Freisprechungsfeier

Glanzvolle Freisprechung der jungen Landwirtinnen und Landwirte als Startsignal in die Zukunft: Mit guter Ausbildung der KI-Ära begegnen
Im festlich dekorierten Bürgerhaus Espelkamp sind am Freitag (27. Februar 2026) die Absolventinnen und Absolventen der Berufsschule Herford sowie der Fachschule für Agrarwirtschaft Herford feierlich freigesprochen worden. Unter dem Motto „Der Landwirtschaft gehört die Zukunft – unser Nachwuchs ist bereit!“ würdigte die „Landwirtschaft im Mühlenkreis“ – ein Bündnis von Landwirtschaftskammer, Kreislandfrauenverband und Landwirtschaftlichem Kreisverband Minden-Lübbecke – die Leistungen des Berufsnachwuchses. Bei der After-Show-Party nach Sektempfang, Essen und den Ehrungen feierten alle bis spät in den Abend.
Volker Schmale: KI - Künstliche Intelligenz - geht nur mit KM - Können und Machen
In der Begrüßung hob Kreislandwirt Volker Schmal die Bedeutung der Freisprechung für den Berufsstart hervor: „Sie ist mehr als ein formaler Akt – sie ist ein wichtiger Schritt ins Berufsleben“, sagte er. Die Freisprechung sei ein Zeichen der Wertschätzung für die geleistete Arbeit in den Ausbildungsbetrieben und Berufsschulen. Er erinnerte an den Hintergrund: Mit der Freisprechungsfeier würden die Prüflinge von den Pflichten als Auszubildende entbunden. „Und nur mit dieser guten Ausbildung könnt ihr der rasanten Entwicklung, durch KI - Künstliche Intelligenz - hervorgerufen, sicher begegnen – für euch selbst und für euren Berufsstand“, spricht der Kreislandwirt zu den jungen Menschen. Denn KI gehe nur mit ‚KM‘ – Können und Machen. „Genau dieses Rüstzeug habt ihr in eurer Ausbildung gelernt und erarbeitet“. Er betont: „Bewahrt und vertieft dieses, um so die Zukunft für euch, den eigenen Betrieb und die Landwirtschaft aktiv mitzugestalten.“ Schmale erläutert weiter: Die Freisprechungsfeier knüpfe an das frühere Lehrfamilienfest an und habe sich als zentraler Treffpunkt für Ausbildungsbetriebe, Familien und alle mit der Landwirtschaft Verbundenen etabliert.
Frauen in der Landwirtschaft im Fokus
Die Kreislandfrauenvorsitzende Iris Niermeyer hat in ihrem Grußwort das von den Vereinten Nationen ausgerufene „International Year of the Women Farmer“ 2026 - das Jahr der Frauen in der Landwirtschaft, aufgegriffen. „Frauen tragen auf den Höfen und entlang der gesamten Wertschöpfungskette eine unverzichtbare Verantwortung“, so Niermeyer. „Sie sichern Familienbetriebe, organisieren Vermarktung, prägen den ländlichen Raum – doch ein Großteil dieser Arbeit bleibt unsichtbar.“ Frauen seien in Führungspositionen weiter unterrepräsentiert: Obwohl Frauen mehr als ein Drittel der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft stellen, werden in Deutschland nur rund 11 Prozent der Betriebe von Frauen geführt. „Es fehlt nicht an Kompetenz und nicht an Engagement – es fehlt an Strukturen, die den Frauen gerecht werden“, unterstreicht die Vorsitzende. Als positives Beispiel nannte sie das „Bündnis Landwirtschaft im Mühlenkreis“. Sie fordert aber zu mehr weibliche Beteiligung in den Gremien auf: „Auf unseren Höfen klappt das Miteinander meist gut, in den Entscheidungsgremien sehe ich noch viel Luft nach oben“, so die Landfrauenvorsitzende. Gerade die jüngere Generation möchte sie ermutigen: „Mischt euch ein. In Gremien, in denen entschieden wird, brauchen wir die Sichtweisen von Männern und Frauen gleichermaßen.“
Schmedt appelliert an Berufsnachwuchs: „Engagiert Euch im Ehrenamt.“
„Ihr seid unser Gesicht unserer Zukunft“, erklärt der Kreisverbandsvorsitzende Schmedt in seinem Grußwort in Richtung Berufsnachwuchs. Neben den Junglandwirtinnen und -landwirten sprach er ihre Familien, Ausbilder und Prüfer an. Er zeigte sich zudem beeindruckt von der großen Resonanz: „Über 230 Gäste füllen den Saal, weitere kommen zur Party später dazu.“ Die inzwischen dritte Veranstaltung dieser Art in weniger als drei Jahren werde komplett ehrenamtlich und mit großem Einsatz organisiert. Besonderen Dank richtete er hier an den Kreislandwirt Volker Schmale. Ohne dessen Engagement wäre die Wiederbelebung des früheren Lehrfamilienfestes als heutige Freisprechungsfeier nicht möglich gewesen. Zugleich fordert Schmedt die jungen Leuten auf, sich für ihren Berufsstand zu engagieren – ob im Dorf, in der Gemeinde, im Kreis oder darüber hinaus: Ehrenamt lebe von persönlichem Einsatz und direkter Begegnung und sei für die Landwirtschaft und die Interessenvertretung gegenüber der Politik unverzichtbar. Und ein Ehrenamt sei bereichernd und erfüllend.
