Kreisverbandstag 2026 | 19. März 2026

Aktuelle Agrarmärkte im Fokus

Agrarmarktexperten Philipp Schilling, Host des Agrarmarktpodcast, und Johann Meierhöfer, Deutscher Bauernverband, erklärten komplexe aktuelle Marktmechanismen

Die weltpolitische Lage – ganz aktuell der Krieg im Iran – wirkt sich nicht nur auf die Energie‑ und Finanzmärkte aus, sondern auch auf die landwirtschaftlichen Märkte und damit die Höfe in unserer Region“, erklärte Thomas Döring, Vorsitzender der Landwirte im Kreisverband Ruhr-Lippe (Bochum, Dortmund, Hamm, Herne, Kreis Unna), beim diesjährigen Kreisverbandstag. So gewann das Thema „Landwirtschaftliche Märkte aktuell – Hintergründe, Entwicklungen, Ausblick“ ungeplante Aktualität. Rund 350 Landwirtinnen und Landwirte sowie zahlreiche Ehrengäste kamen am Dienstagabend (17.03.2026) im Freischütz in Schwerte zum Kreisverbandstag der Landwirtschaftlichen Kreisverbände Ennepe-Ruhr/Hagen und Ruhr-Lippe (Bochum, Dortmund, Hamm, Herne, Kreis Unna) zusammen.

Thomas Döring machte in seiner Begrüßung sein Bekenntnis zu einem möglichst freien Handel deutlich, unterstrich zugleich aber auch die Bedeutung einheitlicher Standards: „Diese Standards kosten Geld. Und sie sind Teil unseres gesellschaftlichen Auftrags. Aber dann erwarten wir auch, dass Produkte, die in die EU importiert werden, vergleichbaren Regeln unterliegen.“, sagte er. Wenn im Supermarktregal Ware aus der ganzen Welt liege, oft genau aus den Regionen, in denen all die hohen Standards nicht gelten, passe das einfach nicht zusammen“, sagte er.

Hauptreferent des Abends war Philipp Schilling, Marktexperte und Host des Agrarmarktpodcast. Geostrategische Faktoren wie Kriege und Handelsauseinandersetzungen gewännen zunehmend an Bedeutung, erklärte er. Auch der aktuelle Iran-Krieg wirke sich deutlich auf die Landwirtschaft aus. Neben Diesel sei besonders der Preis für Dünger angestiegen, da beispielweise 30 Prozent der Stickstoffdünger durch die Straße von Hormus müssten. Zwar hätten sich auch die Preise für einige landwirtschaftliche Produkte erhöht, jedoch bei weitem nicht im gleichen Maße wie die Betriebsmittelkosten. Neben den geopolitischen Einflüssen seien noch viele weitere Faktoren wie Indexfonds, Spekulanten, Exporteure, Importeure, Händler oder Verarbeiter wichtig im Marktgeschehen. „Alles hängt mit allem zusammen,“ sagte er. Vor allem Fonds und spekulatives Kapital nähmen eine zunehmend größere Rolle ein.

Johann Meierhöfer vom Deutschen Bauernverband machte deutlich, dass sich die deutsche und europäische Landwirtschaft weltweit im Marktgeschehen behaupten müsse. „Europäische Landwirte erzeugen unter strengsten Auflagen und konkurrieren auf demselben Markt mit Ware, für deren Erzeugung diese Auflagen schlicht nicht gelten“, sagte er. Der Deutsche Bauernverband bekenne sich zu einem offenen, regelbasierten Handel. Abschottung sei keine Antwort auf die Herausforderungen globaler Agrarmärkte. Gleichzeitig brauche Handel verlässliche Regeln und vergleichbare Rahmenbedingungen. Dabei dürfe man nicht allein darauf hoffen, dass sich andere Länder anpassen, auch Europa müsse prüfen, wo Auflagen reduziert werden können, ohne bestehende Standards zu gefährden. Ziel müsse es sein, unsinnige Wettbewerbsverzerrungen abzubauen und stärker wissenschaftsbasierte Vorgaben umzusetzen.

 

Der Kreisverbandstag im Wortlaut

Einige Zitate:

„Die deutsche Landwirtschaft bekennt sich zu offenem Handel – aber Handel ohne gleiche Regeln für alle ist kein fairer Wettbewerb, sondern organisierte Benachteiligung." (Johann Meierhöfer, Deutscher Bauernverband)

„Wir müssen mit der Politik ins Gespräch darüber kommen, dass die Auflagen in der Landwirtschaft daraufhin angepasst werden, dass wir auf den internationalen Märkten konkurrenzfähig sind.“  (Dirk Kalthaus, Kreisverbandsvorsitzender Ennepe-Ruhr/Hagen)

„Regulatorische Rahmenbedingungen verschlechtern die Wettbewerbsfähigkeit deutscher und europäischer Bauern massiv.“ (Philipp Schilling, Host Agrarmarktpodcast)

„Wenn man heute Landwirt ist, braucht man mehr als nur Fachwissen. Man braucht: Unternehmergeist, Durchhaltevermögen, Geduld, und manchmal auch ziemlich starke Nerven.“ (Thomas Döring, Kreisverbandsvorsitzender Ruhr-Lippe)

„Wenn wir auf das Jahr 2026 blicken, dann sehen wir viele Herausforderungen. Aber wir sehen auch einen Berufsstand, der engagiert ist, der zusammenhält und der bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.“ (Pia Caren Bömer, Kreisgeschäftsführerin)