Natur- und Umweltschutz in der Landwirtschaft

30. Juni 2022

Der Naturschutzbund NRW, der Westfälisch-Lippische Landwirtschafts- und Landfrauenverband sowie die Landesvereinigung Ökologischer Landbau stellen gemeinsame Position vor

Düsseldorf - Mit ihrem gemeinsamen Positionspapier haben sich der Naturschutzbund NRW (NABU), der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) und die Landesvereinigung Ökologischer Landbau NRW (LVÖ) sowie der Westfälisch-Lippische LandFrauenverband (WLLV) heute an die zukünftige Landesregierung gewendet und ein deutlich ambitionierteres politisches Engagement für mehr Natur- und Umweltschutz in der Landwirtschaft gefordert. 

Im Dialog hatten sich die Verbände in den vergangenen Wochen zu ausgewählten Aspekten im ländlichen Raum geeinigt, für welche sie zukünftig gleichermaßen eintreten werden.

Das drängendste Problem für alle Beteiligten ist der anhaltende Flächenverbrauch. Weiterhin wird in NRW in großem Umfang zusätzlich Fläche für Siedlung, Verkehr und Gewerbe in Anspruch genommen. Oft handelt es sich um landwirtschaftlich genutzte Flächen. Damit gehen Böden für die Produktion von Lebensmitteln und zur Erwirtschaftung von landwirtschaftlichem Einkommen verloren. Flächenversiegelung führt zum Verlust der CO2-Speicherfähigkeit des Bodens und hat negative Folgen für Grundwasser und Klima. Letztendlich verschwindet Kulturlandschaft, es fehlt Lebensraum für wildlebende Arten und die Erholung des Menschen. LVÖ, WLV, WLLV und der NABU fordern die zukünftige Landesregierung daher auf, nun größtmögliche Anstrengungen zu unternehmen, um den Flächenverbrauch so bald wie möglich – spätestens aber bis 2035 – auf Netto Null zu senken.

Gemeinsam werden sich die Verbände dafür einsetzen, dass überackerte oder anderweitig genutzte Wegränder wo möglich wiederhergestellt und die Qualität dieser Randstreifen durch fachgerechte Pflege, bei stark verarmten Randstrukturen auch durch Wiedereinbringen von standorttypischen Arten, verbessert werden. Quantität und Qualität von Wegrändern haben in den vergangenen Jahrzehnten deutlich abgenommen. Obwohl die Bedeutung von Weg- und Straßenrändern für die Artenvielfalt in der Kulturlandschaft bekannt ist und ausreichend Hinweise zur fachgerechten Pflege vorhanden sind, ist eine erkennbare Verbesserung der Situation allenfalls punktuell festzustellen. Damit Wegränder ihre ökologische Funktion wieder erfüllen können, bedarf es entsprechender Fördermaßnahmen durch das Land, einer verstärkten Information der Kommunen sowie einer Vorbildfunktion des Landes bei der Pflege des Straßenbegleitgrüns an Landesstraßen.

In der landwirtschaftlichen Aus- und Weiterbildung sei es verstärkt erforderlich, Umwelt- und Naturschutzthemen in Lehrinhalte und Prüfungen aufzunehmen. Zwar werde der Bereich Umwelt- und Naturschutz in den Lehrplänen bisher mit einem sehr grundsätzlichen Basiswissen beschrieben. Umfang und Schwerpunktsetzung stehen aus heutiger Sicht aber nicht mehr im angemessenen Verhältnis zu den Notwendigkeiten und gesellschaftlichen Anforderungen, so LVÖ, WLV, WLLV und NABU. Grundsätzlich sollten in jedem Teil der landwirtschaftlichen Ausbildung, das heißt sowohl in den Berufs- und Fachschulen als auch bei der Meisterausbildung der Umwelt- und Naturschutz und auch der ökologische Landbau feste Zeitfenster im Lehrplan erhalten und prüfungsrelevant sein. Im Bereich der Umweltbildung sollten die Bereiche Klimaschutz und Biodiversität sowie der ökologische Landbau explizit behandelt werden, so die Forderungen aus Landwirtschaft und Naturschutz.

Zu den weiteren Forderungen der Verbände zählen die Förderung der Weidehaltung von Mutterkühen, Schafen und Ziegen, ein höherer Einsatz regionaler und ökologischer Erzeugnisse in der Gemeinschaftsverpflegung sowie der notwendige Ausbau der Mobilität im ländlichen Raum.

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