KV Aktuell Nr. 10/2026 | 11. September 2026

Erntebrief 2026

Erntebrief 2026

 

Erntebrief 2026

Sehr geehrte Mitglieder,

der Sommer 2026 wird uns allen vor allem durch die Trockenheit in Erinnerung bleiben. Auf zu kühle Temperaturen in den ersten Juniwochen folgte ein sehr warmer, oft schlicht heißer Sommer.

Nun haben wir Landwirte ja nicht selten etwas am Wetter auszusetzen, in diesem Fall haben uns die häufigen Temperaturen über 27 Grad Celsius aber tatsächlich Erträge gekostet. Gepaart mit dem Niederschlagsmangel führte die Hitze im Schnitt zu Mindererträgen von etwa 20 %, die je nach Bodentyp und Wasserversorgung variierten. Damit stehen wir im Vergleich zu anderen Regionen vor allem in Süddeutschland und im europäischen Ausland immer noch gut da. Dafür bin ich dankbar.

Jeder Verbraucher weiß, wie stark die Energiepreise gestiegen sind. Dass wir Landwirte davon allerdings nicht nur an der Tankstelle betroffen sind, sondern auch andere Betriebsmittel wie der Handelsdünger sowie die Transportaufschläge deutlich teurer geworden sind, ist vielen sicher nicht bewusst. Die Belastung durch die weltweiten Krisen ist für die Betriebe schwer zu stemmen, das betrifft auch andere Branchen außerhalb der Landwirtschaft.

Erschwerend kommt ein unerklärlich schlechtes Preisniveau über alle agrarischen Produkte vom Korn bis zum Schlachtschwein hinzu. Die einzige Ausnahme ist der Raps, da er sich über die Verwendung als Biodiesel am Kraftstoffmarkt anlehnt.

Es scheint, dass sich die EU im Verdrängungswettbewerb auf dem Weltmarkt befindet.   Ich möchte nicht von einem Wirtschaftskrieg sprechen, aber ein Blick auf den Automobilmarkt mag jeden zu einem eigenen Urteil führen.

Wenn also Lebensmittelsicherheit gefordert wird (Das Zauberwort lautet Resilienz), fordern wir keine Stützen, sondern Preise oberhalb der Erstellungskosten.

Wir fordern Preise, die es uns ermöglichen unsere Betriebe zu erhalten und die Versorgung mit Lebensmitteln zu sichern. Agrarprodukte sollten kein Spekulationsobjekt sein. Sie sollten sich nicht in der Sicherung von Banken befinden, sondern eine verlässliche Lebensgrundlage bieten - sowohl für den Erzeuger als auch den Verbraucher. Wir Landwirte sind in der Wertschöpfungskette nur noch mit 20% beteiligt, das heißt bei einem Schweinepreis von      7,00 € pro Kilogramm bekommt der Landwirt 1,40 €. Diese Spanne von 5,60 €, also 400% unseres Anteils für die weitere Verarbeitung scheint nicht gerechtfertigt.

Wir Landwirte arbeiten gerne in Deutschland und sind stolz auf die erreichten Qualitäten unserer Produkte. Wir werden auch weiterhin unsere Kulturlandschaft bewirtschaften und für hohe Qualität einstehen. Wir sind überzeugt, dass eine regionale Wertschöpfung das Leben auf dem Land, im Dorf aber auch in der Kleinstadt erst ermöglicht. Die Menschen in den Großstädten mögen sich überlegen, wessen Wasser und wessen Lebensmittel sie auf Dauer zu erschwinglichen Preisen erhalten können.

 Dieser Brief soll kein Jammern sein, sondern schonungslos den Verfall des ländlichen Raumes spiegeln. An dieser Stelle möchte ich auch noch einmal darauf hinweisen, was für ein Wahnsinn es ist, Biogasanlagen in eine ungewisse Zukunft zu schicken, wo wir doch jede Art nachwachsender Energie mit CO2-Bindung benötigen.

Was nützt uns Erntedank, wenn die Ernte und die daraus erstellten Produkte nicht wertgeschätzt werden?

 Dieter Hagedorn – Kreisverbandsvorsitzender