Erntebilanz im Kreis Soest
Dankbarkeit für eingebrachte Ernte, heißer und trockener Sommer hat Pflanzen und Standorte sehr unterschiedlich getroffen
Kreis Soest (wlv). Das Erntedankfest am kommenden Sonntag ist für die Bauernfamilien im Kreis Soest Anlass, innezuhalten und auf die diesjährige Ernte zurückzublicken.
„Der heiße und trockene Sommer hat die Pflanzen und Standorte dabei sehr unterschiedlich getroffen“, sagt Josef Lehmenkühler, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Soest. „Wenn man allerdings schaut, wie dramatisch die Situation teilweise in Süddeutschland und anderen Regionen ist, müssen wir sagen: Es hätte uns deutlich schlimmer treffen können“, ordnet Lehmenkühler die Situation ein.
„Insgesamt können wir dankbar sein für das, was wir in diesem Jahr ernten konnten“, bilanziert Lehmenkühler.
Getreide
„Mit der Gerste sind wir sehr zufrieden. Die große Hitze im Juni kam zu einem Zeitpunkt, als die Ertragsbildung bereits weitgehend abgeschlossen war. Beim Weizen dagegen bremsten die hohen Temperaturen in der zweiten Junihälfte die Kornentwicklung“, sagt Lehmenkühler. Auf vielen Standorten, insbesondere auf leichten und flachgründigen Böden, blieben die Erträge deshalb unter dem langjährigen Durchschnitt.
Mais und Kartoffeln
Die Maisernte hat in diesem Jahr vergleichsweise früh begonnen. Hitze und Trockenheit beschleunigten die Entwicklung, gleichzeitig waren die Unterschiede zwischen den Standorten groß. „Beim Mais ist die Spannbreite groß. Dort, wo noch ausreichend Wasser zur Verfügung stand, konnten gute Bestände heranwachsen. Auf trockeneren Standorten gibt es dagegen deutliche Ertragseinbußen“, erklärt Lehmenkühler. Auch die Kartoffelernte ist weit fortgeschritten. Insgesamt fällt sie knapper aus als im vergangenen Jahr. Wie stark die Trockenheit ins Gewicht fällt, hängt auch hier stark von Boden, Niederschlag und Wasserversorgung der jeweiligen Flächen ab.
Zuckerrüben noch nicht abschließend bewertet
Die Zuckerrübenernte läuft seit Mitte September und zieht sich noch durch den gesamten Herbst. „Der warme und sonnige Sommer hat zwar die Zuckerbildung begünstigt, gleichzeitig fehlte den Pflanzen Wasser für die Entwicklung der Rüben“, sagt Lehmenkühler. Da die Ernte noch einige Wochen läuft, hänge noch vieles an der weiteren Herbstwitterung, erklärt der Landwirt.
Regen brachte im August Entspannung
Eine wichtige Entlastung brachte der Regen in der zweiten Augusthälfte. Allerdings fiel auch er im Kreis Soest sehr unterschiedlich aus. „Der Regen im August hat vielen Beständen noch einmal geholfen. Aber schon wenige Kilometer können bei den Niederschlagsmengen einen deutlichen Unterschied machen“, beschreibt Lehmenkühler die Situation.
Wiesen und Weiden erholten sich
Auch auf dem Grünland zeigte sich der Einfluss der Witterung. Im Frühjahr entwickelten sich Wiesen und Weiden zunächst gut. Mit Hitze und Trockenheit ging das Wachstum dann deutlich zurück und kam teilweise nahezu zum Erliegen. Die Niederschläge im August sorgten dafür, dass die Flächen wieder grüner wurden und sich die Bestände erholen konnten.
Blick in den Stall
Auch in der Tierhaltung bleibt die Lage angespannt. „Wir sind froh, dass es die im angrenzenden Sauerland im Wildschweinebestand grassierende Schweinepest noch nicht in den Hausschweinebestand geschafft hat“, sagt Lehmenkühler. Gleichzeitig sei die wirtschaftliche Situation der Schweinehalter schwierig: „Wir haben ein Preisniveau, das für die heimischen Schweinehalter ruinös ist.“ Bei der Milch hat sich die Situation nach einem schwierigen ersten Halbjahr zuletzt wieder etwas verbessert.
Kosten bleiben ein Thema
Unabhängig vom Verlauf der Ernte stehen die Betriebe weiterhin unter wirtschaftlichem Druck. Hohe Kosten für Energie, Diesel, Dünger und andere Ausgaben treffen auf teilweise unzureichende Erlöse. „Für uns Bauernfamilien zählt am Ende beides: Was auf dem Feld wächst und was wir dafür erlösen können. Wenn die Preise nicht ausreichen, um die Kosten zu decken, wird es auch bei einer akzeptablen Ernte wirtschaftlich schwierig“, betont Lehmenkühler. Wichtig seien deshalb verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit für die Betriebe.
Dankbar für das, was gewachsen ist
Trotz der unterschiedlichen Ergebnisse fällt der Blick auf die Ernte zum Erntedankfest nicht nur wirtschaftlich aus. „Wir haben in diesem Jahr wieder gesehen, wie unterschiedlich die Natur auf die Felder wirkt. Für das, was trotz Hitze und Trockenheit gewachsen ist und jetzt auf unseren Tischen landet, können wir dankbar sein“, sagt Lehmenkühler.
