Landwirtschaftliches Jahr 2025: | 29. Dezember 2025

Erst Rückenwind, dann wachsende Sorge auf den Höfen

"2025 startete mit guten Milchpreisen, doch dann kam die Wende“, so der heimische Landwirtevorsitzende Dirk Kalthaus.
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2025 war für die Bauernfamilien im Ennepe-Ruhr-Kreis und in Hagen ein Jahr mit gegensätzlichen Tendenzen.

Ennepe-Ruhr-Kreis/Hagen (wlv). „Solide Ernten, stabile Rindfleischpreise und zunächst erfreuliche Milchpreise prägten das Landwirtschaftsjahr 2025, doch seit dem Herbst wächst die Unsicherheit auf den Höfen“, so blickt Dirk Kalthaus, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ennepe-Ruhr/Hagen auf das nun endende Jahr 2025 zurück.

2025 war für die Bauernfamilien im Ennepe-Ruhr-Kreis und in Hagen ein Jahr mit gegensätzlichen Tendenzen: Ausreichende Ernten, erfreulich gute Milchpreise bis in den Sommer hinein und stabile Rindfleischpreise sorgten zeitweise für Entlastung auf den Höfen. Gleichzeitig blieben hohe Kosten, zunehmende Bürokratie und unsichere politische Rahmenbedingungen ständige Begleiter. Seit dem Herbst hat sich das Bild erneut gedreht. „Insbesondere die Trendwende im Milchpreis setzt uns Milchkuhhalter zunehmend unter Druck“, so Kalthaus. Gerade in der heimischen vom Mittelgebirge, hohem Grünlandanteil und damit Milchviehhaltung geprägten Region treffe diese Entwicklung die Höfe besonders, sagt der Landwirt.

Preisschlacht bei Butter belastet Milchbauern

Discounter hätten sich mit Milchprodukten, allen voran mit der Butter, in den letzten Wochen eine Preisschlacht geliefert. „Was wir hier erleben, ist ein Konkurrenzkampf auf dem Rücken der Milchbauern“, kritisiert Kalthaus. Butter und andere Milchprodukte würden offenbar gezielt als Lockangebot eingesetzt, um Kundinnen und Kunden in die Märkte zu ziehen. „Diese künstlich gedrückten Preise wirken sich am Ende immer auf den Milchpreis aus und damit auf uns Landwirtinnen und Landwirte“, sagt Dirk Kalthaus.

Ausreichende Futtergrundlage

„Die Grasernte 2025 fiel insgesamt zufriedenstellend aus“, so Kalthaus und erklärt: Zwar sei der Aufwuchs hinter den besonders regenreichen Jahren zurückgeblieben, läge aber deutlich über den extrem trockenen Sommern früherer Jahre. Auf den meisten Höfen seien die Futtervorräte ausreichend, um die Tiere gut über den Winter zu bringen.

Entlastend wirkte sich zudem aus, dass die Auswirkungen der Blauzungenkrankheit dank frühzeitiger Impfungen deutlich geringer ausfielen als im Vorjahr. „Das hat uns Rinder- und Schafhaltern Sorgen genommen“, sagt Kalthaus.

Ackerbau: Solide Ernte aber deutlich gesunkene Preise

Auf dem Acker war die Ernte im Sommer von wechselhaften Wetterbedingungen geprägt. „Die Gerste konnte zügig geerntet werden, während längere Regenphasen bei Weizen und Raps für Verzögerungen sorgten“, erklärt Kalthaus. Mengenmäßig seien die Getreideerträge gut ausgefallen, wirtschaftlich seien die niedrigen Erzeugerpreise in diesem Jahr jedoch ein zentrales Problem. Auch die Herbsternte mit Kartoffeln, Mais sowie Gemüse und Obst brachte überwiegend ordentliche Ergebnisse.

„Nahezu alle Feldfrüchte haben 2025 spürbare Preisrückgänge verzeichnet“, erklärt Kalthaus. Die Getreidepreise lägen klar unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Weltweit hohe Erntemengen, ein starkes Marktangebot und der hohe Eurokurs würden die Märkte zusätzlich belasten, so der Vorsitzende. Besonders stark betroffen seien Kartoffeln, vor allem Verarbeitungskartoffeln, bei denen es zu erheblichen Preiseinbußen gekommen sei.

Strukturwandel geht weiter

Der Strukturwandel schreitet in der Region weiter voran, besonders deutlich in der Tierhaltung. Die Zahl der Milchkuhhalter hat sich in den vergangenen zehn Jahren im Ennepe-Ruhr-Kreis um mehr als 30 Prozent reduziert. So gab es im November 2015 hier noch auf 85 Höfen Milchkühe, im November 2025 nur noch auf 60 Betriebe. In Hagen hat sich die Zahl in diesem Zeitraum halbiert, von 10 auf 5 Milchkuhhalter. Neben Markt- und Kostendruck würden ständig strengere gesetzliche Vorgaben, hohe Bürokratie sowie fehlende Planungssicherheit eine zentrale Rolle spielen, so Kalthaus.

Klare Erwartungen an Politik und Handel

Unabhängig von Ernte und Futterlage stehen die Betriebe weiterhin unter wirtschaftlichem und politischem Druck. Steigende Kosten, hohe Bürokratie und fehlende Planungssicherheit erschweren Investitionen und langfristige Entscheidungen. „Wer heimische Milch, Tierwohl und gepflegte Kulturlandschaften haben möchte, muss auch für faire Preise und verlässliche politische Rahmenbedingungen sorgen“, sagt Kalthaus.

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