Hitze gepaart mit Trockenheit sorgt für kleinere Erträge

Kreisverbandsvorstand stellt auch das Jahr der Frauen in der Landwirtschaft in den Mittelpunkt
Märkischer Kreis. „Wir klagen nicht über das Wetter – wir stellen uns darauf ein“ – Ulrich Brinckmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Märkischer Kreis, zieht auf Hof Emde in Iserlohn trotz Hitze und Trockenheit im Jahr 2026 eine Bilanz für die Ernte im Märkischen Kreis, die durchaus durchschnittliche Erträge beim Getreide und nur geschmälerte Mengen bei Grünland vorweisen kann. Selbst Gemüse konnte bei dem einsetzenden Regen noch gerettet werden, Kartoffeln sind in diesem Jahr kleiner aber von sehr gutem Geschmack. Dass der Klimawandel auf Bauernhöfen direkt Auswirkungen zeigt, ist für ihn der Grund für wichtige Weiterentwicklungen: „Schonende Bodenbearbeitung ohne Pflügen, ausgeklügelter Hitzeschutz für Tiere und der Anbau klimaresistenterer Sorten sind die aktuellen Stichworte auf unseren Höfen,“ so der Vorsitzende.
Traditionelle Erntedank-Pressekonferenz
Bei der traditionellen Erntedankpressekonferenz des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes wird immer eine andere Betriebsform in einer anderen Region des Kreises vorgestellt. Im „UN-Jahr der landwirtschaftlichen Unternehmerinnen 2026“ nimmt der Kreisverband deshalb Chefinnen ins Visier: Im Hofladen „Bauer Emde“ in Iserlohn trägt Inken Emde die Verantwortung für diesen Betriebszweig. Mit Ramona Berbecker ist auch eine Unternehmerin aus Halver dabei.
Da Erntemengen und -qualitäten auf lokaler und regionaler Ebene statistisch nicht erfasst werden, berichtet der enge Vorstand des Kreisverbandes alljährlich zu den einzelnen Bereichen der Landwirtschaft.
Kreisverbandsvorsitzender Ulrich Brinckmann zu Ackerbau und Getreide:
Im nördlichen Märkischen Kreis sind Getreide, Raps und Mais schön gewachsen. Durch die Hitzedepression Ende Juni haben wir zwar fast flächendeckend eine Tonne je Hektar verloren, dennoch haben wir eine durchschnittliche Ernte eingefahren, die uns zufriedenstellen kann.
Die Ernte verlief störungsfrei, das Wetter war gut, Trockenkosten fallen nicht an – das macht mich zufrieden, wohl die meisten meiner Berufskollegen auch.
Zur Preissituation müssen wir abwarten, was die Weltmärkte bringen. Ein Zusammenhang zeigt sich aber immer: Steigend Energiekosten ziehen auch meist unsere Märkte nach oben.
Wir säen jetzt neu fürs kommende Jahr, der Raps ist seit zwei Wochen in der Erde, ist auch gut aufgelaufen, alle weiteren Getreidearten werden in den nächsten sechs bis acht Wochen in die Erde kommen. Wir pflügen eigentlich gar nicht mehr, sind bodenschonend in den oberen Schichten unterwegs.
Gemüse hat auf Wasser gewartet
Von den Gemüsebauern in unserer Nachbarschaft kann ich berichten, dass sie durch die Niederschläge der letzten Zeit doch noch „mit einem blauen Auge davonkommen“. Die Felder mussten allerdings im Sommer ständig beregnet werden, das war ein großer Aufwand für die Bauern.
Kartoffeln sind kleiner
Die Kartoffeln, die im Märkischen Kreis stellenweise angebaut werden, sind in diesem Jahr kleiner und werden bei uns hauptsächlich direkt in den eigenen Hofläden verkauft. Große Kontrakte für Industriekartoffeln sind hier nicht die Regel, sodass wir auch keine Auswirkungen auf die Größe der Pommes verursachen.
Die Besonderheiten bei Grünland und Milch:
Der zweite Kreisverbandsvorsitzende Hendrik Vedder aus Meinerzhagen war zum Termin verhindert, ließ der Runde aber vorab diese Bilanz zukommen: "Im Frühjahr startete die Düngesaison mit einer guten Befahrbarkeit der Flächen und ausreichenden Niederschlägen. Der erste Grünlandschnitt konnte oft schon Ende April erfolgen bei guten Qualitäten mit durchschnittlichen Erntemengen. Unterbrochen durch ein Regenwoche Anfang Mai konnte mit deutlich überdurchschnittlichen Erträgen und nur geringfügig schlechterer Qualität der erste Schnitt zum Abschluss gebracht werden.
