Prächtige Erntekrone überreicht | 6. Oktober 2026

Dankbar für die Ernte, trotz Ertragseinbußen

Bis zur Jahreshälfte hatten die Landwirte im Kreis Warendorf auf ein gutes Erntejahr gehofft – bis ab Juni die Niederschläge ausblieben.

Dennoch sind die Landwirte auch in diesem Jahr dankbar für die Erträge, die sie einfahren durften – und zeigten ihre Dankbarkeit mit einer prächtigen Erntekrone. Steffen Kleibolte als Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Westkirchen und Betriebsleiter begrüßte die Gäste zur feierlichen Übergabe der Erntekrone an Landrat Dr. Olaf Gericke. „Wir freuen uns, Ihnen diese Erntekrone überreichen zu dürfen und danken den Landfrauen für ihre tatkräftige Unterstützung“, so Kleibolte.

„Was für ein schönes Ambiente“, zeigte sich der Landrat beeindruckt von Haus und Hof und der prächtig geschmückten Erntekrone. Gemeinsam mit Ordnungsdezernentin Petra Schreier und Martin Terwey (Amtsleiter Planung und Naturschutz) war Landrat Dr. Olaf Gericke auf den Betrieb von Steffen Kleibolte nach Ennigerloh Westkirchen gekommen. Empfangen wurden die Gäste von Landfrauen und Landwirten auf Orts- und Kreisebene sowie Karl Werring, Präsident der Landwirtschaftskammer NRW und Fabian Menkhaus, Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer NRW - Kreisstellen Gütersloh, Münster, Warendorf.

„Wir sind dankbar für das, was uns die Natur schenkt“, so Andreas Westermann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes. Der Berufsstand hänge wie kaum ein anderer von Wetter und klimatischen Veränderungen ab. Es sei nicht selbstverständlich, gute Ernten einzufahren. „Wir sind optimistisch ins Jahr gestartet und hatten gute Aussaatbedingungen. Dann folgten gute Niederschläge und wir rechneten schon fast mit einem Rekordjahr, als ab Juni die Niederschläge ausblieben und die Temperaturen weit über 30 Grad stiegen“, so der Kreisvorsitzende. Raps und Getreide hätten sich trotzdem gut entwickelt. Bei Kartoffeln und Zuckerrüben lagen die Ertragseinbußen allerdings bei 30, 40 und teilweise sogar 50 Prozent. „Bullenmastbetriebe wie dieser, auf dem wir heute die Erntekrone überreichen, müssen die Pflanzen für ihre Maissilage vor Ort ernten. Das ist bei schwierigen Witterungslagen nicht leicht“, so Westermann und nahm die politischen Rahmenbedingungen in den Blick: „Die Agrarpolitik der EU schreibt uns zahlreiche Regularien vor, die wir erfüllen müssen, um Fördergelder zu erhalten. Die Politik sollte ein Gefühl dafür bekommen, wie schwierig das Wirtschaften sein kann, wenn man mit Wetterkapriolen umgehen muss. Deshalb sollte es in Zukunft möglich sein, Fristen zu lockern, damit Futterbaubetriebe, die in Extremjahren aufgrund des Wetters nicht ausreichend Futter einfahren können, Möglichkeiten für flexiblere Ackerbestellung bekommen.“

Mit Blick in die eigene Branche kritisierte Andreas Westermann: „Wenn Schlachtbetriebe und Zulieferer in diesen turbulenten Zeiten mit globalen Krisen ihre erhöhten Kosten bei unseren bäuerlichen Betrieben abladen, dann ist etwas falsch im System. Denn obwohl die Lebensmittel im Geschäft teurer werden, kommt auf unseren Höfen diese Preissteigerung nicht an. Da würde ich mir wünschen, dass unsere zumeist inhabergeführten Betriebe eine stärkere Stimme bekommen und große Unternehmen in der Wertschöpfungskette gestiegene Kosten übernehmen, statt sie an uns weiterzureichen.“

Landrat Dr. Olaf Gericke würdigte die Erntekrone als schönes Zeichen der Brauchtumspflege. Sie wird in den nächsten Wochen den Eingangsbereich des Kreishauses zieren. „Die Erntekrone zeigt, was uns verbindet und zusammenhält. Gemeinsam müssen wir das Beste aus dem Wetter und dem Klima machen.“ Gestiegene Energiekosten, mangelnde Investitionen, die Verschuldung des Staates und vieles mehr mache es den landwirtschaftlichen Betrieben derzeit schwer. „Wir hier vor Ort können nur zusammenhalten, um durch die schwierige Zeit zu kommen. Wir werden versuchen, möglichst viele Mittel des Sondervermögens in den nächsten Jahren in den wirtschaftlichen Kreislauf zu bringen“, versprach der Landrat.