WLV-Ernte-Pressekonferenz | 11. September 2026

WLV-Erntebilanz auf Hof Henk in Bad Berleburg

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Durchschnittliche Erträge beim Getreide – deutliche Einbußen bei Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben – anhaltend hoher Preis- und Kostendruck – Stimmungslage

Münster <wlv> Zum Ende der Erntesaison ziehen die Bauernfamilien in Westfalen-Lippe Bilanz: Auf dem Hof der Familie Henk in Bad Berleburg (Kreis Siegen-Wittgenstein) blickte Hubertus Beringmeier, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV e.V.) auf ein vielerorts herausforderndes Erntejahr in Westfalen-Lippe zurück. Nach guten Aussaat- und Aufwuchsbedingungen mit milden Temperaturen und zunächst ausreichenden Niederschlägen im Herbst 2025, war bereits der vergangene Winter insgesamt zu trocken.

Nachdem dann im Frühjahr 2026 wechselhafte Wetterbedingungen mit zeitweisen Niederschlägen im Mai vielerorts die Wachstumsbedingungen begünstigt hatten, wurden ab Juni insgesamt durchschnittliche Ernten von Gerste, Weizen, Roggen, Triticale und Sommergetreide eingefahren. Die Witterungsverhältnisse ab Juni mit starken Hitzeperioden, Temperaturen bis zu 40 Grad und fehlenden Niederschlägen haben Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln sowie Obst- und Gemüsekulturen erheblich zugesetzt. Deutliche Qualitäts- und Ertragseinbußen sind die Folge.

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WLV-Erntebilanz auf Hof Henk in Bad Berleburg

 Durchschnittliche Getreideernte

„Die Getreideernte ist in Westfalen-Lippe weitgehend abgeschlossen. Die Erträge und Qualitäten unterscheiden sich – je nach Standort, Witterung und Bodenbeschaffenheit – teilweise deutlich. Für Westfalen-Lippe verzeichnen wir insgesamt eine durchschnittliche Getreideernte. Bei Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln hingegen verzeichnen wir, ebenso wie bei Obst und Gemüse, deutliche Ertrags- und Qualitätsverluste aufgrund der anhaltenden Trockenheit und Hitze“, zog Hubertus Beringmeier bei der WLV-Ernte-Pressekonferenz auf dem Betrieb von Philipp und Jenny Henk in Bad Berleburg Bilanz.

„Grundsätzlich passt sich die Landwirtschaft durch entsprechende standortangepasste Sortenwahl, wasserschonende Bodenbearbeitung und angepasste Fruchtfolgegestaltung den veränderten Klimabedingungen an. Maßnahmen zur Verbesserung der Bodenstruktur und des Humusgehalts sind wichtig, damit Niederschläge besser gespeichert werden können. Langfristig wird es außerdem notwendig sein, Sorten weiterzuentwickeln und den Ausbau von Wasserspeichern sowie eine verlässliche Wasserinfrastruktur voranzubringen“, so Hubertus Beringmeier weiter.

Effektiver Pflanzenschutz als zwingende Voraussetzung

Vor dem Hintergrund der klimatischen Herausforderungen im Ackerbau ist nach Einschätzung des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes ein effektiver Pflanzenschutz eine zwingende Voraussetzung für sichere und gesunde Lebensmittel. Demnach wird die Landwirtschaft den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln weiter optimieren, pauschale Pflanzenschutzverbote werden vom Berufsstand jedoch abgelehnt. Vielmehr würden neue Wirkstoffe benötigt, um Resistenzen vorzubeugen und um weiter die hohen Qualitätsanforderungen an den Ackerbau zu erfüllen. „Effektiver Pflanzenschutz ist eine zwingende Voraussetzung für sichere und gesunde Lebensmittel“, unterstrich Hubertus Beringmeier in diesem Kontext. „Mit Blick auf die Regelungen zur Düngeverordnung setzen wir auf das Prinzip der Verursachergerechtigkeit. Pauschale Verbote und flächendeckende Restriktionen, die auch Betriebe treffen, die nachweislich gewässerschonend und ordnungsgemäß wirtschaften, lehne ich ab“, sagte Beringmeier am Freitag in Bad Berleburg.

