse. Dank der fast durchweg guten Erntebedingungen konnte der Großteil der Ernte trocken und mit guten Qualitäten eingefahren werden. Der im Juli rechtzeitig einsetzende Sommerregen lässt zudem darauf hoffen, dass wir in diesem Jahr bei Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben eine durchschnittliche bis gute Ernte einfahren werden“, so Röring.

Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband schätzt den durchschnittlichen Ertrag 2015 bei Getreide (ohne Körnermais) in Westfalen-Lippe auf ca. 81 dt/ha. Die Ernte liegt damit etwa 2,1 Prozent unter dem Rekordergebnis von 2014, aber deutliche 7,3 Prozent über dem Mittelwert der Jahre 2009 bis 2014. Die Erträge bei Winterraps lagen bei 39 dt/ha, was im Vergleich zu 2014 einem deutlichen Rückgang von 7,8 Prozent entspricht. Insgesamt liegen die durchschnittlichen Hektarerträge 2015 in Westfalen-Lippe damit bei Raps im Bundesdurchschnitt, bei Getreide deutlich darüber.

Die gute Getreideernte in Westfalen-Lippe spiegelt eine weltweit entspannte Versorgungssituation. Laut Angaben der Weltagrarbehörde FAO befinden sich die Preise für Nahrungs-mittel aktuell weltweit auf einem Sechs-Jahres-Tief. Insgesamt ist die Stimmung in der Landwirtschaft aus Sicht des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands aufgrund zum Teil desolater Erzeugerpreise für Milch, Fleisch und Getreide, kostentreibender Auflagen und anhaltender Kritik an der modernen Landwirtschaft in Teilen von Politik und Gesellschaft weiter gedrückt. Wirtschaftlich besonders unter Druck stehen aktuell die Sauenhalter und die Milchbauern.

„Die Bauern gehören zu den Hauptleidtragenden in der aktuellen, auch handelspolitisch motivierten Auseinandersetzung u.a. mit Russland. Sie zahlen die wirtschaftliche Zeche für politisch motivierte Eingriffe in den Markt. Es ist daher nur folgerichtig, dass wir von der Politik in Brüssel und Berlin Hilfe erwarten, um diese Liquiditätsprobleme zu überwinden“, so WLV-Präsident Röring. Von den Institutionen der Europäischen Union und der Bundesregierung erwarte man zudem Unterstützung für eine Export- und Marktoffensive und beim Aufbau neuer Instrumente der Risikovorsorge in der Landwirtschaft.

Röring: „Aber auch vom Lebensmitteleinzelhandel erwarten wir eine deutlich stärkere Berücksichtigung unserer momentanen betrieblichen Situation. Es gilt, nicht nur über Nachhaltigkeit zu reden und sie zu fordern, sondern auch, danach zu handeln."

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