Kreisverbandstag | 12. Februar 2026

Kreisverbandstag 2026

v.l.n.r.: Elmar Brok (ehem. EU-Abgeordneter), Dieter Hagedorn (Vorsitzender WLV-Kreisverband Lippe), Michael Uckelmann (WLV-Vizepräsident), Jan Heinecke (Vorstand AGRAVIS Raiffeisen AG), Matthias Lampenscherf (Vorstand WLV-Kreisverband Lippe)
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Vortrag und Podiumsdiskussion über die Zukunft der Landwirtschaft im Marpetal-Gasthof

Der Kreisverbandstag des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Lippe ist die größte regelmäßige Veranstaltung auf Kreisverbandsebene und findet jährlich statt. In diesem Jahr versammeln sich die lokalen Landwirte und Landwirtinnen sowie Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Medien am Freitag, dem 6. Februar im Gasthof Marpetal (Blomberg-Großenmarpe).

Jahresrückblick 2025

Der Kreisverbandsvorsitzende Dieter Hagedorn eröffnet die Veranstaltung mit einem kurzem Jahresrückblick auf 2025. Vor allem in Erinnerung geblieben ist dem Landwirt aus Lage, dass er eine der besten Ernten seines Lebens eingefahren hat. Leider spiegelte sich das ackerbaulich sehr gute Jahr nicht im geldlichen Erfolg wider, teilweise mussten die lippischen Landwirte unter ihren Erstellungskosten vermarkten. Auch das weltpolitische Geschehen beschäftigt den Kreisverbandsvorsitzenden. Zusätzlich zum schrecklichen Krieg in der Ukraine entstehen Unsicherheiten in den Reihen eigener Verbündeter, auch die NATO als Symbol für weltweite Sicherheit werde in Zweifel gezogen, so Hagedorn. Als Folge dessen müsse Europa lernen, selbstständig zu werden, die Zeiten des häuslichen Schutzes durch die USA seien endgültig vorbei.

Vortrag: „Agrarhandel im Wandel: Erfolgsstrategien für eine profitable Zukunft“

Bezogen auf die Landwirtschaft knüpft an dieser Stelle auch Jan Heinecke, Vorstand der AGRAVIS Raiffeisen AG mit seinem Vortrag „Agrarhandel im Wandel: Erfolgsstrategien für eine profitable Zukunft“ an. Dabei bleibt festzuhalten, dass gerade in Zeiten unsicherer Märkte die Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte einen ebenso hohen Stellenwert hat wie die eigentliche Produktion dieser. Mit einer Produktionskostenoptimierung ohne eine offensive Vermarktungsstrategie wird der betriebswirtschaftliche Erfolg ausbleiben. Hierzu benötigen die Landwirte und Landwirtinnen starke Partner, die bereit sind, neue Märkte sowie neue Produkte zu erschließen. Es bleibt spannend, wie sich die Genossenschaften in diesem Hinblick positionieren werden. Klar ist: Die Spannungsfelder Agrarmärkte, Energiemärkte (Diesel, Dünger, Pflanzenschutzmittel) aber auch politische Rahmenbedingungen werden das Handeln der Landwirtschaft bestimmen. Letztlich sind die Landwirte aber auch Rohstoffproduzenten, deren Produkte professionell vermarktet werden müssen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass gerade in wirtschaftlich schwierigen bis hoffnungslosen Phasen neue Vermarktungsinstrumente oft auf genossenschaftlicher Basis entstanden sind. Im Anschluss an den Vortrag von Jan Heinecke folgt eine Diskussion zum Thema, an der außerdem WLV-Vizepräsident Michael Uckelmann sowie der ehemalige EU-Abgeordnete und immer noch bestens vernetzte Elmar Brok teilnehmen. Darin kommt auch das MercosurAbkommen zur Sprache. Einigkeit besteht darin, dass dieses größte Freihandelsabkommen der EU-Geschichte notwendig ist und für die EU überlebenswichtig sein könnte. Die Frage nach der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft in den Bereichen Lohn, Energie und Umweltstandards verglichen mit den auflagenärmeren Mercosur-Staaten bleibt allerdings berechtigt. Der Kreisverbandsvorsitzende Dieter Hagedorn ist überzeugt: „Wenn die Landwirtschaft sich verändern soll, wird sie es tun. Vermutlich wird die zukünftige Landwirtschaft dann aber nicht mehr viel mit unseren aktuellen bäuerlichen Kleinstrukturen und unserer Kulturlandschaft zu tun haben. Um uns Landwirte und Landwirtinnen abzusichern benötigt es einen Schutzmechanismus. Meine Idee: Es werden bezahlte Umweltleistungen zum Beispiel zur CO2- Speicherung oder für die Förderung der Biodiversität eingeführt. Dabei darf jeder Betrieb maximal 20 Prozent seiner Fläche einbringen. Sollte dann der Weizenpreis unter ein bestimmtes Maß (zum Beispiel 18€ pro dt) fallen, müssten die Zahlungen für Umweltleistungen entsprechend steigen. Dadurch wäre ein Produktionsschutz für die Landwirtschaft geleistet sowie ein Anreiz zum gemeinschaftlichen Umweltschutz gegeben."