Das Sauerland weicht vom landesweiten Ergebnis ab

Landwirtschaftlicher Kreisverband übergibt gemeinsam mit den Landfrauen die Erntekrone an den Landrat
Sundern / Hochsauerlandkreis. „Trockenheit gepaart mit Hitze – das war die größte Herausforderung für die Landwirtschaft im Sauerland in diesem Jahr.“ Wilhelm Kühn, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Kreisverbandes Hochsauerland, sieht in seiner Begrüßung zum Medientermin „Erntedank im Sauerland“ auf dem Hof der Familie Gördes in Sundern aber auch Lichtblicke für die heimischen Betriebe: „Mit den ersten beiden Grasschnitten konnten wir das Winterfutter für unsere Rinder sichern und auch beim Getreide sind wir mit einem blauen Auge davongekommen.“ Die hohen Kosten für Energie und Betriebsmittel relativierten aber die Zufriedenheit der Bauern.
Vor der konkreten Erntebilanz ging Vorsitzender Wilhelm Kühn auf die Agrarpolitische Situation im Hochsauerland ein und hob dabei insbesondere den Umgang mir erneuerbaren Energien unter Berücksichtigung der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung hervor. Kühn: „Wenn wir heute über Agrarpolitik im Hochsauerlandkreis sprechen, dann sprechen wir längst nicht mehr nur über klassische landwirtschaftliche Themen wie Milchpreise, Tierhaltung, Düngeverordnung oder Förderprogramme.
Agrarpolitik im Hochsauerlandkreis bedeutet heute vor allem auch:
Wie gehen wir mit unserer Fläche um? Wie schaffen wir den notwendigen Ausbau der erneuerbaren Energien, ohne unsere landwirtschaftlichen Strukturen zu zerstören? Wie verbinden wir Naturschutz und Landwirtschaft miteinander? Und wie schaffen wir es, dass diejenigen, die unsere Landschaft täglich bewirtschaften und pflegen, bei diesen Entscheidungen nicht nur angehört, sondern tatsächlich beteiligt werden?
Denn eines müssen wir uns immer wieder vor Augen führen: Unsere Landschaft ist kein Naturzustand. Unsere Landschaft ist Kulturlandschaft.
Das abwechslungsreiche Bild aus Grünland, Ackerflächen, Wald, Hecken, Feldgehölzen, Gewässern und Siedlungen ist über Generationen durch die Arbeit von Land- und Forstwirten entstanden. Und genau diese Kulturlandschaft macht den besonderen Reiz des Hochsauerlandkreises aus.“
Im Anschluss gab er Landrat Thomas Grosche die Gelegenheit zu einem Grußwort des Kreises und überreichte ihm die Erntekrone, in diesem Jahr dekoriert von den Landfrauen aus Sundern. Die Erntekrone ziert traditionell in Meschede das Foyer des Kreishauses.
Waldbauernvorsitzender Klaus Bauerdick hatte schlechte Nachrichten im Gepäck: Die noch nie in der Form dagewesene Trockenheit zehrt inzwischen auch an gesund erscheinenden Wäldern. Hinzu kamen Waldbrände. Nach Sturm- und Borkenkäferkalamität sterben Bäume jetzt an Austrocknung. Sehr früh fallende Blätter zeigen in diesem Jahr erstmals die Not unserer Wälder.
Die Waldbauern betreiben intensiv die Waldentwicklung zur Stabilisierung der Wald-Ökosysteme vor Ort. Und „mit klimaresistenteren Sorten versuchen wir den Wald für die nächsten Generationen zu stabilisieren.“ Ärgerlich sei aber die zunehmende Bürokratie für die Waldbesitzer, z.B. durch die EUDR (Richtlinie gegen illegale Entwaldung und für nachhaltige Lieferketten innerhalb der EU), oder Pachtdeckel für Erneuerbare Energien.
Martina Droste von den Landfrauen Sundern nutzte die Gelegenheit, auf das „Internationale Jahr der Frauen in der Landwirtschaft“ aufmerksam zu machen. „Frauen spielen immer schon eine wichtige Rolle auf unseren landwirtschaftlichen Betrieben – 2026 wird aber noch einmal besonders die Frau als Betriebsleiterin hervorgehoben. Auch auf diesem Hof haben wir mit Susanne Gördes als Chefin des Hofladens eine Unternehmerin, die einen Betriebszweig eigenverantwortlich führt. Damit werden auch die besonderen Talente von Frauen sichtbar, die in der Zusammenarbeit auf dem Hof Verantwortung, Modernisierung und klare Organisation einbringen.“
Stefan Fuchte, Landwirt aus Eslohe und Vorsitzender des Milchausschusses im Landwirtschaftlichen Kreisverband Hochsauerland, zieht im Hochsauerland eine Bilanz zur bisherigen Ernte, die sich von den landesweiten Erträgen unterschiedet: „Im Verhältnis zu anderen Regionen sind wir nochmal gut weggekommen.“ Beim soeben geernteten Mais seien Ertrag und Qualität gut – der Mais habe sich nach langer Trockenheit erstaunlich gut erholt. Beim Grünland sei im Frühjahr noch Feuchtigkeit dagewesen, daher hatten der 1. und der 2. Schnitt gute Erträge gebracht. Wie so häufig im Sommer in den letzten Jahren sei das Grünland dann nur wenig gewachsen, der späte Regen habe aber noch eine letzte Grasernte ermöglicht.
Mit Sorge betrachtet Fuchte das Auftreten einer bisher unbekannten Krankheit: „Die Ausbreitung des Shamonda Virus, welches bei Rindern für Fieber, Durchfall und verminderte Leistung sorgt, wird mit Sorge betrachtet, da es noch keinen Impfstoff gibt.“
Der zweite Kreisverbandsvorsitzende, Christian Otto, Mutterkuhhalter aus Eslohe, spricht von einem „anstrengenden Jahr“: Trockenheit und Hitze haben die Tierhalter bei der Versorgung der im Freien gehaltenen Herden auf Trab gehalten. Sowohl Wasserversorgung als auch die Sicherstellung des Futters bei den immer mehr austrocknenden Wiesen seien im Gegensatz zu anderen Jahren im Sauerland täglich nötig gewesen.
Gastgeber Robert Gördes, Landwirt aus Sundern und Vorsitzender des Stadtverbandes Sundern, stuft seine diesjährige Getreideernte als „gut und entspannt“ ein. Nach einer „normalen“ Aussaat im Herbst 2025 sei das Getreide gut gewachsen. „Durch die Hitzedepression Ende Juni haben wir zwar fast flächendeckend eine Tonne je Hektar verloren, dennoch haben wir eine durchschnittliche Ernte eingefahren, die uns zufriedenstellen kann.“ Auch verlief die Ernte durch das anhaltend trockene Wetter störungsfrei, zudem fielen keine Trockenkosten an. Gördes: „Das macht mich zufrieden, wohl die meisten meiner Berufskollegen auch.“ Zur Preissituation „müssen wir abwarten, was die Weltmärkte bringen. Ein Zusammenhang zeigt sich aber immer: Steigend Energiekosten ziehen auch meist unsere Märkte nach oben.“
Alle Informationen und Zahlen zur Ernte in Westfalen-Lippe finden Sie hier:
https://wlv.de/presse/pressemeldungen/wlv-erntebilanz-auf-hof-henk-in-bad-berleburg





