Ordentliche Ernten, aber wachsender wirtschaftlicher Druck

Vielfach gute Ernteergebnisse in 2025, aber fallende Preise in vielen Bereichen und schwierige politische Rahmenbedingungen
Ruhr-Lippe (wlv). „Auf den Feldern konnten vielfach gute Ernteergebnisse erzielt werden, doch diese schlagen sich nur begrenzt in den Betriebsergebnissen nieder“, blickt Thomas Döring, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe (Bochum, Dortmund, Hamm, Herne, Kreis Unna), auf das nun endende Jahr zurück. Niedrige Erzeugerpreise bei den Feldfrüchten, hohe Auflagen, zunehmende Bürokratie und fehlende Planungssicherheit hätten in 2025 den Alltag vieler Bauernfamilien der Region geprägt und ihre Zukunftsperspektiven belastet.
Ernteergebnisse solide, Erlöse unter Druck
„Mit den Ernteergebnissen 2025 können wir hier in der Region insgesamt zufrieden sein“, sagt Landwirtevorsitzender Thomas Döring und erläutert: „Gleichzeitig sind die Preise für viele Feldfrüchte deutlich eingebrochen, während politische und bürokratische Anforderungen weiter zunehmen.“
Die Sommerernte war von wechselhaften Wetterbedingungen geprägt. Die Gerste konnte zügig geerntet werden, während längere Regenphasen bei Weizen und Raps für Verzögerungen sorgten. „Mengenmäßig fielen die Getreideerträge gut aus, wirtschaftlich sind die niedrigen Erzeugerpreise in diesem Jahr jedoch ein zentrales Problem“, sagt Döring. Auch die Herbsternte mit Kartoffeln, Mais, Zuckerrüben sowie Gemüse und Obst habe überwiegend ordentliche Ergebnisse gebracht, so der Landwirt.
Deutlich gesunkene Preise im Ackerbau
„Nahezu alle Feldfrüchte haben 2025 spürbare Preisrückgänge verzeichnet“, erklärt Döring. Die Getreidepreise lägen klar unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Weltweit hohe Erntemengen, ein starkes Marktangebot und der hohe Eurokurs würden die Märkte zusätzlich belasten. Besonders deutlich sei der Preisverfall bei Kartoffeln, vor allem bei Verarbeitungskartoffeln, so der Landwirt.
Tierhaltung: Licht und Schatten
„In der Geflügelhaltung stellte sich die wirtschaftliche Lage 2025 insgesamt stabil dar, dennoch sorgt die Ausbreitung der Vogelgrippe für große Unsicherheit“, sagt Döring. Mit dem Ausbruch auf einen Hof in Hamm am letzten Wochenende sei die Krankheit nun im Kreisverband nicht nur beim Wildgeflügel, sondern auch in der Landwirtschaft angekommen. Für die betroffenen Landwirtinnen und Landwirte stelle der Ausbruch der Vogelgrippe und das Töten der Tiere eine große Belastung dar, so Döring.
Auch die Rindfleischpreise seien in 2025 gut gewesen. Beim Milchpreis habe sich bis zum Sommer eine stabile und vergleichsweise gute Situation gezeigt, die notwendig gewesen sei, um gestiegene Kosten aufzufangen. Seit dem Herbst jedoch könne ein deutlicher Abwärtstrend beobachtet werden. „Die aktuellen Dumpingpreise des Lebensmitteleinzelhandels bei Butter und weiteren Milchprodukten verschärfen den Druck zusätzlich“, warnt Döring.
Angespannte Lage im Schweinebereich
Angespannt sei die Lage in der Schweinehaltung. „Die Preise für Schweinefleisch liegen derzeit so niedrig wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr, auch die Ferkelpreise sind nicht auskömmlich“, so Döring. Gerade für Sauenhalter seien jedoch verlässliche Ferkelpreise entscheidend, um die hohen Investitionen für gesetzlich vorgeschriebene Umbauten finanzieren zu können.
Mercosur bringt Sorgen
Mit Blick auf das geplante Mercosur-Abkommen äußern die Landwirte in der Region Ruhr-Lippe erhebliche Bedenken, insbesondere aus Verbraucherschutzsicht. „Es geht nicht nur um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Höfe, sondern ganz klar auch um den Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher“, betont Thomas Döring. Lebensmittel, die unter deutlich niedrigeren Umwelt-, Tierwohl- und Pflanzenschutzstandards erzeugt würden, dürften nicht ohne klare Kennzeichnung und wirksame Kontrollen auf den europäischen Markt gelangen.
Appell an die Politik
Mit Blick ins Jahr 2026 formuliert der Landwirt klare Erwartungen. „Wir Landwirtinnen und Landwirte in der Region brauchen 2026 verlässlichere Rahmenbedingungen, faire Preise, weniger Bürokratie und endlich Planungssicherheit“, so Döring. Die Landwirtschaft leiste einen zentralen Beitrag zur Lebensmittelversorgung, zur Erzeugung erneuerbarer Energien, zur Pflege der Kulturlandschaft sowie zum Klima- und Ressourcenschutz. Dafür brauche es politische Entscheidungen, die den Bauernfamilien eine tragfähige Zukunft ermöglichen.