Umgang mit kranken Schweinen | 18. September 2026

Umgang mit kranken Schweinen, Veterinäramt, Schwerpunktkontrollen

Tierschutz und Qualität Hand in Hand – Unser Engagement für gesunde Schweine, auch in schwierigen Zeiten

Liebe Schweinehalterinnen,
liebe Schweinehalter,

die aktuelle Marktlage stellt viele unserer Schweinemäster vor existenzielle Herausforderungen. Sinkende Erzeugerpreise, steigende Futter- und Energiekosten sowie ein zunehmender bürokratischer Aufwand belasten unsere Betriebe erheblich. Gerade in dieser angespannten Situation ist es umso bemerkenswerter, dass unsere Landwirtinnen und Landwirte an ihrem hohen Qualitäts- und Tierschutzanspruch festhalten – nicht trotz,  sondern gerade wegen der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Denn eines ist klar: Tierschutz und Produktqualität sind für uns keine Frage der Marktlage, sondern eine Frage der Haltung – im wahrsten Sinne des Wortes.

Mit dem Konzept des Ministeriums für Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW zum "Umgang mit kranken Einzeltieren", das wir diesem Schreiben vollständig beifügen, wird deutlich, wie umfassend und professionell wir als Berufsstand bereits aufgestellt sind –  und welche Instrumente uns zur Verfügung stehen, um dies auch unter erschwerten wirtschaftlichen Bedingungen weiter zu sichern.

Ein gemeinsames Projekt der gesamten Branche
Dieses Konzept ist kein "von oben verordnetes" Regelwerk, sondern das Ergebnis echter Branchenarbeit. Es wurde 2021 eine Arbeitsgruppe aus Vertretern des Rheinischen Landschaftsverbandes (RLV) und Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, des Landesamtes für Natur,  Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV), des Landkreistages NRW sowie den  Tierärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe zum „Umgang mit kranken Einzeltieren in schweinehaltenden Betrieben“ einberufen. Wir – die Berufsvertretung der Landwirte – sitzen also mit am Tisch und gestalten aktiv mit.

Was wir als Tierhalter bereits leisten – auch unter wirtschaftlichem Druck
Tägliche Fürsorge bleibt Standard:
In unseren Betrieben gehört die tägliche Tierkontrolle längst zum Alltag, ganz gleich, wie   angespannt die betriebswirtschaftliche Lage ist. Empfohlen wird sogar: Tierkontrollen im Gesamtbestand müssen mindestens einmal täglich, besser allerdings zwei Mal, möglichst während der beiden Aktivitätsphasen (vormittags und am späten Nachmittag) stattfinden, um kranke oder verletzte Einzeltiere rechtzeitig erkennen und angemessen versorgen zu    können. Dies zeigt: Wir schauen genau hin, jeden Tag – auch dann, wenn jeder Cent zählt.

Professionelle Krankenversorgung als Investition in die Zukunft:
Unsere Betriebe halten spezielle Krankenbuchten vor, die weit mehr als ein "Notbehelf" sind. Diese müssen über eine weiche Liegefläche verfügen, was beispielsweise mittels Einstreu erzielt werden kann. Auch das Vorhandensein einer Schalentränke zur Erleichterung der Wasseraufnahme und das Anbieten von Breifutter gehört dazu. Zudem wird sichergestellt, dass auch Schweinen in Krankenbuchten der Zugang zu hygienisch einwandfreiem,  faserreichem, organischen Beschäftigungsmaterial ermöglicht wird und ein Sichtkontakt zu Artgenossen gewährleistet ist. Das ist gelebter Tierschutz – eine Investition, die sich trotz knapper Margen auszahlt, weil sie die Grundlage für gesunde Bestände und damit für unsere wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit bildet.

Enge tierärztliche Zusammenarbeit:
Unsere Betriebe pflegen eine intensive Partnerschaft mit den bestandsbetreuenden Tierärzten. Im Rahmen der integrierten, tierärztlichen Bestandsbetreuung werden  schweinehaltende Personen intensiv begleitet mit dem Ziel, die Tiergesundheit und das Tierwohl in den betreuten Betrieben kontinuierlich zu verbessern. Diese enge Begleitung – oft weit über die gesetzlich vorgeschriebene Mindestfrequenz hinaus – ist Ausdruck unseres Qualitätsanspruchs, den wir auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht aufgeben.

