Kreisverband unterstützt Brandbrief der deutschen Obstbauern

Steigende Lohn- und Energiekosten, hohe Auflagen und gleichzeitig ein enormer Preisdruck durch Importe setzen unsere Familienbetriebe massiv unter Druck.
Ruhr-Lippe. Sommerzeit ist Erntezeit, auch beim heimischen Obst, doch die Lage im deutschen Obstbau spitzt sich dramatisch zu. Erstmals seit vielen Jahren haben sich die Bundesfachgruppe Obstbau und alle Landesverbände mit einem gemeinsamen Brandbrief an Politik, Handel und Verbraucher gewandt. Darin warnen sie eindringlich vor den existenziellen Herausforderungen für den Obstbau und die dadurch resultierende Gefährdung der Versorgung mit heimischem Obst. Der Landwirtschaftliche Kreisverband Ruhr-Lippe schließt sich diesem Appell ausdrücklich an.
„Es geht längst nicht mehr nur um die Obstbauern. Es geht um die Frage, wie wir uns in Zukunft ernähren wollen“, sagt Thomas Döring, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe (Kreis Unna, Bochum, Dortmund, Hamm und Herne) und selbst Erdbeerbauer. „Wollen wir auch künftig frische Erdbeeren, Äpfel oder Kirschen aus unserer Region genießen oder machen wir uns immer stärker von Importen abhängig?
„Der Brandbrief macht deutlich, wie ernst die Situation inzwischen ist. Viele Obstbaubetriebe wissen nicht mehr, ob sich die Ernte wirtschaftlich überhaupt noch lohnt“, sagt Thomas Döring. „Steigende Lohn- und Energiekosten, hohe Auflagen und gleichzeitig ein enormer Preisdruck durch Importe setzen unsere Familienbetriebe massiv unter Druck.“ Heimische Erzeugnisse würden massiv mit Importware konkurrieren, die häufig unter deutlich geringeren Sozial-, Umwelt- und Produktionsstandards erzeugt werde. Dieser Wettbewerb sei für viele Höfe kaum noch zu bewältigen, so der Landwirt.
„Unsere Familien investieren viel Herzblut, Fachwissen und Arbeit, um hochwertige Lebensmittel direkt vor unserer Haustür zu erzeugen“, erklärt Döring. „Doch wenn regionale Qualität im Regal nur über den Preis bewertet wird, geraten immer mehr Höfe in Existenznot. Wer möchte, dass auch die nächste Generation noch heimisches Obst anbaut, muss heute die richtigen Weichen stellen.“
Der Kreisverband Ruhr-Lippe sieht deshalb nicht nur die Politik, sondern auch den Lebensmitteleinzelhandel und die Verbraucher in der Verantwortung. Regionale Lebensmittel seien weit mehr als ein schönes Label. Sie stünden für kurze Transportwege, hohe Qualitätsstandards, Versorgungssicherheit und den Erhalt bäuerlicher Familienbetriebe.
„Jeder Hof, der aufgeben muss, ist ein Verlust für die Region, für die Kulturlandschaft und für die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln“, so Döring. In Deutschland verschwinde mittlerweile etwa alle zwei Tage ein Obstbaubetrieb. „Der Brandbrief ist deshalb ein Weckruf. Noch können wir gegensteuern. Aber dafür braucht es faire Wettbewerbsbedingungen und eine echte Wertschätzung für das, was unsere Obstbauernfamilien Tag für Tag leisten.“
„Wer regionales Obst auch in Zukunft kaufen möchte, muss heute die Voraussetzungen dafür schaffen“, betont Döring. „Unsere Betriebe investieren seit Jahren in Nachhaltigkeit, moderne Anbautechnik und hohe Qualitätsstandards. Diese Leistungen müssen sich jedoch auch im Einkauf widerspiegeln. Es kann nicht sein, dass heimische Erdbeeren oder anderes Obst zwar von den Verbraucherinnen und Verbrauchern geschätzt werden, die Erzeuger davon aber nicht kostendeckend wirtschaften können.“
Der Landwirtschaftsverband appelliert deshalb an Politik, Lebensmitteleinzelhandel und Verbraucher, den heimischen Obstbau aktiv zu unterstützen. Notwendig seien verlässliche politische Rahmenbedingungen, faire Wettbewerbsbedingungen innerhalb Europas sowie eine stärkere Wertschätzung regional erzeugter Lebensmittel.
Den vollständigen Brandbrief der deutschen Obstbauern gibt es unter:
https://www.obstbau.org/rubriken/news-infos/brandbrief-der-deutschen-obstbauern.html