Kreisverbandstag 2026 | 20. Februar 2026

Ernährungssicherheit braucht verlässliche Rahmenbedingungen

Freuten sich über ein volles Haus beim Kreisverbandstag, v.l.n.r.: Kreisverbandsvorsitzender Josef Lehmenkühler, Generalsekretärin Stefanie Sabet, Kreisgeschäftsführer Burkhard Schröer, Landrat Heinrich Frieling, Kreislandfrau Anne Bühner, Kreislandwirtin Gerlinde Hollmann, Bürgermeister (Welver) Camillo Garzen und der stellv. Kreisverbandsvorsitzende Andreas König.

Volles Haus beim Kreisverbadstag in Oestinghausen, DBV-Generalsekretärin Stafanie Sabet sprach über Versorgungsicherheit und die notwendigen Rahmenbedingungen

Fast 400 Bauern, Bäuerinnen sowie weitere Gäste waren am Donnerstagmorgen, dem 19. Februar 2026, zum Kreisverbandstag des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Soest in der Gemeinschaftshalle in Oestinghausen zusammengekommen. Gastreferentin war in diesem Jahr die neue Generalsekretärin den Deutschen Bauernverbandes Stefanie Sabet. Sie sprach zum Thema „Versorgungsicherheit in Deutschland – welche Rahmenbedingungen braucht die Landwirtschaft?“

Der Kreisvorsitzende Josef Lehmenkühler machte bereits in seiner Begrüßung deutlich, dass in einer Zeit, in denen die Machtverhältnisse der Welt neu geregelt würden, Versorgungsicherheit und damit Versorgungsunabhängigkeit wieder an Bedeutung gewinne: „Wer sich nicht selbst versorgt, macht sich abhängig.“, sagte er und ergänzte: „Was wir von der Versorgung - oder besser Nichtversorgung - mit Medikamenten, Computerchips oder Energie kennen, kann uns auch bei Nahrungsmitteln schnell passieren“. Deshalb müsse die heimische Landwirtschaft leistungs- und wettbewerbsfähig sein Dafür brauche sie jedoch verlässliche und praktikable Rahmenbedingungen.

Stefanie Sabet, seit September vergangenen Jahres Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbandes, betonte in ihrem Vortrag, dass die Spielregeln der Weltgemeinschaft neu geschrieben würden. Europa müsse seine Sicherheit stärker selbst in die Hand nehmen. Dabei müsse auch die Ernährungssicherheit mitgedacht werden: „Es gibt keine Sicherheit ohne Ernährungssicherheit!“, sagte sie. Zur langfristigen Sicherung der Ernährung brauche es bessere Rahmenbedingungen für die heimische Landwirtschaft. „Hier gibt es nicht nur einen Hebel“, so Sabet. Ein zentraler Ansatz sei, die Marktmacht des Handels stärker zu begrenzen. Landwirtinnen und Landwirte seien dem Preisdumping der Einzelhandelsketten zu sehr ausgesetzt. Zugleich stehe die Politik in der Verantwortung. Es könne nicht sein, immer neue Auflagen zu formulieren und sich anschließend aus der Verantwortung zurückzuziehen. Als Beispiel nannte sie das vorzeitige Ende des Bundesprogrammes Tierhaltung. „Wenn der Staat Anforderungen an die Tierhalter stellt, am Markt aber keine höheren Preise zu erzielen sind, kann man die Bauernfamilien mit den enormen Baukosten nicht alleine lassen“, sagte sie. Besonders Sauenhalter müssten enorm hohe Umbaukosten schultern, die sie nicht alleine stemmen könnten. Wenn Politik sich hier aus der Verantwortung ziehe, gäbe es auf Dauer kaum noch in Deutschland geborene Ferkel.

Kreislandwirtin Gerlinde Hollmann zeigte sich in ihrem Schlusswort trotz aller Herausforderungen optimistisch: „Unsere Branche hat Zukunft.“ Eine besondere Stärke der Landwirtschaft liege in generationenübergreifender Verantwortung: „Wissenstransfer – gewachsen über Generationen – verbunden mit modernstem Know-how, um Zukunft zu gestalten.“

 

Bewegung bei den Themen Saatkrähe und Wolf

Kreisgeschäftsführer Burkhard Schröer blickte auf die emotionsgeladenen Themen „Krähe“ und „Wolf“ des Kreisverbandstags des letzten Jahres. In beide Themen sei Bewegung gekommen. „Nach niedersächsischem Vorbild hat die Stadt Soest als hauptbetroffene Kommune beim Kreis die Entnahme einer bestimmten Anzahl von Krähen beantragt“, sagte er. Beim Wolf sei der Schutzstatus zunächst auf europäischer und anschließend auf nationaler Ebene herabgesetzt worden.

 

Der Kreisverbandstag im Wortlaut

Einige Zitate:

„Je mehr Regionen dieser Welt durch den Klimawandel als Lebensmittelquellen möglicherweise ausfallen, desto mehr kommt es auf Regionen wie unsere an.“ (Kreisverbandsvorsitzender Josef Lehmenkühler)

„Der Vertragsnaturschutz muss als verlässliche Option erhalten bleiben, gerade um eine intensive Bewirtschaftungsmöglichkeit unseres Weltklasseackerbaustandortes abzusichern.“ (Kreisgeschäftsführer Burkhard Schröer)

„Wir sind mit unserm Gunststandort hier im Kreis Soest besonders verantwortlich für die Sicherung der Ernährung.“ (Landrat Heinrich Frieling)

„Landwirtschaft ist eine tragende Säule für Stabilität und Zukunft, deshalb braucht sie Planungssicherheit und politische Verlässlichkeit.“ (Bürgermeister Welver, Camillo Garzen)

„Mit jedem Hof, der nicht in die nächste Generation geführt wird, geht ein Stück Versorgungssicherheit verloren.“ (Generalsekretärin Stefanie Sabet)

„Ernährungssicherheit ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist das Ergebnis harter Arbeit, unternehmerischen Mutes und generationenübergreifender Verantwortung.“ (Kreislandwirtin Gerlinde Hollmann)