Regelungen zu Kälbertransporten müssen überarbeitet werden

03. Dezember 2021

WLV fordert längere Übergangsfristen und Mindestgewicht als Kriterium

Münster <wlv> Gegen die ab 01.01.2023 gültige Anhebung des Mindesttransportalters für Kälber von 14 auf 28 Tage gibt es weiterhin massive Vorbehalte aus der Praxis. Nachdem in dieser Woche die entsprechende Änderung der Tierschutztransportverordnung verkündet worden war, kritisierte Hubertus Beringmeier, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV), vor allem die finanziellen Belastungen für die Milchviehbetriebe und die engen Zeitvorgaben für bauliche Veränderungen auf den Höfen:

„Durch den längeren Verbleib der Kälber entstehen hohe Investitionskosten für zusätzliche Stallplätze. Hinzu kommt der personelle und finanzielle Aufwand für die längere Versorgung. In Summe sind diese Kosten zu hoch, um sie durch höhere Verkaufspreise aufzufangen. Außerdem ist es unrealistisch anzunehmen, dass es gelingen wird, innerhalb eines Jahres Genehmigungen für zusätzliche Kälberiglus für bundesweit 55.000 Milchviehbetriebe zu erhalten. Eine solche Verschärfung der Rahmenbedingungen, die entlang der gesamten Kette zu weitreichenden Umstrukturierungen führt, hätte viel gründlicher vorbereitet werden müssen. Die Politik muss an dieser Stelle unbedingt nachbessern und mehr Übergangszeit einräumen!"

Der WLV hat umgehend nach Bekanntwerden der Änderung die NRW-Landesregierung aufgefordert, sich für eine Verlängerung der Übergangsfrist einzusetzen. Zugleich spricht sich der Verband dafür aus, die Zulässigkeit von Kälbertransporten nicht ausschließlich an das nun angehobene Mindestalter der Tiere zu koppeln, sondern alternativ an ein Mindestgewicht. Insgesamt sieht sich der WLV in der Pflicht, durch eigene Vorschläge und Projekte die Gesundheit von Kälbern laufend zu verbessern. 

Dazu sagte WLV-Vizepräsident und Milchviehhalter Wilhelm Brüggemeier: „Wir suchen aktiv nach Wegen, die Gesundheit unserer Kälber zu fördern. In unserer WLV-Arbeitsgruppe „Initiative vitales Kalb" mit Milchviehhaltern, Kälberhändlern und -mästern sowie Tierärzten und Wissenschaftlern widmen wir uns dieser Aufgabe gemeinsam. Wir sind uns einig, dass eine Gewichtsgrenze von 50 kg ab 14 Lebenstagen für einen reellen Versorgungszustand spricht. Die Kälber zeigen erfahrungsgemäß eine sehr gute Fitness. Die Tiere und alle Beteiligten würden von diesem Kompromiss profitieren."

Die Fachhochschule Soest führt aktuell eine groß angelegte und durch das Landwirtschafts-ministerium NRW geförderte Studie durch, um u.a. die Auswirkungen unterschiedlicher Transportalter auf die Tiergesundheit zu untersuchen. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband kritisiert, dass deren Ergebnisse nicht abgewartet wurden, bevor die Verordnung novelliert wurde. Der Antrag zur Neufassung der Tierschutztransportverordnung war im Juni ohne vorherige Anhörung der betroffenen Wirtschaftsverbände im Bundesrat beschlossen worden.

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