Hohe Diesel- und Düngerkosten | 14. April 2026

Hohe Diesel- und Düngerkosten setzen Landwirte unter Druck

Mit den Biogasanlagen haben wir regionale Energieerzeuger für Strom, Gas und Wärme, die zur Energiesicherheit beitragen können. Leider lässt die Politik die Biogasanlagen fallen. Vorsitzender Dedert kritisiert: „Deutschland verzichtet hier auf regionale, vor Ort kontrollierbare, nachhaltige Energieerzeugung und setzt lieber auf Gaskraftwerke und LNG (Liquefied Natural Gas – Flüssigerdgas) aus anderen Ländern, das vielleicht sogar mit Fracking gewonnen worden ist.“
Bild herunterladen

Vorsitzender Hermann Dedert kritisiert Politik und Lebensmitteleinzelhandel.

Vorsitzender Hermann Dedert kritisiert Politik und Lebensmitteleinzelhandel, er fordert Aussetzen der CO2-Steuer auf Kraftstoffe und Düngemittel, Senkung der Mehrwertsteuer sowie faire Rahmenbedingungen für die heimischen Betriebe.

Herford-Bielefeld / WLV (Re) Mit großer Sorge blicken die heimischen Landwirte auf die Entwicklungen im Iran und im Libanon. Das Leid der Menschen in den Kriegsgebieten mache die Bauernfamilien in der Region betroffen, erklärt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford-Bielefeld Hermann Dedert. Gleichzeitig zeige sich erneut, wie stark sich internationale Krisen unmittelbar auf Deutschland und die hiesige Landwirtschaft auswirken würden. Dedert: „Wir müssen feststellen, wie abhängig die ganze Welt von den Entscheidungen einzelner Menschen ist.“ Und wie schon zu Beginn des Ukrainekrieges habe auch der Irankrieg zu einem sofortigen Anstieg der Energiepreise auf der Welt geführt. „Doch besonders in Deutschland hätten sich die Preise für Benzin und Diesel stark erhöht, bis heute um ca. 50%. Der Vorsitzende begrüßt zwar die aktuelle Entscheidung der Koalition, die Energiesteuer zeitweise auf Diesel und Benzin zu senken. Doch das reiche nicht. Dedert fordert das Aussetzen der CO2-Steuer auf Düngemittel und Kraftstoffe sowie die Senkung der Mehrwertsteuer.

Der Iran-Krieg dauert inzwischen sechs Wochen an, die Lage an der Straße von Hormus bleibt weiter unsicher

Die Folgen sind auch auf den Höfen deutlich spürbar: Vor allem die stark gestiegenen Preise für Diesel und Mineraldünger belasten die landwirtschaftlichen Betriebe massiv. „Gerade jetzt im Frühjahr trifft uns das besonders hart“, sagt Dedert. „Auf unseren Betrieben laufen viele Arbeiten wie Bodenbearbeitung, Einsaaten und Pflegearbeiten auf den Äckern und Wiesen. Diese Arbeiten können wir nicht verschieben – Trecker und Maschinen müssen laufen.“ Die hohen Dieselpreise führten deshalb mitten in der Frühjahrszeit zu erheblichen Mehrkosten.

Nicht nur der Dieselpreis macht den Landwirten zu schaffen

„Die Preise für mineralischen Dünger sind zum Teil um bis zu 80% gestiegen“, schildert Dedert. „Dabei brauchen unsere Pflanzen jetzt Nährstoffe für Wachstum und Ertrag – ob Getreide, Raps, Zuckerrüben, Mais oder Grünland – um die Erntemengen und Qualitäten unserer Erzeugnisse zu sichern.“ Er erklärt: Gerade weil durch die abnehmende Tierhaltung in Deutschland weniger organischer Dünger zur Verfügung ständen, bleibe Mineraldünger für viele Betriebe unverzichtbar.