Weitere Grußworte am Abend hielten der Kreisgeschäftsführer der Landwirtschaftskammer Dr. Bernhard Rump und der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Espelkamp Jens Heiderich.
Ehrungen in den Ausbildungsberufen Landwirt / Landwirtin und Fachkraft Agrarservice
Insgesamt 15 Absolventen der Berufsschule Herford 2025 sind als Landwirt / Landwirtin geehrt worden: Lasse Angelbeck, Stemwede, Tjorven Arning, Lübbecke, Henrik Gießmann, Dortmund, Carlo Graf von Beust, Theres, Arno Meyer zu Helligen, Bad Salzuflen, Tjark Nagel, Stemwede, Dorothee Oetker, Wiedensahl, Thomas Pape, Porta Westfalica, Patrick Rothe, Minden, Silas Schekelmann, Hille, Jan Schomburg, Ottenstein, Lukas Stickan, Rahden, Henrik Uhlemeyer, Hille, Hannes Schütte, Minden-Päpinghausen und Mats Melcher, Stemwede-Oppenwehe. Im Rahmen der Freisprechung sind den Landwirten und Landwirtinnen ehrenvoll ihre Urkunden von Kreislandwirt Schmale und von Thomas Hoenicke, Ausbildungsberater für die Berufe Landwirt/in und Fachkraft Agrarservice für die Kreise und kreisfreie Stadt Bielefeld, Gütersloh, Herford, Minden-Lübbecke überreicht worden. Weiter sind am Abend feierlich die Fachkräfte Agrar 2025 ausgezeichnet worden: Michael Beck, Kirchlengern, Finn-Luca Bult, Warmsen, Jan-Philip Sander, Löhne und Maximilian Schäffer, Petershagen.
Ehrungen der Absolventen der Fachschule für Agrarwirtschaft
Zudem sind den neun Absolventinnen und Absolventen der Fachschule für Agrarwirtschaft Herford 2025, ihre Urkunden feierlich übergeben worden: Arndt Angelbeck, Stemwede, Jannis Hehmann, Stemwede, Jann Kopmann, Rahden, Daniel Kottenbrink, Rahden, Philipp Niederstucke, Hille, Jan Wilhelm Niemeyer, Pr. Oldendorf, Lukas Piep, Espelkamp, Noah Rümke, Stemwede und Daniela Schnier, Stemwede. Auch Landrat Ali Doğan hat allen jungen Leuten persönlich während der Überreichung ihrer Urkunden gratuliert.
„Die guten Ergebnisse der Absolventen wären ohne das Zusammenspiel von engagierten Ausbildungsbetrieben, qualifizierten Lehrkräften und motivierten Prüferinnen und Prüfern nicht möglich gewesen“, so Kreislandwirt Schmale. Deshalb sind an diesem Abend auch die Prüfer gewürdigt worden: Ernst Flömer, Espelkamp, der schon seit über 24 Jahre Auszubildende prüft, ebenso wie Dirk Nürge, Petershagen und Volkmar Scharf, Petershagen, ebenfalls über 24 Jahre. Dietmar Knost, Espelkamp, macht es wie Thomas Kreienkamp, Stemwede seit über 23 Jahre und Heinrich Nunnenkamp, Preußisch Oldendorf seit über 20 Jahre.
Nach den Schlussworten von Landrat Ali Doğan wurde dann ordentlich gefeiert. Das Bürgerhaus bot mit festlicher Dekoration - erneut meisterlich von den Landfrauen gestaltet - einen glanzvollen Rahmen für die gemeinsame Festveranstaltung der Landwirtschaft im Mühlenkreis. Für die gute Stimmung sorgte Kevin Guennoc aus Stemwede-Levern.
Was bedeutet Freisprechungsfeier?
In seiner Ansprache erklärt Kreislandwirt Volker Schmale den Begriff „Freisprechungsfeier“: Die Prüflinge werden freigesprochen – frei von den Pflichten als Auszubildende. Dies hätten sich nicht die einzelnen Betriebe oder die Landwirtschaftskammer NRW ausgedacht, sondern stehe im Berufsbildungsgesetz und sei folglich mit jedem Ausbildungsvertrag klar geregelt. Schmale: „Die Berichtsheftführung fällt darunter, nicht immer besonders beliebt, aber ein wichtiges Instrument zur Reflektion und Dokumentation des Ausbildungsverlaufs.“ Rechte hätten die Auszubildenden natürlich auch, aber die mögen sich weniger gewichtig angefühlt haben als die Pflichten, sagt Schmale augenzwinkernd.