Erntekrone überreicht | 7. Oktober 2026

Landwirtschaft zieht Bilanz

Vor dem neuen Abferkelstall der Familie Eilers in Ottmarsbocholt: Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr (Mitte) und die Vertreter der Landwirtschaft tauschten sich über die Herausforderungen des Berufsstandes aus. Kreisverbandsvorsitzender Michael Uckelmann zog gemischte Bilanz für das Erntejahr mit seinen Wetterkapriolen: Getreide konnte noch durchschnittlich eingefahren werden, doch andere Kulturen, etwa Kartoffeln, kamen mit Hitze und Trockenheit nicht gut zurecht.

Blick auf die Herausforderungen der vergangenen Monate

Erntedank ist traditionell Anlass, auf das vergangene Erntejahr zurückzublicken und den Blick zugleich nach vorne zu richten. Im Kreis Coesfeld kamen Vertreterinnen und Vertreter der Landwirtschaft in diesem Jahr auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Eilers in Ottmarsbocholt mit Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr zusammen. Im Mittelpunkt des Erntegesprächs standen die diesjährige Ernte, die Auswirkungen von Trockenheit und Hitze sowie die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für die heimische Landwirtschaft.

Die Erntekorne, die traditionell zum Erntedankgespräch gehört, wird auch in diesem Jahr ihren Platz im Kreishaus finden und dort gemeinsam mit regionalen Erzeugnissen auf die Bedeutung der Landwirtschaft im Kreis Coesfeld aufmerksam machen.

Nach einem zunächst günstigen Start in das Vegetationsjahr entwickelten sich die Bedingungen im weiteren Jahresverlauf zunehmend herausfordernd. Insbesondere die ausgeprägten Hitze- und Trockenperioden ab Juni stellten die landwirtschaftlichen Kulturen vor große Belastungen. Während bei Getreide insgesamt durchschnittliche Erträge erzielt werden konnten, waren insbesondere Mais, Kartoffeln und weitere Kulturen von Ertrags- und Qualitätseinbußen betroffen.

Hohe Kosten und anhaltender Wirtschaftsdruck

Michael Uckelmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Coesfeld, zog eine differenzierte Bilanz: „Das Erntejahr 2026 zeigt einmal mehr, wie stark die Landwirtschaft von den Witterungsbedingungen abhängig ist. Beim Getreide können wir insgesamt von einer durchschnittlichen Ernte sprechen. Die anhaltende Hitze und Trockenheit haben anderen Kulturen dagegen deutlich zugesetzt. Für die Betriebe bedeutet das nicht nur geringere Erträge, sondern gleichzeitig hohe Kosten und einen anhaltenden Druck auf die Wirtschaftlichkeit.“

Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes verwies zugleich auf die Anpassungsleistungen der Betriebe: „Unsere Landwirtinnen und Landwirte passen ihre Bewirtschaftung bereits an die veränderten Bedingungen an. Dazu gehören beispielsweise eine angepasste Sortenwahl, eine wasserschonende Bodenbearbeitung und vielfältige Fruchtfolgen.

Auch die Verbesserung der Bodenstruktur und des Humusgehalts gewinnt weiter an Bedeutung.  Gleichzeitig brauchen die Betriebe verlässliche Rahmenbedingungen, um langfristig investieren und ihre Höfe weiterentwickeln zu können.“

Gastgeber des diesjährigen Erntegesprächs war der Betrieb Eilers in Ottmarsbocholt. Die Familie Eilers betreibt Ackerbau und Sauenhaltung. Für die Familie bot der Termin eine gute Gelegenheit, die Landwirtschaft vor Ort sichtbar zu machen und mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Berufsstand ins Gespräch zu kommen.

„Landwirtschaft findet nicht irgendwo statt, sondern direkt vor unserer Haustür. Wir produzieren hier Lebensmittel und tragen gleichzeitig Verantwortung für unsere Böden, unsere Landschaft und unsere Tiere. Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie wichtig es ist, flexibel auf die Witterung reagieren zu können. Dafür brauchen wir praxistaugliche Lösungen und die Möglichkeit, unsere Betriebe an die zukünftigen Herausforderungen anzupassen“, sagte Landwirt Daniel Eilers.

Landrat: Dialog in Sachen Klimaanpassung sowie Boden- und Gewässerschutz ist wichtig

Auch Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr betonte die Bedeutung des Austauschs zwischen Kreis und Landwirtschaft: „Der Kreis Coesfeld ist stark durch seine Landwirtschaft geprägt. Unsere Landwirtinnen und Landwirte leisten einen wichtigen Beitrag zur regionalen Lebensmittelversorgung und zur Pflege unserer Kulturlandschaft. Das Erntedankgespräch bietet eine gute Gelegenheit, gemeinsam auf die Herausforderungen des vergangenen Jahres zu schauen und miteinander darüber zu sprechen, was die Landwirtschaft für eine gute Zukunft braucht.“ Dabei spiele insbesondere der direkte Austausch eine wichtige Rolle. „Gerade bei Themen wie Klimaanpassung, Wasser, Boden- und Gewässerschutz oder der Entwicklung des ländlichen Raumes brauchen wir den Dialog zwischen Landwirtschaft, Verwaltung und Politik. Nur wenn wir miteinander im Gespräch bleiben, können wir tragfähige Lösungen für unseren Kreis entwickeln“, so der Landrat weiter. Neben der Erntebilanz standen daher auch die langfristigen Perspektiven der Landwirtschaft im Kreis Coesfeld im Mittelpunkt des Gesprächs. Angesichts zunehmender Wetterextreme wird es für die Betriebe wichtiger, ihre Bewirtschaftung an veränderte Bedingungen anzupassen. Gleichzeitig bleiben wirtschaftliche Fragen, steigende Betriebsmittelkosten und die Notwendigkeit verlässlicher Rahmenbedingungen zentrale Themen für die landwirtschaftlichen Familienbetriebe.

Das Erntedankgespräch auf dem Betrieb Eilers machte damit deutlich: Die Landwirtschaft im Kreis Coesfeld blickt trotz der Herausforderungen des Erntejahres nach vorne. Mit Anpassungsfähigkeit, Innovation und dem engen Austausch mit Politik, Verwaltung und Gesellschaft sollen die Grundlagen für eine weiterhin leistungsfähige Landwirtschaft erhalten werden.

An dem Erntegespräch nahmen teil:
·       Dr. Christian Schulze Pellengahr, Landrat des Kreises Coesfeld
·       Michael Uckelmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Coesfeld
·       Martin Bontrup, stellv. Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes
·       Daniel Eilers, Landwirt und Betriebsleiter Hof Eilers
·       Birgit Schulte-Spechtel, Mitglied im Kreislandfrauenverband Coesfeld sowie im Landw. Kreisverband
·       Georg Silkenbömer, Kreislandwirt des Kreises Coesfeld
·       Bastian Lenert, Geschäftsführer der Kreisstellen Coesfeld und Recklinghausen der LWK NRW
·       Alexander Plietker, Ortsverbandsvorsitzender Ottmarsbocholt
·       Silke Trappmann, Geschäftsführerin des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Coesfeld


WLV Bild
Die Erntekrone hat im Kreishaus einen würdigen Platz gefunden.