Kreisverbandstag: Kampagnenstart und Besuch aus Berlin

Beim Kreisverbandstag starteten die landwirtschaftlichen Organisationen im Kreis die Kampagne "Land auf." Nun gilt es, weitere Unterstützer zu gewinnen.
Für die ambitionierte Kampagne „Land auf.“ zur Stärkung und strukturellen Weiterentwicklung des ländlichen Raums im Kreis Warendorf fiel am Freitag beim Kreisverbandstag in Ahlen der Startschuss: „Wer hier arbeitet, produziert, wer hier Gewinne erwirtschaftet, wer hier lebt, trägt Mitverantwortung für die Attraktivität unseres Kreises als Lebens- und Wirtschaftsraum“, so Kreisverbandsvorsitzender Andreas Westermann in seiner engagierten Rede vor vollen Rängen.
Infrastruktur, Mobilität, Wirtschaft: rauf!
Der Kreisverbandsvorsitzende ließ keinen Zweifel: Um die strukturellen Herausforderungen des großen, ländlich geprägten Außenbereichs des Kreises anzupacken mit Blick auf Infrastruktur, medizinische Versorgung, Mobilität, Wirtschaftswegebau, Fachkräftegewinnung und vieles mehr braucht es möglichst viele Partner wie Unternehmen, Behörden, Organisationen, Bürgerinnen und Bürger. Und die gilt es nun, nach und nach ins Boot zu holen. Dafür haben die landwirtschaftlichen Organisationen von Landwirten, Landfrauen, Landjugend, Betriebshilfsdienst und Maschinenring, Waldbauern sowie Kreisjägerschaft ein „Zukunftspapier ländlicher Raum“ quasi als Ausgangspunkt formuliert und mögliche erste Zielsetzungen skizziert. Die Kampagne „Land auf.“ wird flankiert von einer eigenen Website www.landauf-waf.de und Social-Media-Kanälen. (Mehr dazu finden Sie unten auf dieser Seite).
Bügermeister Harman: Die Landwirtschaft verdient höchste Anerkennung!
Ahlens Bürgermeister Matthias Harman brachte es auf den Punkt: „Die Landwirtschaft ist von zentraler Bedeutung für die Gesellschaft. Doch oft nehmen wir nur die Produkte wahr, nicht die Arbeit. Deshalb: Ihre Arbeit verdient höchste Anerkennung, Respekt und Wertschätzung“.
Die enorme Bandbreite dessen, was Landwirte täglich leisten, und die dafür erforderliche Hintergrundarbeit des Verbandes stellt Kreisvorsitzender Andreas Westermann in seinem Jahresrückblick dar.
Auch ohne Rampenlicht: „Die größten Heldinnen auf dem Hof sind die, die dafür sorgen, dass der Betrieb läuft“ (Kreislandfrauenvorsitzende Vanessa Wulff-Haggeney)
Dass aber Landwirtschaft ohne Frauen undenkbar ist, machte Kreislandfrauenvorsitzende Vanessa Wulff-Haggeney deutlich: „An den Hochschulen sieht man immer mehr junge Frauen, die ein Berufsleben in der Landwirtschaft anstreben. Das ist eine wunderbare Entwicklung, weil Frauen mit ihrer Perspektive Gespräche und Gremienarbeit bereichern. Immer mehr Frauen sind an wichtigen unternehmerischen Entscheidungen auf den Höfen beteiligt. Sie stehen nicht im Rampenlicht, aber sorgen dafür, dass der Betrieb läuft – bis hin zur Steuererklärung. Aber selten sind Frauen Landbesitzende oder Betriebsinhaberinnen.“ Dass die Vereinten Nationen das Jahr 2026 zum Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft ausgerufen haben, könne helfen, für die Thematik zu sensibilisieren: „Zukunft gelingt nur, wenn wir sie gemeinsam gestalten: Frauen und Männer, Jung und Alt, Stadt und Land“, so die Kreislandfrauenvorsitzende.
DBV-Generalsekretärin: „Brauchen klares Bekenntnis zur heimischen Landwirtschaft und dafür verbesserte Rahmenbedingungen“
Mit deutlichen Worten forderte die neue Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbandes bessere Rahmenbedingungen und verlässliche politische Entscheidungen für die Landwirtschaft: „Wir brauchen ein klares Bekenntnis zur heimischen Landwirtschaft“, so Stefanie Sabet mit Blick auf fehlende Wettbewerbsfähigkeit, Preisdruck und überbordende Bürokratie. Nicht zuletzt bei Tierhaltungskennzeichnungsgesetz und Dokumentationsdschungel sei die Bundesregierung in die falsche Richtung gelaufen. Eine Überarbeitung sei unverzichtbar. Applaus gab es für ihre Forderung, Wettbewerbsfähigkeit mit der Kennzeichnungspflicht für Importware zu stärken. Aber auch die Kritik an der geänderten Gesetzgebung zur Schadnager-Bekämpfung, die künftig auch von Landwirten einen neuen Sachkundenachweis erfordere, statt die vorhandenen Dokumente durch Schulungen aufzustocken, wurde vom Publikum mit lautstarkem Applaus quittiert.
„Der schönste Beruf der Welt“
Den „schönsten Beruf der Welt üben gut ausgebildete Landwirtinnen und Landwirte aus“, so Stephan Gehringhoff vom Vorstand der KLJB. Aber die politischen Rahmenbedingungen zwängen sie dazu, mehr Zeit im Büro statt im Stall zu verbringen. Es brauche verlässliche Zukunftsperspektiven. Die Kampagne „Land auf.“ sei ein guter Weg, gemeinsam mit vielen Partnern bessere Lebens- und Wirtschaftsverhältnisse im ländlichen Raum für alle zu schaffen.
Berufsnachwuchs und "ältere Semester" ausgezeichnet
Karl Werring (Präsident der Landwirtschaftskammer NRW) und Fabian Menkhaus (Geschäftsführer LWK Warendorf, Münster, Gütersloh) überreichten während der Veranstaltung die Abschlussurkunden an die Absolventinnen und Absolventen der landwirtschaftlichen Berufsausbildung und verliehen den älteren Semestern die Goldenen Meisterbriefe.
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