Artenschutz braucht Planungssicherheit

Fachgespräch mit hochrangigen NRW-Landesvertretern zum Projekt „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern“ in Stemwede. Beteiligte fordern langfristige Unterstützung.
Das Rebhuhn ist Vogel des Jahres 2026. Wie kann das Rebhuhn dauerhaft in unserer Kulturlandschaft erhalten werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Fachgesprächs auf dem Hof der Familie Schmedt in Stemwede-Dielingen. Hochrangige NRW-Landesvertreter von Landespolitik, Jagd, Naturschutz und Wissenschaft informierten sich am Mittwoch (22.7.2026) über die ersten Erfolge des länderübergreifenden Projekts „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern“. Alle Beteiligten waren sich im Gespräch einig: Damit die positiven Entwicklungen Bestand haben, braucht der Artenschutz langfristige Planungssicherheit und eine verlässliche Finanzierung.
Dr. Josef Tumbrinck, Abteilungsleiter des Naturschutz-Umweltministerium NRW, Nicole Heitzig, Präsidentin des Landesjagdverbandes NRW, Hubertus Beringmeier, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, Dr. Claudia Schmied, stellvertretende Fachbereichsleitung - Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildtiermanagement des Landesamtes für Verbraucherschutz und Ernährung NRW, Ali Doğan, Landrat des Kreises Minden-Lübbecke und Martina Vortherms, Leitung des Umweltamtes des Kreises Minden-Lübbecke, waren gekommen.
Zwei Projektjahre zeigen Wirkung: Rebhuhnbestände stabilisieren sich
Bei einer Besichtigung der angelegten Maßnahmen wie extensives Getreide, Heckengehölze, Blüh- und Brachflächen, konnten sich die Gäste ein Bild von den umgesetzten Aktivitäten machen. Im rund 11.000 Hektar großen Projektgebiet zwischen Niedersachsen, östlich des Dümmer Sees sowie Stemwede in Nordrhein-Westfalen, stabilisieren sich die Rebhuhnbestände nach den ersten beiden Projektjahren, sind die Verantwortlichen vorsichtig optimistisch.
„Das Projekt zeigt eindrucksvoll, dass kooperativer Naturschutz funktioniert“, sagte Landwirt Joachim Schmedt und Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke. Er ist seit Anfang an Förderer des Rebhuhns und Projektes. „Wenn Landwirtschaft, Jagd und Naturschutz gemeinsam handeln, können wir bedrohten Arten wie dem Rebhuhn wieder eine Zukunft geben.“ Doch: Jetzt müssten die politischen Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass dieses Engagement langfristig abgesichert wird.“
Schmedt machte deutlich, dass Naturschutz nur gemeinsam mit den Bauern und Bäuerinnen gelingen könne. Wo landwirtschaftliche Erzeugung und Naturschutz aufeinandertreffen, müssten beide Seiten berücksichtigt werden. Entscheidend seien eine gute Beratung, unbürokratische Programme und angemessener finanzieller Ausgleich für die Flächen, die wir zugunsten der Biodiversität bereitstellen. Dann seien viele Betriebe bereit, ihren Beitrag zu leisten, denn ansonsten hätten sie finanzielle Einbußen.
Blütenmeer aus einheimischen Wildpflanzen, Kräutern und Stauden
Bei der Feldbegehung nahm allen voran Dr. Josef Tumbrink, Abteilungsleiter Naturschutz beim Umweltministerium NRW, die bisherigen Ergebnisse in Augenschein. Es summt und brummt kräftig, als die Teilnehmer eine Blühfläche von Landwirt Schmedt betreten. Nach wenigen Schritten stehen sie in einem Blütenmeer aus einheimischen Wildpflanzen, Kräutern und Stauden, die bereits im Herbst 2024 inmitten der Ackerfläche ausgesät wurden. Hier erläuterte Sven Nadolny von der Stiftung Kulturlandschaft die Besonderheiten der Maßnahmen: „Nicht nur die Qualität der Blühmischungen entscheidet über den Erfolg, sondern vor allem der richtige Standort.“ Blühflächen müssten dort entstehen, wo sie dem Rebhuhn tatsächlich Schutz bieten. „Genau dabei unterstützen wir die Landwirte mit fachlicher Beratung“, so Nadolny, der das Projekt begleitet.
