Kuh und Kalb zum Anfassen und ein Blick auf die Branche

Kindergartenkinder auf Milchentdecker-Tour bei Familie Nunnenkamp / Schmedt: „Milch braucht angemessenen Preis.“
Der Milch auf der Spur: Bei Kuh und Kalb gab es Landwirtschaft zum Anfassen – verbunden mit einem Blick auf die Lage der heimischen Milchkuhhalter. Anlässlich des Weltmilchtages erkundeten 40 Kinder des Kindergartens „Baum des Lebens“ aus Preußisch Oldendorf, am Donnerstag (28.5.2026) den Hof der Familie Nunnenkamp mit Heinrich und Christiane und den Söhnen Dr. Dietrich und Christoph
Große Augen, lange Zungen
Kuh und Kalb waren die Hauptdarsteller bei der Besichtigung auf dem Hof Nunnenkamp in Pr. Oldendorf Schröttinghausen. Die Kinder konnten die Tiere aus nächster Nähe erleben, sehen, was die Kühe fressen und wie eine Kuh mit einem Melkroboter gemolken wird.
Stars für die Kinder waren die Kälber. Vorsichtig nähern sie sich einander – nur mal kurz beschnuppern. Schnell über die Nase streicheln, und da ist sie, die Zunge des Kälbchens - an den Fingern von Dietrich Nunnenkamp und saugt munter drauf los. Erstaunt und vor allem freudig überrascht sehen die Kinder, wie das Kälbchen an den Fingern des jungen Landwirts nuckelt. Die Kinder streicheln denn auch die Kälber und einige Mutige tun es dem Landwirt nach und lassen ein Kälbchen an ihren Fingern nuckeln. Die kleinen Besucher sind ebenso von der Länge einer Kuhzunge beeindruckt. Die kleinen Gäste sehen diese, als eine Kuh über ihr Maul und ihre Nase leckt. Dass man das unbedingt mal ausprobieren muss, darüber sind sich alle einig. Und so stehen die Kinder vor den neugierig schauenden Kühen und versuchen sich die Nase abzuschlecken.
Lernen mit allen Sinnen
Der Hofbesuch fand anlässlich des Internationalen Tags der Milch statt, der am 1. Juni begangen wird. „Unser Anliegen ist es, die heimische Landwirtschaft vor Ort erlebbar zu machen und Einblicke zu geben, wie Kuh und Kalb leben“, erläutert der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke Joachim Schmedt. Das „Gerade heute haben viele Kinder kaum noch einen Bezug zur Landwirtschaft.“ Umso wichtiger sei es, ihnen zu zeigen, wo die Milch herkommt und wie Kuh und Kalb leben.
Wie steht es um die heimischen Milchkuhhalter?
Beim anschließenden Pressegespräch stand die Lage der Milchkuhhalter im Mühlenkreis im Mittelpunkt. „Wir hoffen, dass bei den Milchpreisen die Talsohle durchschritten ist“, so Kreisverbandsvorsitzender Schmedt. Die Milchkuhhalter konnten nach langen Durststrecken rund zwei Jahre mit guten Milchpreisen verzeichnen. Diese seien auch dringend erforderlich gewesen, um die Löcher zu stopfen und beispielsweise gestiegene Kosten, aufzufangen. Dann habe sich aber ab Mitte letzten Jahres die Lage wieder verschlechtert. Schmedt macht deutlich, dass die Bauernfamilien einen angemessenen Milchpreis bräuchten, um die hohen Kosten für Energie, Betriebsmittel und Personal und die hohe Arbeitsbelastung überhaupt stemmen zu können.
Zusätzlich verschärfe die große Marktmacht des Handels die Lage. Hier warnen Schmedt und Nunnenkamp: „Wenn der LEH weiter auf desaströses Preisdumping setzt, droht die regionale Milcherzeugung noch weiter zurückzugehen.“ Schmedt: Die hiesige Erzeugung sei schon heute rückläufig und sinke langfristig. Ein Sondergutachten der Monopolkommission zur Lebensmittellieferkette hatte jüngst bestätigt, dass die hohe Konzentration der Marktmacht des LEH mit „nur“ vier großen Handelsunternehmen einen dominanten Einfluss auf Preise, Vertragsbedingungen und Marktstrukturen ausübe.
Warum sind Kühe so wertvoll?
„Rinder und Kühe spielen eine Schlüsselrolle im Nährstoffkreislauf“, so der Kreisverbandsvorsitzende Joachim Schmedt. Kühe geben nicht nur Milch, sie sind wahre Multitalente. „Als Wiederkäuer können sie die Nährstoffe im Gras aufschließen, die für uns Menschen unverdaulich sind. Sie können diese in Milch umwandeln und somit für uns nutzbar machen“, erläutert Landwirt Dr. Dietrich Nunnenkamp.
Wiesen und Weiden äußerst effektive CO₂-Speicher
Weiter werde der Aspekt, Kühe und Rinder als Landschaftspflegerinnen, oft unterschätzt, so Schmedt. Wiesen und Weiden werden durch sie erhalten und gepflegt, denn sonst würden sie verbuschen und verwildern. Zudem: Wiesen und Weiden sind äußerst effektive CO₂-Speicher und damit wertvoll für den Naturhaushalt.



