KV-AKTUELL | 18. Februar 2026

Kreisverbandstag 2026

Volles Haus beim Kreisverbandstag der Landwirte mit Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer

Vorsitzender Schmedt fand deutliche Worte: „Wir benötigen verlässliche Leitplanken seitens der Politik und nicht immer noch mehr Auflagen und bürokratische Hemmnisse.“

Voller Bürgersaal, rege Diskussion, klare Worte: Als prominenter Gast des Kreisverbandstages fand sich am 5.02.2026 im Bürgerhaus Espelkamp der Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer ein. Er sprach vor mehr als 400 Landwirten und Landwirtinnen.

Zunächst führte der Vorsitzender des Kreisverbandes Minden-Lübbecke Joachim Schmedt am Abend mit einer Eröffnungsrede ein. Hier gab er dem Minister einen Überblick über die große Bandbreite des Kreises. „Der Mühlenkreis, kann unterschiedlicher kaum sein.“ Es gebe Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe mit Grünland, Acker oder Wald, dazu mit vielfältiger Nutztierhaltung, mit Biogas und weitere erneuerbare Energien.“ Es gebe Betriebe mit Hofläden und Direktvermarktung, ökologisch wirtschaftende Betriebe, Familien oder familiengeführte Höfe. Sie alle eint – sie pflegen und bewirtschaften unsere Kulturlandschaft.

Der Vorsitzende richtet weiter wichtige Forderungen an den Bundeslandwirtschaftsminister: „Wir alle benötigen verlässliche Leitplanken seitens der Politik und nicht immer noch mehr Auflagen und bürokratische Hemmnisse.“ Die Betriebe benötigen Unterstützung und vor allem Vertrauen, dass sie nicht im Sumpf der Bürokratie versinken. Mit Vertrauen könne man Bürokratie abschaffen, hebt Schmedt hervor.

Schmedt: „Gute und schlechte Preise müssen und können wir aushalten, aber nicht Perspektivlosigkeit.“

Schmedt sparte nicht mit Kritik wie an die überbordenden Auflagen. So gebe es jetzt wieder eine neue Idee. Die Landwirte müssten zukünftig einen Lehrgang absolvieren, damit sie Schadnager ordnungsgemäß bekämpften. Weiter kämen neue Pflichten bei QS (Qualität und Sicherheit) und ITW (Initiative Tierwohl) hinzu und demnächst das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz (THK). Das sei längst nicht alles, da dem Lebensmitteleinzelhandel (LEH) immer wieder zusätzliche Dokumentationen in den Haltungsstufen oder eigenen Programmen einfielen.

„Gute und schlechte Preise müssen und können wir aushalten, aber nicht Perspektivlosigkeit“, untermauert Schmedt. Denn das große Problem sei, dass man nicht wisse, wohin die Reise gehe. Viele Fragen ständen im Raum: Was wird aus der GAP - der Gemeinsamen Agrarpolitik Europäischen Union, dem Mercosur-Abkommen und ist die Landwirtschaft bei uns wirklich systemrelevant?

Schmedt verdeutlicht: „Unsere Betriebe gehören geschützt und die eingeführten Produkte müssen unserem Standard entsprechen oder sie bleiben weg, das beginnt mit lange bei uns verbotenen Pflanzenschutzmitteln und endet bei eingesetzten Medikamenten in der Tierhaltung.“ Darüber hinaus ist der Vorsitzende aber auch froh, dass endlich erste Schritte auf dem langen Weg des Bürokratieabbaus gemacht seien wie mit der Abschaffung der Stoffstrombilanz. Aber zugleich stellte er die Frage: „Was wird aus den „Roten Gebieten“? Der Berufsstand habe der Regierung ein ganzes Paket an Vorschlägen zum Bürokratieabbau übergeben. Schmedt appelliert hier an den Minister: „Vertrauen und Verlässlichkeit sind die Worte, die mit Inhalt für Jahrzehnte gefüllt werden müssen, für unsere Arbeitsplätze, für unser Eigentum, auch für unsere Heimat, damit sie zukunftsfähig bleibt.“ Vor allem der Berufsnachwuchs brauche genau das, sie alle wollen machen und entwickeln, aber nicht gegängelt werden.

Kreisgeschäftsführer Philip Steuwer fand an dem Abend ebenso klare Worte. Er stellte des Weiteren einen großen Strauß seiner vielfälligen Themen und Arbeitsbereiche vor, mit denen er sich in seiner täglichen Arbeit beschäftige. Einen großen Teil nahmen bei ihm im letzten Infrastrukturprojekte ein. Neben der Energieversorgung berührten beispielsweise die Mobilität die berechtigten Belange der Grundstückseigentümer ganz erheblich: Der Deutschlandtakt der Deutschen Bahn und eine geplante Beschleunigung auf der ICE-Bahnstrecke Hannover-Bielefeld von „nur“ etwa sieben Minuten (!) würden landwirtschaftliche Flächen und Landschaften in Bad Oeynhausen sowie Porta Westfalica durchschneiden. Neben einem Flächenverlust für ein solches Bauvorhaben kämen dann auch noch die entsprechenden Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen hinzu. In Richtung Politik appellierte Steuwer: „Ein solches Vorhaben muss auf den Prüfstand gestellt werden. In Übereinstimmung mit dem WLV-Bezirksverband OWL fordern wir eine Neuberechnung des Deutschlandtaktes!“

Aber auch folgende Themen führte der Kreisgeschäftsführer in kompetenter Weise aus: den Rhein-Main-Link der Vorhabenträgerin Amprion mit einer gelungenen „Über-Rahmenregelung“ mit Amprion; die Ertüchtigung vorhandener Hochspannungs-Oberleitungen wie durch Umbeseilung der sogenannten Elbe-Lippe-Leitung Süd der Vorhabenträgerin TenneT oder der Ferntransport und die Verteilung von Gas, nicht zuletzt aus LNG-Terminals an der Küste: So betreibt die Open Grid Europe GmbH – OGE –in Stemwede-Drohne mit ihrer Verteilerstation einen Knotenpunkt im bundesweiten Gasnetz.

Steuwer: „Ohne Landwirte kann eine erfolgreiche Energiewende nicht gelingen.“

Alle diese Infrastrukturprojekte zeigten, dass eine erfolgreiche Energiewende ohne die Landwirtinnen und Landwirte nicht gelingen könne! „Neben der Lebensmittelerzeugung leisten die Landwirte auch hier einen enormen Dienst an unserer Gesellschaft und tragen enorme Lasten“, unterstreicht der Geschäftsführer, sei es durch die Belastung und Inanspruchnahme ihrer Flächen, aber auch beispielsweise durch die Belastung der Wirtschaftswege.

Der Geschäftsführer gab einen Überblick über die Mitgliederzahlen. Dem Kreisverband gehören 3336 Mitglieder an. Dies seien 2,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Somit setze sich die Entwicklung weiter fort. Er nannte mehrere Gründe für die Abnahme: die Demografie, die Wirtschaftslage sowie gestiegene Lebenshaltungskosten. Um sich für die Herausforderungen der Zukunft gut aufzustellen, habe der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) außerdem im letzten Jahr die Zukunfts-AG WLV 2035" gegründet.

Beide, Vorsitzender Schmedt und Geschäftsführer Steuwer, dankten abschließend dem Team der WLV-Geschäftsstelle in Lübbecke, die täglich den Landwirten im Mühlenkreis mit Rat und Tat zur Seite stünden.

 

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Rede Joachim Schmedt
18.02.2026
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Geschäftsbericht Philip Steuwer
18.02.2026
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