Mittelgebirgsprogramm gibt Perspektiven für Tierhaltung, Wald und Klimaschutz

05. Januar 2021

Vertreter der Land- und Forstwirtschaft in NRW wollen Betriebe im Mittelgebirge stärken

Münster <wlv> Vom Sauerland über das Bergische Land bis in die Eifel umfasst das Mittelgebirge mit viel Wald und Grünland weite Teile von Nordrhein-Westfalen. Der hohe Landschaftswert der Region ist ein Nebeneffekt der Bewirtschaftung, für die Familienbetriebe aus Land- und Forstwirtschaft Verantwortung übernehmen. Für die Betriebe ist die Landschaft gleichzeitig Wirtschaftsraum und unverzichtbare Einkommensquelle. Zunehmend sehen sich die Landwirtsfamilien und Waldbauern jedoch klimatischen wie gesellschaftlichen Herausforderungen gegenüber und benötigen dringend Perspektiven, wie sie den Ansprüchen an eine multifunktionale Land- und Forstwirtschaft in Zukunft gerecht werden können. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband hat gemeinsam mit dem Rheinischen Landwirtschafts-Verband, dem Waldbauernverband NRW sowie Familienbetriebe Land und Forst NRW einen Maßnahmenplan entwickelt, der langfristige „Perspektiven für das Mittelgebirge" aufzeigt.

„Eine Vielzahl an familiengeführten Betrieben aus der Land- und Forstwirtschaft arbeitet tagein, tagaus im Sinne einer nachhaltigen Landbewirtschaftung. Die oftmals extensive Nutzung der Flächen bringt eine enorme Artenvielfalt hervor. Gleichzeitig stellt etwa der Weidegang von Mutter- und Milchkühen eine wichtige Maßnahme zu mehr Biodiversität dar", sagt WLV-Präsident Hubertus Beringmeier. „Die Marktpreise indes vergüten diese Leistungen zunehmend nicht mehr. Zwingend notwendig ist deshalb eine Förderung zur Unterstützung dieser gesellschaftlich gewünschten Formen von Landwirtschaft", so Beringmeier weiter. Er hatte sich nach Gesprächen mit Betroffenen für die Erarbeitung eines Mittelgebirgsprogramms stark gemacht. Es sei vonnöten, für alle Weidetierhalter – neben den Rinderhaltern auch solche mit Ziegen und Schafen – eine dauerhafte finanzielle Förderung in Form einer Ausgleichszulage sicherzustellen.

„Produktionsauflagen aus dem Umwelt- und Naturschutzrecht resultieren oftmals in erheblichen Kostensteigerungen. Für kleine und mittlere Betriebe, die die Agrarstruktur im Mittelgebirge dominieren, bedeutet dies meist überproportional höhere Kosten. Daher sind bestehende oder geplante Auflagen stärker auf ihre Verhältnismäßigkeit zu prüfen", ergänzt Bernhard Conzen, Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes. Mit Blick auf die Dauergrünlandumwandlung macht er deutlich: „Dauergrünland genießt einen weitreichenden Schutz. Der Klimawandel und die damit verbundenen Dürrejahre gefährden zunehmend die Futterversorgung in den Grünlandregionen. Im Interesse einer regionalen Lebens- und Futtermittelerzeugung bedarf es in Mittelgebirgslagen an zusätzlicher Ackerfläche, um beispielsweise die Futtergrundlage zu erweitern."

Das Mittelgebirgsprogramm nimmt weiterhin auch den für die Region so bedeutsamen Erwerbszweig der nachhaltigen Forstwirtschaft in den Fokus. „Das Einkommen aus der Waldbewirtschaftung ist in vielen Betrieben langfristig, gegebenenfalls sogar für eine ganze Generation, gefährdet. Trockenheit und Naturereignisse haben dem Wald große, überall sichtbare Schäden zugefügt. Für die Waldbauern heißt das Überangebote zu Dumpingpreisen", weiß Dr. Philipp Freiherr Heereman von Zuydtwyck, Vorsitzender des Waldbauernverbandes NRW e.V. „Vor diesem Hintergrund müssen neue Wege für ein gesichertes Familieneinkommen und damit auch die finanzielle Grundlage für die Wiederaufforstung gefunden werden. So kann es sinnvoll sein, Schadflächen im Wald für den Naturschutzausgleich zu nutzen oder aber sich in Bürgerwindparks auch und gerade im Wald zu engagieren", so der Vertreter der Waldbauern.

„Waldbewirtschaftung ist aktiver Klimaschutz. Denn Wälder sind eine bedeutende Kohlen-stoffsenke, da in Bäumen und Waldböden große Mengen an Kohlenstoff langfristig gebunden sind. Diese Leistung ist für den Klimaschutz und das Erreichen der gesteckten Klimaschutzziele unverzichtbar. Es fehlt jedoch an einer ausreichenden Honorierung", erläutert Max Freiherr von Elverfeldt, Vorsitzender der Familienbetriebe Land und Forst NRW e.V. „Wir machen uns deshalb für die Einführung einer Vergütung der Senkenleistung von Wäldern stark, die der Einkommensdiversifizierung und -stabilisierung in den Betrieben dient", sagt Max Freiherr von Elverfeldt.

„Unsere Region, das Mittelgebirge, ist über Jahrhunderte gewachsen. Nun beobachten wir seit Jahren die ständig wachsenden und wechselnden Auflagen, mit denen die Betriebe der Land- und Forstwirtschaft existenziell zu kämpfen haben. Umso wichtiger ist es deshalb, dass wir jetzt schnell und entschlossen auf diese Situation reagieren, damit die Familien wieder langfristige Perspektiven haben und kommende Generationen die Arbeit mit Begeisterung fortführen können", fasst WLV-Vizepräsident Henner Braach als Sprecher für das Programm zusammen. „So umgesetzt, hilft unser Mittelgebirgsprogramm dem Artenschutz, stärkt die Bemühungen zum Tierwohl, fördert Umwelt- und Naturschutz und trägt gleichzeitig zur Sicherung der ländlichen Räume bei."

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