Fressfeinde wie Fuchs, Marder oder Waschbär können zu hohen Verlusten führen
„Doch selbst die besten Lebensräume helfen wenig, wenn Tiere, Gelege und Küken hohe Verluste erleiden durch Fressfeinde wie Fuchs, Marder oder Waschbär“, berichtet Dr. Marcel Holy von der Natur und Umweltschutzvereinigung Dümmer (NUVD). Sie könnten sogar zu Totalverlust führen. „Das können wir uns bei den selten gewordenen Arten, wie dem Rebhuhn schlichtweg nicht leisten“, betont Dr. Holy, der sich seit langem mit dem Thema auch für bedrohte Wiesenvogelarten auseinandersetzt. Deshalb gehörten Lebensraumverbesserungen und ein gezieltes Wildtiermanagement untrennbar zusammen.“ Darum ist ein wichtiger Baustein des Projektes die enge Zusammenarbeit mit den Jägern.
Die Jägerschaft und auch Christian Wiese aus Stemwede-Drohne, der als Landwirt und Jäger aktiv beim Projekt mitmacht, sehen hier ein gelungenes Beispiel eines vernetzten Artenschutzes. Durch das gemeinsame Engagement von Jägerinnen und Jägern, Landwirtschaft und Naturschutz würden Lebensräume entstehen, die nicht nur dem Rebhuhn, sondern zahlreichen weiteren Arten zugutekommen.
Naturschutz und Nutzung schließen sich nicht aus
Bauernpräsident Hubertus Beringmeier warb in Stemwede für eine langfristige Unterstützung der Höfe. „Nordrhein-Westfalen verfügt über gute kooperative Ansätze. Dies zeigt beispielsweise die Stiftung Westfälische Kulturlandschaft seit 2005, mit unzähligen gemeinnützigen Projekten.
Miteinander bringt viele Erfolge
Beringmeier hebt hervor: „Naturschutz und landwirtschaftliche Nutzung schließen sich nicht aus. Projekte wie dieses veranschaulichen, dass partnerschaftlich tragfähige Lösungen entstehen.“ Ein Miteinander bringe viele Erfolge. Beringmeier: „Genau dieses Miteinander brauchen wir“, das sei der Schlüssel. Naturschutz sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und gelinge nur, wenn alle Verantwortung übernehmen. Entscheidend sei nun, dass die Leistungen der Landwirtschaft für die Gesellschaft dauerhaft honoriert würden. „Gleichzeitig wollen wir künftig regionale Partnerschaften mit Firmen und Unternehmen stärken, um zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten für Umweltleistungen zu schaffen“, erläutert der Bauernpräsident.
Antonius Tillmann Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Bezirksverbandes OWL unterstreicht: Naturschutz und erhalt der Artenvielfalt seien (über)lebensnotwendig. „Hier sehen wir wie gut Zusammenarbeit möglich ist. Solche Leuchtturmprojekte helfen, das in die Gesellschafft zu tragen. Wir sind bereit unseren Anteil beizutragen.“
Länderübergreifendes Projektgebiet mit Vorbildcharakter
Kreisverbandsvorsitzender Schmedt hob die gute Zusammenarbeit der Projektpartner über die Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen hervor. Schmedt bedankt sich hier vor allem bei allen niedersächsischen Akteuren sowie Ali Doğan, Landrat des Kreises Minden-Lübbecke und Martina Vortherms, vom Umweltamt Mühlenkreises. „Dieses ist das bundesweit einzige länderübergreifende Projektgebiet und hat Vorbildcharakter“, bekräftigt Sven Nadolny. „Auf dem Fundament eines partnerschaftlichen Netzwerks aus Landwirtschaft, Jagd und Naturschutz zeigt das Projekt, wie Zusammenarbeit wirksamen Artenschutz ermöglicht.“
Zukunft für das Rebhuhn über das Jahr 2028 hinaus?
Die Teilnehmer des Fachgesprächs stimmten abschließend alle überein: Die ersten Erfolge machen Mut – nun müssen die politischen Entscheidungen folgen, damit das Rebhuhn über den Projektzeitraum 2028 hinaus eine Zukunft in der heimischen Kulturlandschaft hat.