Kontinuierliche Weiterbildung:
Wir investieren in Wissen: Im Rahmen der überbetrieblichen Ausbildung wird das Thema Einzeltiererkrankung und Nottötungen durch die Tierärztinnen und Tierärzte der Tiergesundheitsdienste unterrichtet, ergänzt durch Lehrvideos und Demonstrationen im Stall, mit denen das theoretische Wissen vertieft werden kann. Zukünftig unterstützt sogar eine  VR-Anwendung im Rahmen des Projekts "SilA" die praktische Ausbildung.

Eigenkontrolle als Qualitätsversprechen:
Unsere Betriebe setzen auf strukturiertes Qualitätsmanagement: Tierhaltende Personen     erheben und bewerten ihr betriebseigenes Tiergesundheitsmanagement über entsprechende Aufzeichnungen wie die tägliche Mortalitätsrate, die aktive Nutzung der Ergebnisse des    Antibiotika-Benchmarkings über die HIT-Datenbank sowie den QS-Tiergesundheitsindex. Wir kontrollieren uns selbst – nicht, weil wir müssen, sondern weil uns die Gesundheit unserer Tiere am Herzen liegt, auch wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen alles andere als einfach sind.

Unsere Verantwortung – unser Selbstverständnis, gerade jetzt
Die Verantwortung für die Sicherstellung eines tierschutzkonformen Umgangs mit einzelnen, kranken Schweinen liegt letztendlich bei uns als tierhaltenden Personen. Das ist kein Nachteil, sondern zeigt: Wir sind die Experten für unsere Tiere und übernehmen diese Verantwortung gerne und kompetent – Tag für Tag, unabhängig davon, wie sich die Erzeugerpreise entwickeln.

Dabei stehen uns starke Partner zur Seite: Bestandsbetreuende, tierärztlich tätige Personen sowie der Schweinegesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen stehen tierhaltenden Personen dabei beratend und unterstützend zur Seite – wir stehen also nicht allein da, auch nicht in wirtschaftlich stürmischen Zeiten.

Was das für unsere Produkte bedeutet
Diese konsequente Tiergesundheitsvorsorge zahlt sich aus: Eine frühzeitige Separierung betroffener Tiere kann deutlich zum Heilungserfolg beitragen und vermindert somit auch die Anzahl der Tiere, die aufgrund von zu spät erfolgter Behandlung notgetötet werden müssen. Gesunde Tiere sind die Grundlage für qualitativ hochwertige Lebensmittel – und genau dafür stehen wir als Berufsstand, auch wenn uns die derzeitige Marktlage viel abverlangt.

Gemeinsam auf einem guten Weg – trotz aller Widrigkeiten
Der vorliegende Leitfaden hilft allen Beteiligten in der Entscheidungsfindung im Umgang mit erkrankten Einzeltieren, um dem Tierschutz gerecht zu werden. Ein tiergerechter Umgang mit dem Nutztier Schwein unterstützt die Zukunft einer gesellschaftlich akzeptablen Haltung von Schweinen und sichert somit auch die Zukunft der Schweinehaltung in Deutschland.

Wir wissen um die Belastungen, denen unsere Betriebe derzeit ausgesetzt sind. Umso mehr möchten wir betonen: Gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich wahre Qualität – und diese Qualität wollen und werden wir gemeinsam weiter sichern. Die beigefügte Broschüre soll Sie dabei unterstützen und Ihnen als praktisches Nachschlagewerk dienen.

Wir wissen aber alle auch, dass das Leben – gerade eines Tierhalters in Deutschland – durch Kontrollen beeinflusst wird. Auch das Veterinäramt steht unter der Kontrolle des Landesamtes für Verbraucherschutz und Ernährung (LAVE) NRW. Wir weisen darauf hin, dass in der Schweinehaltung, auch im Kreis Lippe, demnächst sog. Schwerpunktkontrollen bzgl. des Umgangs mit kranken Schweinen durchgeführt werden sollen. Stellen Sie sich darauf ein, da bei Verstößen ordnungsrechtliche Konsequenzen folgen können und informieren uns über Kontrollen bei Ihnen.

Mit freundlichen Grüßen
gez. Dieter Hagedorn, Kreisverbandsvorsitzender

MLV_KrankeSchweine

18.09.2026
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WLV_Präsident_Schweinepreis_Schlag ins Gesicht

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