Hohe Kosten – niedrige Erzeugerpreise

Besonders problematisch ist, dass die Kosten steigen, während die Erzeugerpreise niedrig bleiben. „Unsere Betriebe stehen unter erheblichem Kostendruck“, bringt es der Vorsitzende auf den Punkt. „Die Preise für Dünger und Kraftstoff sind historisch hoch, gleichzeitig bekommen wir für viele Produkte zu wenig.“ So habe sich der Weizenpreis seit Monaten nicht verändert und liege mit ca. 18,00 €/dt so niedrig wie seit Jahren nicht. Dieses gilt auch für viele andere pflanzliche Erzeugnisse wie Zuckerrüben, Raps und Kartoffeln.

Dedert kritisiert: „Wenn jetzt über steigende Lebensmittelpreise gesprochen wird, kommt davon bei uns Landwirten nichts an.“

Fatal sei, so Dedert, „dass die Preise für unsere Produkte nicht steigen.“ Und woran liegt das? Die Landwirtschaft macht ihre Preise nicht selbst, sondern ist auf Preisermittlungen der verarbeitenden Industrien angewiesen, die wiederum von Lebensmitteleinzelhandel abhängig sind. „Somit bestimmen die vier großen Lebensmittelkonzerne Edeka, Lidl, Aldi und Rewe, mit einem Marktanteil von 87 % die Preise“, berichtet Dedert. Und somit sei klar: „Wenn jetzt im Zuge des Irankrieges von der Gefahr der steigenden Lebensmittelpreise gesprochen wird, dann kommt davon bei uns heimischen Landwirten nichts an.“

Forderungen an Politik und Lebensmitteleinzelhandel

Dies führe bei den Betrieben zwangsläufig zu wirtschaftlichen Problemen. „Deshalb muss es jetzt darum gehen, die regionale Erzeugung in Deutschland mit qualitativ hochwertigen Erzeugnissen zu sichern“, verdeutlicht Dedert. Er begrüßt die aktuelle Entscheidung der Koalition, die Energiesteuer zeitweise auf Diesel und Benzin zu senken. „Doch es bedarf weiterer kurzfristiger Kostenentlastungen für unsere Betriebe“, so Dedert und drängt auf das Aussetzen der CO2-Steuer auf Düngemittel und Kraftstoffe sowie die Senkung der Mehrwertsteuer.

Weiter fordert der Vorsitzende: „Der Lebensmitteleinzelhandel muss sich ebenso zu unserer heimischen Landwirtschaft bekennen und mit fairen Preisen zur wirtschaftlichen Stabilisierung unserer Betriebe beitragen.“

Wie sichern wir unsere Energieversorgung?

Zudem müsse man intensiv darüber diskutieren, so Dedert, „wie wir unsere Energieversorgung sichern.“ Auch hier könne die Landwirtschaft eine wichtige Rolle spielen. „Mit den Biogasanlagen haben wir regionale Energieerzeuger für Strom, Gas und Wärme, die zur Energiesicherheit beitragen können“, argumentiert der Vorsitzende. Leider lasse die Politik die Biogasanlagen aber fallen, so dass nach dem 20-jährigen Förderzeitraum des Erneuerbaren Energien-Gesetzes (EEG) aktuell viele Anlagen aufhören müssten, aufgrund fehlender wirtschaftlicher Perspektive. „Deutschland verzichtet also auf regionale, vor Ort kontrollierbare, nachhaltige Energieerzeugung und setzt lieber auf Gaskraftwerke und LNG (Liquefied Natural Gas – Flüssigerdgas) aus anderen Ländern, das vielleicht sogar mit Fracking gewonnen worden ist“, kritisiert der Vorsitzende scharf.

Auf den Punkt gebracht

Es sei doch klar, so Dedert, „dass die Landwirtschaft in Deutschland sowohl bei der nachhaltigen Lebensmittelerzeugung als auch bei der nachhaltigen Energiesicherung eine wichtige Rolle spielt.“ Die Landwirtschaft müsse deshalb die richtigen Rahmenbedingungen und - in der aktuellen Lage - die erforderlichen Entlastungen bekommen, um mit die notwendige wirtschaftliche Unabhängigkeit Deutschlands gewährleisten zu können.