Erzeugerpreise auf niedrigem Niveau, Marktlage angespannt 

Bei anhaltend schlechten Getreidepreisen aufgrund des aktuellen Weltgeschehens (insbesondere USA-Iran-Konflikt mit entsprechend gestiegenen Rohölpreisen) sind die Erzeugerpreise im Pflanzenbau weiterhin auf niedrigem Niveau und insgesamt nicht kostendeckend. Teure Betriebsmittel wie Kraftstoff und Dünger, aber auch notwendige Bewässerung, kosten die landwirtschaftlichen Betriebe viel Geld, sodass die betriebswirtschaftliche Lage im Ackerbau insgesamt angespannt ist.

Angesichts einer prekären Marktlage und des anhaltenden Strukturbruchs in der Schweinehaltung ist die wirtschaftliche Lage der deutschen Ferkelerzeugung und Schweinehaltung in weiten Teilen existenzbedrohend. „Eine ruinöse Preispolitik sowie der Rückgriff auf Importware sind ursächlich hierfür. Die Anforderungen an die Tierhaltung werden immer weiter verschärft. Der gewünschte Umbau der Tierhaltung hin zu höheren Haltungsformen wird von der Branche grundsätzlich auch mitgetragen. Fakt ist aber: Der Auszahlungspreis ist viel zu gering, um überhaupt kostendeckend zu arbeiten. Wir brauchen jetzt konkrete und wirksame Sofortmaßnahmen, faire Wettbewerbsbedingungen und verlässliche politische Rahmenbedingungen“, betonte Hubertus Beringmeier.

Stimmungslage überwiegend gedrückt

Laut dem Rentenbank-Agrarbarometer 2026 ist die Stimmungslage in der deutschen Landwirtschaft überwiegend gedrückt, hat sich im Jahresverlauf aber unterschiedlich entwickelt. Hauptgründe sind demnach hohe Energie- und Düngemittelkosten, hohe Betriebsmittelpreise insgesamt und teilweise niedrige Erzeugerpreise. Gleichzeitig erwarten viele Betriebe für die kommenden zwei bis drei Jahre eine leichte Verbesserung der wirtschaftlichen Lage. „Westfalen-Lippe ist und bleibt eine Gunstregion. Wir erzielen weiterhin Erträge, die regional und global von großer Bedeutung sind. Dabei stellt der Klimawandel die Landwirtschaft vor große Anpassungsaufgaben. Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, um den Betrieben langfristige Zukunftsperspektiven zu bieten. Hier besteht dringender Handlungsbedarf durch die Politik – insbesondere im Bereich der Tierhaltung. Trotz der bestehenden Herausforderungen blicken wir hoffnungsvoll in die Zukunft, weil die regionale Landwirtschaft für die Lebensmittelerzeugung und -sicherung unverzichtbar ist“, schloss Beringmeier seinen Blick auf die agrarpolitische Gemengelage ab.

Gastgeber-Betrieb Henk mit vielfältigen Standbeinen

Die Gastgeber der diesjährigen Ernte-Pressekonferenz, Philipp und Jenny Henk, haben ihren Familienbetrieb in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt. Schwerpunkt des Betriebes ist die Milchviehhaltung mit rund 85 Kühen, die in Haltungsform 3 gehalten werden. Der im Jahr 2025 neu gebaute Stall bietet Platz für bis zu 120 Kühe. Zwei automatische Melksysteme übernehmen das Melken, ein Fütterungsroboter unterstützt bei der täglichen Versorgung der Tiere. Für die Fütterung setzt der Betrieb – anstelle von Grassilage – auf frisches Gras und Heu. Zu diesem Zweck wurde eine 1.598 Quadratmeter große Heutrocknungshalle errichtet.

„Wir haben unseren Betrieb zuletzt breiter aufgestellt und setzen insbesondere auf die Direktvermarktung, die sehr stark nachgefragt wird“, sagte Betriebsleiter Philipp Henk. Neben der Milchviehhaltung und der Milchverarbeitung verfügt der Betrieb über weitere Standbeine: Rund 800 Legehennen mit Auslauf erzeugen auf den angrenzenden Wiesen Eier für den Hofladen. Zum Hof gehört außerdem ein Pensionspferdebetrieb mit 23 Pferdeboxen und einer Reithalle. Ergänzt wird das Angebot inzwischen durch zwei Ferienwohnungen und ein Café.

Weitere Presseunterlagen im Überblick

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Sprechzettel von WLV-Präsident Beringmeier
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Betriebsspiegel vom Hof Henk in Bad Berleburg
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