Auch der zweite Schnitt wuchs mit der warmen Witterung und den nötigen Niederschlägen mit optimalem Ertrag heran.
Mit dem Aufkommen der Hitze Mitte Juni mit Temperaturen von oft über 30°C boten sich viele Gelegenheiten Heu zu trocknen. Die Grasnarbe litt schnell unter den Temperaturen, weshalb der dritte Schnitt deutlich geringer ausfiel. Das Ausbleiben nennenswerter Niederschläge bis Mitte August und die hohen Temperaturen setzten dem Grünland weiter zu, sodass sich ein steppenartiges Bild bot, was man bis dato auf dem Grünland selbst in vorherigen Dürrejahren nicht gesehen hatte.
Betriebe mit Sommerweidehaltung mussten schon früh aus dem Wintervorrat zu füttern.
Der mit Sehnsucht erwartete Regen im August belebte das Gras, welches die Trockenheit besser als erwartet überstanden hatte und sorgt aktuell für dichte Bestände."
Mais nach gutem Start im Trockenstress
Beim Silomais zeichnete sich bis zum Beginn der Trockenperiode ein gutes Bild ab, was aber dann jäh zerstört wurde. Die Pflanzen litten massiv unter Trockenstress in der Bestäubungs- und Kolbenbildungsphase, sodass auf flachgründigen und steinigen Standorten, die ein schlechtes Wasserspeichervermögen haben, kein Kolben gebildet wurde und sogar Pflanzen vollständig abstarben. Die verbliebenen Pflanzen sind durch die Regenfälle im August wieder gut vitalisiert worden, bleiben aber deutlich in der Wuchshöhe und im Kolbenanteil zurück. Der Mais wird im Moment gehäckselt. Geschätzt sind es ca. 20-25% weniger Ertrag.
Erzeugerpreise ziehen langsam an, Energiekosten weiter hoch
Der Milchmarkt reagierte nicht auf die geringere Milchleistung während der Hitzeperiode. Es wurden weiterhin höhere Milchmengen als im Vorjahreszeitraum abgeliefert. Die Erzeugerpreise ziehen aktuell nur geringfügig an und decken nicht die Kosten, die auch durch die exorbitant hohen Energiepreise massiv gestiegen sind.
Die Ausbreitung des Shamonda Virus, welches bei Rindern für Fieber, Durchfall und verminderte Leistung sorgt, wird mit Sorge betrachtet, da es noch keinen Impfstoff gibt.
Zweite Kreisverbandsvorsitzende Dr. Christina Große-Frericks zum Jahr der landwirtschaftlichen Unternehmerinnen:
Das UN-Jahr der Landwirtin 2026 rückt die Bedeutung von Frauen in der Landwirtschaft weltweit ins Rampenlicht – und damit auch die vielen heimischen Landwirtinnen, die mit Leidenschaft, Fachwissen und Innovationskraft ihre Höfe führen. Die Frauen im Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) sehen in dem UN-Jahr eine besondere Chance, das Engagement der landwirtschaftlichen Unternehmerinnen sichtbar zu machen, anzuerkennen und sie in ihrer Arbeit zu stärken. Im WLV gibt es seit drei Jahren einen Unternehmerinnen-Ausschuss, in dem die besondere Situation der Chefinnen auf den Höfen berücksichtigt wird.
Generell im WLV und dann vor allen Dingen im Unternehmerinnen-Ausschuss ist erkennbar, dass immer mehr Betriebe keinen Sohn brauchen um mit Freude, Zuversicht und Motivation in die Zukunft geführt zu werden. Weibliche Betriebsleitung ist nicht unüblich, ebenso werden zum Beispiel auch höhere Ehrenämter wie Kreisverbandsvorsitz oder Kreislandwirtin auch von Frauen übernommen.
Hier geht es zur Internetseite des Hofes: https://www.bauer-emde.de/
Hier stellen wir zwei Unternehmerinnen aus dem Märkischen Kreis vor: https://wlv.de/kreisverbaende/maerkischer-kreis/projekte/chefin-auf-dem-hof
Alle Informationen und Zahlen zur Ernte in Westfalen-Lippe finden Sie hier:
https://wlv.de/presse/pressemeldungen/wlv-erntebilanz-auf-hof-henk-in-bad-berleburg


