KV-AKTUELL | 14. Januar 2026

Rebhuhn: Vogel des Jahres 2026

Was tun die Landwirte zum Schutz des Rebhuhns? In einem Pressegespräch stellen (von links) Andreas Westermeyer, Dr. Marcell Holy, Christian Wiese, Sven Nadolny, Joachim Schmedt und Antonius Tillmann das Projekt „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“ sowie erste Ergebnisse vor.

Was tun die Landwirte zum Schutz des Rebhuhns? In NRW einmaliges Projekt „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“

Dem Rebhuhn kommt aktuell viel Aufmerksamkeit zu. Nicht nur das bundesweite Schutzprojekt, sondern auch die Wahl zum Vogel des Jahres 2026 rücken den ansonsten eher unscheinbaren Vogel in den Fokus der Öffentlichkeit. Und dabei hat das Feldhuhn, wie es auch genannt wird, diese Aufmerksamkeit dringend nötig. Denn: Es ist von einer der häufigsten Vogelarten Deutschlands zu einem echten Sorgenkind geworden. Mittlerweile ist es die Art mit dem stärksten Bestandsrückgang. „In Stemwede gibt es noch ein erfreuliches Restvorkommen, dem in einem beispielhaften Gemeinschaftsprojekt geholfen wird“, erklärt Antonius Tillmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Bezirksverbandes Ostwestfalen-Lippe (OWL). In einem Pressegespräch auf dem Hof von Christian Wiese zeigen die heimischen Landwirte am Dienstag (13.1.2026) auf, was sie zum Schutz des Rebhuhns tun.

Projektgebiet in Stemwede eine Besonderheit

Mit dem Projekt „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“ starteten die hiesigen Landwirte im Frühjahr 2023. „Es hat sich bisher gut entwickelt“, berichtet Joachim Schmedt, Landwirt, Teilnehmer des Rebhuhnprojektes sowie Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden- Lübbecke. Er schildert, dass das Projekt in insgesamt zehn Gebieten in ganz Deutschland umgesetzt würde. „Doch unser ist für NRW und auch deutschlandweit einzigartig.“ Warum? Das Projektgebiet in Stemwede sei das einzige in NRW und das einzige bundesländer-übergreifende Projekt, „Niedersachsen und NRW gehen hier gemeinsam voran“, erläutert Joachim Schmedt. So setzt sich in Niedersachsen das Gebiet „Dümmerregion“ nach Norden in den Landkreis Diepholz fort.

Vertragsnaturschutz: faire Bezahlung für Naturschutz auf dem Acker

Im Landkreis Diepholz wird der Großteil der Maßnahmen aktuell über eine Förderung der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung ermöglicht. In Stemwede hingegen ist der Vertragsnaturschutz über den Landkreis die tragende Säule für die Maßnahmenfinanzierung. Der Vertragsnaturschutz sieht hier bei Naturschutzmaßnahmen einen finanziellen Ausgleich vor – da auf den Flächen sonst im Normalfall Lebensmittel und Futtermittel erzeugt werden.

Sven Nadolny von der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft übernimmt zusammen mit seinem Kollegen Hendrik Specht die Planung und Beratung von Maßnahmen und ist froh über die gute Zusammenarbeit: „Die Kooperationsbereitschaft der Stemweder Landwirte ist sehr groß und der Kreis Minden-Lübbecke ermöglicht uns durch seine Unterstützung im Rahmen des Vertragsnaturschutzprogramms die Umsetzung der Maßnahmen“, so Sven Nadolny, Projektbetreuer in der OWL-Geschäftsstelle in Herford. „Denn die Landwirte brauchen eine faire Vergütung, wenn sie Ackerflächen für Naturschutzmaßnahmen zur Verfügung stellen und diese können wir mit dem Vertragsnaturschutz auch bieten.“

Landwirte möchten Lebensraum fürs Rebhuhn noch erhöhen

In der Summe wurden bisher auf insgesamt 60 Hektar landwirtschaftlicher Flächen im Stemweder Projektgebiet rebhuhnfreundliche Maßnahmen umgesetzt, dies sind vorwiegend mehrjährige Blühflächen, Brachen und Wildäcker.

