Agrarmärkte im Wandel | 18. März 2026

Kreisverbandstag rückt aktuelles Marktgeschehen in den Fokus

Diskutierten über die aktuellen Agrarmärkte, v.l.n.r.: Dirk Kalthaus (Kreisverbandsvorsitzender Ennepe-Ruhr/Hagen), Thomas Döring (Kreisverbandsvorsitzender Ruhr-Lippe), Johann Meierhöfer (Deutscher Bauernverband) und Philipp Schilling (Agrarmarktpodcast)
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Philipp Schilling, Marktexperte und Host des Agrarmarktpodcast und Johann Meierhöfer vom Deutschen Bauernverband erklärten aktuelle, komplexe Marktmechanismen.

Ennepe-Ruhr/Hagen (wlv). Kaum jemand bleibt von den Auswirkungen des Iran-Krieges auf die verschiedenen Märkte unberührt, auch die landwirtschaftlichen Märkte sind davon massiv betroffen. So gewann das Thema „Landwirtschaftliche Märkte aktuell – Hintergründe, Entwicklungen, Ausblick“ beim diesjährigen Kreisverbandstag der Landwirtschaftlichen Kreisverbände Ennepe-Ruhr/Hagen und Ruhr-Lippe (Bochum, Dortmund, Hamm, Herne, Kreis Unna) eine zusätzliche ungeplante Aktualität. Rund 350 Landwirtinnen und Landwirte sowie zahlreiche Ehrengäste kamen am Dienstagabend (17.03.2026) im Freischütz in Schwerte zusammen.

Dirk Kalthaus, Vorsitzender der Landwirte des Ennepe-Ruhr-Kreis und Hagen, machte gleich zu Beginn deutlich, wie wichtig es für die Landwirtschaft sei, sich aktiv mit dem Marktgeschehen auseinanderzusetzen: „Die landwirtschaftlichen Märkte sind in den letzten zehn Jahren deutlich komplexer geworden, das Verhältnis von Angebot und Nachfrage bestimmt schon lange nicht mehr allein den Preis,“ sagte er. Umso wichtiger sei es für die heimischen Landwirtinnen und Landwirte, sich intensiv mit den Marktmechanismen zu beschäftigen.

Hauptreferent des Abends war Philipp Schilling, Marktexperte und Host des Agrarmarktpodcast. Geostrategische Faktoren wie Kriege und Handelsauseinandersetzungen gewännen zunehmend an Bedeutung, erklärte er. Auch der aktuelle Iran-Krieg wirke sich deutlich auf die Landwirtschaft aus. Neben Diesel sei besonders der Preis für Dünger angestiegen, da beispielweise 30 Prozent der Stickstoffdünger durch die Straße von Hormus müssten. Zwar hätten sich auch die Preise für einige landwirtschaftliche Produkte erhöht, jedoch bei weitem nicht im gleichen Maße wie die Betriebsmittelkosten. Neben den geopolitischen Einflüssen seien noch viele weitere Faktoren wie Indexfonds, Spekulanten, Exporteure, Importeure, Händler oder Verarbeiter wichtig im Marktgeschehen. „Alles hängt mit allem zusammen,“ sagte er. Vor allem Fonds und spekulatives Kapital nähmen eine zunehmend größere Rolle ein.

Johann Meierhöfer vom Deutschen Bauernverband machte deutlich, dass sich die deutsche und europäische Landwirtschaft weltweit im Marktgeschehen behaupten müsse. „Europäische Landwirte erzeugen unter strengsten Auflagen und konkurrieren auf demselben Markt mit Ware, für deren Erzeugung diese Auflagen schlicht nicht gelten“, sagte er. Der Deutsche Bauernverband bekenne sich zu einem offenen, regelbasierten Handel. Abschottung sei keine Antwort auf die Herausforderungen globaler Agrarmärkte. Gleichzeitig brauche Handel verlässliche Regeln und vergleichbare Rahmenbedingungen. Dabei dürfe man nicht allein darauf hoffen, dass sich andere Länder anpassen, auch Europa müsse prüfen, wo Auflagen reduziert werden können, ohne bestehende Standards zu gefährden. Ziel müsse es sein, unsinnige Wettbewerbsverzerrungen abzubauen und stärker wissenschaftsbasierte Vorgaben umzusetzen.

 

Der Kreisverbandstag im Wortlaut

Einige Zitate:

„Die deutsche Landwirtschaft bekennt sich zu offenem Handel – aber Handel ohne gleiche Regeln für alle ist kein fairer Wettbewerb, sondern organisierte Benachteiligung." (Johann Meierhöfer, Deutscher Bauernverband)

„Wir müssen mit der Politik ins Gespräch darüber kommen, dass die Auflagen in der Landwirtschaft daraufhin angepasst werden, dass wir auf den internationalen Märkten konkurrenzfähig sind.“  (Dirk Kalthaus, Kreisverbandsvorsitzender Ennepe-Ruhr/Hagen)

„Regulatorische Rahmenbedingungen verschlechtern die Wettbewerbsfähigkeit deutscher und europäischer Bauern massiv.“ (Philipp Schilling, Host Agrarmarktpodcast)

„Wenn man heute Landwirt ist, braucht man mehr als nur Fachwissen. Man braucht: Unternehmergeist, Durchhaltevermögen, Geduld, und manchmal auch ziemlich starke Nerven.“ (Thomas Döring, Kreisverbandsvorsitzender Ruhr-Lippe)

„Wenn wir auf das Jahr 2026 blicken, dann sehen wir viele Herausforderungen. Aber wir sehen auch einen Berufsstand, der engagiert ist, der zusammenhält und der bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.“ (Pia Caren Bömer, Kreisgeschäftsführerin)

 

Pressekontakt:

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