Nadolny: „Wir möchten den Anteil noch ausbauen.“ Weitere Landwirte hätten sich bereits gemeldet. „Wenn wir Finanzierungsmöglichkeiten finden“, so der Experte. Nadolny ist überzeugt, man könne die Maßnahmenfläche verdoppeln. „Wir sind bei derzeit sechs Prozent, so der Experte. Ziel beim Rebhuhnprojekt ist es, rund sieben Prozent des Landschaftsraumes rebhuhnfreunlich zu gestalten.

Mehr Rebhühner in Stemwede

Die bisherigen Zahlen aus dem Monitoring stimmen vorsichtig optimistisch. Nadolny: „Im Stemweder Bereich wurden im Jahr 2025 insgesamt 49 Rebhähne erfasst. Zum Vergleich 34 im Jahr 2022.“ Er betont, dass das Projekt erst seit drei Jahren laufe. Man müsse es langfristig sehen, denn viele Faktoren spielten hier eine Rolle wie Witterung, Räuber am Boden und aus der Luft, freilaufende Hunde oder Katzen. „Doch die Zahlen zeigen erste Trends“, so hofft der Fachmann positiv.

Großer Ehrgeiz der Landwirte ganze Artengemeinschaft zu helfen vom Käfer bis Feldlerche

Das Projekt „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“ wird seit 2023 noch bis 2029 im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt gefördert. Der Ehrgeiz der Projektpartner vor Ort ist groß, das Rebhuhn bis dahin aus seinem Bestandstief herauszuholen. Mehr noch: Sie möchten einer ganzen Artengemeinschaft vom Käfer über die Feldlerche bis hin zu den Fledermäusen helfen. „Die mehrjährigen Blühflächen mit unzähligen Schmetterlingen, die sich nun über Stemwede verteilen, helfen nicht nur den Rebhühnern sondern vielen Offenlandarten wie Kiebitz, Wachtel, Goldammer, Grauammer, Neuntöter oder Rotmilan und letztlich uns allen, auch indem sie das Herz der Bürger und Bürgerinnen erfreuen“, beschreibt Sven Nadolny.

Im Winter wichtig: Deckung, Rückzugsraum und Nahrung für das Rebhuhn

Rebhühnern verbringen das ganze Jahr bei uns. Auch im Winter leben sie in der Feldflur mit für sie zum Teil lebensfeindlichen Witterungsphasen wie Schnee und Kälte. „Geraden in solchen Phasen ist ein Schutz vor der Witterung und von Fressfeinden nötig“, erklärt Landwirt Christian Wiese. Hier bieten nun die angelegten mehrjährigen Blühflächen und Brachen den Rebhühnern Versteckmöglichkeiten und Nahrung in Form von Sämereien, Körnern und Pflanzenteilen. „Und bei größeren Schneelagen geben dichte Strauchhecken ohne Bäume einen wertvollen Schutz“, führt Nadolny aus.

10. Februar startet Frühjahrszählung der Rebhühner

Ab dem 10. Februar wird es wieder spannend. Dann beginnt die Frühjahrszählung der Rebhühner. Diese wird zeigen, wie sich die umgesetzten Maßnahmen entwickelt haben. „Die Sichtungen großer Ketten, sogenannter Familienverbände, im Sommer und Herbst lassen erwarten, dass sich die Rebhühner erfolgreich vermehrt haben“, freut sich Landwirt Christian Wiese.

Wer sich an der Erfassung beteiligen möchte, kann für den Stemweder Teil die Stiftung Westfälische Kulturlandschaft kontaktieren. Für das Teilgebiet auf Diepholzer Seite ist die Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer e.V. Ansprechpartner.

„Die Erfassung ist leicht durchzuführen. Man braucht keine vogelkundlichen Vorkenntnisse“, unterstreicht Dr. Holy, Leiter für die Umsetzung des Projektes der Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer (NUVD).

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Dr. Marcel Holy zeigt eine Klangattrappe im Einsatz. Eine Klangattrappe ist ein Lautsprecher, über den der Ruf vom Rebhahn abgespielt wird. Um den Bestand von Rebhühnern zu zählen, wird abends oder früh morgens an passenden Stellen der Rebhuhnruf, der Lockruf des Hahns, abgespielt. Die Rebhähne im Revier antworten darauf. An den Antwort-Rufen können die Zähler erkennen, wo und wie viele Hähne sitzen.
WLV Bild
Die Landwirte Joachim Schmedt und Christian Wiese engagieren beim Projekt „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“. Ihnen ist das Wohlergehen des Rebhuhns wichtig. Auf dem Foto zu sehen zwei Rebhuhnattrappen, aus Filz gefertigt.